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Dreihäuser hoffen auf Wärme aus Grünschnitt

Parlament Ebsdorfergrund Dreihäuser hoffen auf Wärme aus Grünschnitt

Breitband, die Kindergartenübernahme in Rauischholzhausen und ein Nahwärmeprojekt in Dreihausen standen als wichtige Entscheidungen am Montagabend auf der Tagesordnung der Gemeindevertreter im „Grund“.

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In Dreihausen arbeitet man an einer Nahwärmelösung.

Quelle: Thorsten Richter

Dreihausen. Dass die Gemeinde zum 1. Januar 2013 die Trägerschaft des Kindergartens Rauischholzhausen von der evangelischen Kirchengemeinde übernimmt (die OP berichtete), fanden die Parlamentarier durchweg begrüßenswert. Sie sprachen sich einstimmig dafür aus. In der Präambel des Übergabevertrages wurde niedergeschrieben, dass es Ziel der Kirchengemeinde sowie der Gemeinde ist, den Kindergartenstandort in Rauischholzhausen zu erhalten.

In der Aussprache zu diesem Tagesordnungspunkt wurde deutlich, dass dieser Punkt den Parlamentariern sehr wichtig war. Bürgermeister Andreas Schulz erklärte, dass der Erhalt allerdings nicht an das jetzige Gebäude am Kreuzweg gebunden ist. Denkbar ist, dass die Kindertagesstätte zusammen mit dem Standort Grundschule betrieben wird. Bei zurückgehenden Kinderzahlen, sei das auch eine Option zum Erhalt des Schulstandortes, was Werner Meyer von der Fraktion Die Grünen/Bündnis 90 lobte.

Breitband-Internet möchte man auch in Ebsdorfergrund. Hier sprachen sich alle Fraktionen nur lobend über die Initiative aus. „Eine Sache von großer Tragweite“, betonte der CDU-Fraktionschef Ludwig Bender. Für den Antrag zum Beitritt der Breitband Marburg-Biedenkopf GmbH gab es ein uneingeschränktes „Ja“.

Uni Gießen begleitet Projekt

Die Parlamentarier brachten ebenso einen „Letter of Intent“, das heißt eine „verbindliche Absichtserklärung“ auf den Weg. Damit soll geprüft werden, ob in Dreihausen ein Nahwärmenetz entstehen kann, das „möglicherweise deutschlandweit einmalig“ sein könnte. Der Bürgermeister erklärte, dass mit dem Holz aus Grünschnitt und der Obstbaumpflege in Zukunft die Gemeindeverwaltung, das Bürgerzentrum, die Kindertagesstätte, das Martin-Luther-Haus und auch kleinere Einheiten in der Dorfmitte mit Nahwärme versorgt werden könnten.

Um dies umzusetzen, haben sich verschiedene Partner zusammengetan. Die Stadtwerke Marburg GmbH, die Gemeinde Ebsdorfergrund, der Kreis Marburg-Biedenkopf und die AgroForst-Naturenergien GmbH i.G. prüfen nun, ob und in welchem Umfang der Aufbau des Projektes „Grundwärme Ebsdorfergrund Dreihausen“ möglich ist. Geplant ist, dass Holzhackschnitzel aus dem Landschaftspflegeschnitt im Gewerbegebiet Dreihausen mit der Abwärme der Firma Dr. Schär getrocknet werden. Die Firma erhält im Gegenzug Kälte, die mit Strom von einer auf dem Dach der Trocknungsanlage installierten Fotovoltaikanlage erzeugt wird. Die getrockneten Hackschnitzel wiederum sollen in einer Heizzentrale neben dem Bürgerzentrum verbrannt werden, um dann die genannten Liegenschaften mit Wärme zu versorgen.

Begleitet wird das Pilotprojekt von Professor Rainer Waldhardt von der Justus-Liebig-Universität Gießen. Unterstützung soll auch über Leader-Mittel durch die Region Marburger Land kommen. Schulz beschrieb das als „Leuchtturmprojekt“ in der Region. SPD-Fraktionsmitglied Lothar Heidt, der auch Ortsvorsteher von Dreihausen ist, appellierte ans Parlament: „Das ist eine innovative Idee, für die ich sehr positiv bin.“ Der Freie Wähler Michael Preiß hatte Angst um das Dorfbild, aufgrund des geplanten Standortes und eines 12 Meter hohen Schornsteins. Er sagte, dass seine Fraktion das Vorhaben gut fände, stimmte dann aber als einziger mit „Nein“.

Astschnitt-Menge reicht aus

Aus den Reihen der Grünen wurde die Befürchtung geäußert, dass der Astschnitt nicht reichen könnte, um das Projekt umzusetzen. Thomas Birk von der in Gründung befindlichen AgroForst-Naturenergien GmbH, die verantwortlich für das Projekt ist, zeigte auf, dass hinter dem Vorhaben noch viel größeres Potenzial steckt. Aus den errechneten 2600 Tonnen Astschnitt können rund 8,4 Millionen Kilowattstunden gewonnen werden. Die bisher geplanten Abnehmer würden davon nur 15 Prozent verbrauchen.

Der Bürgermeister machte deutlich, dass die Gemeinde nur Kunde sein wird und nicht Betreiber. Die Wärme liefern und verkaufen werden die Stadtwerke. Die Gemeinde stellt nur das Grundstück im Baugebiet zur Verfügung, verpachtet es für die Heizanlage in der Dorfmitte und lässt die Liegenschaften für einen „attraktiven“ Preis anschließen. Zudem sei mit dem „Letter of Intent“ noch nichts entschieden, er ermögliche nur die Prüfung des Vorhabens, erklärte Schulz. Den „Startschuss“ für das Nahwärmenetz gaben die Mitglieder der Fraktionen Grüne/Bündnis 90 sowie die der SPD. CDU und Freie Wähler enthielten sich der Stimme.

von Martina Becker

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