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Drei Kommunen setzen auf Wind

Ebsdorfergrund Drei Kommunen setzen auf Wind

Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause sowie ihre Kollegen Peter Gefeller und Andreas Schulz wollen Windkraftanlagen mithilfe ihrer Bürger selbst finanzieren.

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Sie sind sich einig: Windenergie gehört in die Hand von Kommunen und Bürgern. Bürgermeister Andreas Schulz (links), Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause und Bürgermeister Peter Gefeller. Foto: Martina Becker

Dreihausen. „Verspargeln lassen wir uns nicht“ - so die Kernaussage der Troika. Das soll kein „nein“ zur Windkraft sein, aber eine klare Aussage dazu, dass man den Bau von Windkraftanlagen in der eigenen Region nicht aus der Hand geben will. „Wenn wir nicht aufpassen, wird unser Landschaftsbild binnen drei bis fünf Jahren drastisch verändert und wir haben nur den Schaden - sprich eine stark veränderte Landschaft - und keinen Nutzen“, sagte Andreas Schulz, Bürgermeister von Ebsdorfergrund. „Wir wollen nicht nur die negativen Seiten in Kauf nehmen müssen, sondern auch bei den Gewinnern sein“, ergänzte Peter Gefeller, Bürgermeister der Stadt Staufenberg.

Zusammengeführt haben die Verwaltungschefin und ihre zwei Kollegen die neuen regionalen Pläne für Windenergie­flächen. Seit Fukushima habe die Windenergie große Bedeutung gewonnen, erklärte Ge­feller. Die neuesten Pläne des Regierungspräsidiums sehen vor, dass zwei Prozent des Gebietes als Windvorrangflächen ausgewiesen werden. „Wenn wir nicht aufpassen, bedeutet das, dass in den drei Kommunen schnell rund achtzig Windkraftanlagen stehen“, sagte Bergen-Krause. Zur Vorstellbarkeit dieser „eigentlich irrsinnigen“ Pläne erklärte Gefeller: „Im Vogelsbergkreis stehen zurzeit 260 Anlagen, was etwa einem Prozent der dortigen Fläche entspricht“.

Gute und sichere Rendite aus der Kraft des Windes

Im Vergleich ganz hinten sind da noch der Landkreise Gießen mit sieben und Marburg-Biedenkopf mit zwanzig Anlagen. Der Vogelsberg ist das Musterbeispiel dafür, wie es im Lumdatal und Ebsdorfer Grund zukünftig auf keinen Fall aussehen soll. „Dort wurden die Kommu­nen mit kleinem Geld für die Wegerechte abgespeist, und den Profit machen fremde Investoren“, erklärte Gefeller. Windkraftanlagen bieten nämlich im Vergleich zu Sparbuch oder Aktie eine gute und sichere Rendite. „Diese muss in der Region bleiben“, meinte Schulz. All diese Aspekte haben die drei dazu bewogen, gemeinsam für einen ganzheitlichen Ansatz zu kämpfen. Dieser sieht vor, dass in interkommunaler Zusammenarbeit die Windkraftanlagen nur in Eigenregie errichtet und auch die Standorte gemeinsam ausgewählt werden. Dabei sollen die Akzeptanz der umliegenden Dörfer und die ertragsreichsten Plätze Auswahlkriterien sein.

Auch der Einbezug und die Begleitung durch die ortsansässigen Naturschutzorganisationen sind der Verwaltungschefin und ihren Kollegen wichtig. „So kann keiner dem anderen die Windräder einfach vor die Nase schieben“, betonte Schulz.

Zudem sieht der Plan vor, dass die Bürger vor Ort als Ausgleich zur landschaftlichen Einbuße am Gewinn partizipieren können. Nach dem genossenschaftlichen Prinzip soll es die Möglichkeit geben, Anteile zu erwerben. Das Investitionsmodell sieht vor, dass die Kommunen 49 Prozent, die Energiegenossen 30 Prozent und die regionalen Versorger 21 Prozent der Investitionssumme tragen. Schulz erklärte, dass das 10-Millionen-Euro-Projekt für alle Beteiligten satte Gewinne bringen werde. Zum Konzept gehört auch, nur mit ortsansässigen Kreditinstituten zu arbeiten. Gespräche haben gezeigt, dass die Volksbank Mittelhessen sowie die Sparkassen Gießen und Marburg dem Vorhaben gegenüber sehr aufgeschlossen sind.

Das Geschäftsmodell gibt es bereits. Die Idee vom erfolgreich umgesetzten Solarpark Lumdatal, an dem sechs Kommunen beteiligt sind, soll nun auf die Windkraft übertragen werden. Pilotprojekt werden drei Windkraftanlagen auf dem Höhenzug zwischen Ebsdorfergrund-Leidenhofen und Allendorf-Winnen im Gebiet „Kalter Stall“ sein. Die Planungen sind bereits recht weit fortgeschritten, die Genehmigung durch den Regierungspräsidenten steht noch aus.

Mitmachen kann bei der Energiegesellschaft jeder. Die Kommunen Fronhausen, Lollar, Wettenberg, Rabenau, Buseck und Reiskirchen haben bereits Interesse angemeldet.

Bergen-Krause, Gefeller und Schulz appellieren an Landbe­sitzer, von Pachtverträgen mit fremden Investoren Abstand zu nehmen. Diese werden nicht umsetzbar sein, wenn sie gegen die Pläne der Kommunen gehen. „Wir lassen uns da auch gegenseitig nicht ausspielen“, erklärte Bergen-Krause.

Ebenso wie das Modell Solarpark sei auch dieses Vorhaben hessenweit einzigartig, betonte Gefeller, der es als Paradebeispiel für gelebte interkommunale Zusammenarbeit bezeichnete.

von Martina Becker

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