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Südkreis Die Kuh ist gefunden, aber zersägt
Landkreis Südkreis Die Kuh ist gefunden, aber zersägt
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00:18 05.08.2018
Da ist sie wieder. In zwei Teile zersägt lag sie in einem Keller in einem Mehrfamilienhaus in Fronhausen. Quelle: Nadine Weigel
Fronhausen

Die positive Nachricht für Ernst Bodenbender: Seine in der Nacht zum 3. Juli gestohlene bunte Kuh aus Acryl, die zwei Jahre gegenüber von seinem Haus stand und sich in dieser Zeit zum geheimen Wahrzeichen von Fronhausen entwickelte, ist gefunden und sichergestellt worden.

Die nicht so schöne Nachricht für ihn: Die Kuh ist nicht nur ­etwas beschädigt, sie wurde tatsächlich unter Zuhilfenahme einer Säge in zwei Hälften geteilt. Freude über das „Wiedersehen“ kann Bodenbender deshalb wirklich nur bedingt empfinden. Denn insgeheim hatte er doch gehofft, dass der „Klau“ der 50 Kilo schweren und 2,50 Meter großen Kuh nur ein aus dem Ruder gelaufener Streich war, so stellte er gar ein kleines Fest mit Bier und Bratwurst in Aussicht, wenn sich der oder die „Kuh-Entführer“ einfach stellen und die Kuh wieder zurückbringen. Es hätte ja durchaus ­eine Mutproben-Aktion sein können,­ die einfach nicht zu Ende gedacht wurde.

Aber wie heißt es Neudeutsch so schön: Hätte, hätte, Fahrradkette. Nein, aus der Sommerferien-Geschichte, die überregionales Medieninteresse weckte, ­unter anderem berichteten auch der HR und das ZDF im Fernsehen darüber, entpuppt sich nun als gewollter Diebstahl mit ­gewollter Sachbeschädigung.

Am frühen Montagabend, 30. Juli informierte der Eigentümer die Polizei darüber, dass die Kuh in dem Keller eines Mehrfamilienhauses im Ort gelagert sei.

Die Polizei stellte anschließend tatsächlich in dem angegebenen Keller die Kuh, aber wie beschrieben beschädigt, sicher. Jetzt müssen die Ermittler klären, wer für den Diebstahl und die Sachbeschädigung verantwortlich ist. ­Gegenüber den Medien will sich ­Bodenbender nicht äußern, wie er auf den Kellerraum aufmerksam wurde.­ „Die Kriminalpolizei ermittelt­ nun im Umfeld des Hauses nach dem mutmaßlichen Täter. Ein junger Mann, der dort wohnhaft ist, wurde bereits vor Ort zu dem Vorfall befragt. Er bestreitet jegliche Beteiligung an der Tat“, sagt Polizeisprecher Jürgen Schlick.

Bodenbender setzte Suchaktion mit Buttons fort

Bodenbender hatte schon früh die Vermutung geäußert, dass die Kuh, die mit Edelstahlschrauben befestigt auf einem ­eigens angefertigtem Sandsteinfundament gestanden hatte, noch im Ort sei, schließlich hätte es schon eines Anhängers bedurft, die Kuh als Ganzes abzutransportieren. Deshalb hatte er auch nicht aufgegeben, nach ihr zu suchen. „Nachdem das Medieninteresse nachgelassen hatte, habe ich mir überlegt, wie ich das Thema in Fronhausen hochhalten kann“, sagt Bodenbender. Er ließ unter anderem Buttons von der Kuh anfertigen und verteilte sie im Dorf.

Ernst Bodenbender ließ Shirts und Buttons mit Kuhmotiven anfertigen, um so das Thema am Laufen zu halten. Quelle: Nadine Weigel

Insbesondere den Kindern war die Kuh ans Herz gewachsen, saßen doch viele von ihnen auch schon mal auf der Kuh für lustige Fotos. Bodenbender zeigte­ sich auch ganz gerührt von den Zusendungen einiger Kinder, die für ihn die Kuh malten. So wurde also in den zurückliegenden Tagen im Ort immer mal wieder über die Kuh und damit auch über ihren möglichen Verbleib geredet. Offensichtlich führte diese Taktik dann zum Erfolg, was den Fundort angeht.

Die Kuh befindet sich nun an einem sicheren Ort und wird noch näher auf Spuren ­untersucht werden, die dann hoffentlich auch zum Täter führen werden, so Bodenbender. ­Jede weitere Aussage sei jetzt verfrüht und gebe nur Raum zu Spekulationen. Das sei nicht in seinem Sinne und helfe auch der Polizei nicht weiter. So sieht das auch Jürgen Schlick, der bestätigt, dass die Ermittlungen noch andauern und es deshalb nicht produktiv sei, mit nicht gesicherten Erkenntnissen an die Öffentlichkeit zu gehen.

von Götz Schaub