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Südkreis Störche zurück im Landkreis
Landkreis Südkreis Störche zurück im Landkreis
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00:18 03.03.2019
Heinrich Preiß und Peter Kornmann haben das Nest erfolgreich auf den ehemaligen Sendemast gesetzt. Quelle: Manfred Lehr
Heskem

Wer hat den ersten gesehen, wo hat der erste Quartier bezogen? Storch-Freunde tauschen sich aus, auch über die sozialen Medien. Viele sind schon gespannt, ob „ihr“ Storchenpaar wieder zurückkommt, denn Storche sind nicht nur ihren Partnern treu, sondern auch – wenn es geht – ihren Brutplätzen. Nun stieg die Zahl der Brutpaare in den letzten Jahren merklich an.

Das heißt, es könnte auf dem ersten Wohnmarkt schon ein bisschen eng werden. Doch gibt es hier im Landkreis immer wieder Storchenfreunde, die in Sachen Quartier für neue tolle Alternativen sorgen. Auf dem Servicehof der Gemeinde Ebsdorfergrund wurde dieser Tage wahrlich ein Storchennest in der Ausführung „Deluxe“ montiert. Ausgeführt haben die Montagearbeiten die Ebsdorfer Peter Kornmann, Heinrich Preiß und Manfred Lehr.

Dabei musste nur das Nest selbst angefertigt werden, der Turm stand bereits. Denn dabei handelt es sich um den alten Funkmast, der 16,40 Meter hoch in den Himmel ragt. Edith Grau, die für die Gemeinde im Servicehof tätig ist, hat aus ihrem Büro heraus im vergangenen Jahr beobachtet, wie ein Storch versucht hat, auf dem daneben stehenden Salzsilo ein Nest anzulegen, wobei sich die Plattform als völlig ungeeignet erwies.

Schüler bauen ein Roh-Nest 

Auch Mitarbeiter Lars Debelius sind die Bemühungen des Storches aufgefallen. So wurde Manfred Lehr vom Nabu aktiv und ließ von Schülern in den Werkstätten der Adolf-Reichwein-Schule ein Roh-Nest mit einem Durchmesser von 1,30 Metern anfertigen. Um es dem Storchenpaar leichter zu machen und den Nachwuchs vor einem ungewollten Runterfallen zu sichern, statteten die Schüler das Nest mit einer Umrandung aus Haselnusszweigen aus.

Für die Inneneinrichtung müssen die Störche dann schon selbst sorgen. Um das Nest nun auf den Turm zu bringen, mussten die drei Ebsdorfer einen Hubsteiger anmieten. Die Kosten dafür übernahm die Gemeinde Ebsdorfergrund. „Das ist doch keine Frage, dass wir uns da gerne mit einbringen“, sagt Bürgermeister Andreas Schulz.

Die Gemeinde führe zwar die Libelle als Wappentier, doch ein brütendes Storchenpaar an so zentraler Stelle nicht weit von der Zwester-Ohm entfernt, sei auch ein Aushängeschild für die Naturverbundenheit der Gemeinde, so der Bürgermeister. Aber ist es wirklich sinnvoll, einen Storch direkt über dem Servicehof mit all den Maschinen und Geräuschen thronen zu lassen?

Abstand halten und die Tiere nicht verschrecken

Da hat Manfred Lehr keine Bedenken. Schließlich kam der Storch, der letztes Jahr auf dem Salzsilo bauen wollte, aus freien Stücken. Und: Die Tiere sind die Nähe zu Menschen gewohnt, suchen sie vielleicht sogar. Das war in Rauischholzhausen schließlich auch nicht anders, als ein Storchenpaar den Turm der ehemaligen Molkerei bezog.

Das mit der Nähe zum Menschen sollte allerdings nicht so verstanden werden, dass man nun munter mit Fotoapparat und Videokamera auf die Nahrung suchenden beziehungsweise Nest bauenden Tiere zugehen kann. Da dann doch lieber ordentlich Abstand halten und die Tier nicht verschrecken.

Das Nest auf dem Servicehof hat übrigens noch einen Vorteil. Der Turm ist vor Waschbären sicher. Denn diese zugegebenermaßen süße Landplage erweist sich als Feinde der Störche, jedenfalls, wenn es noch Eier oder frisch geschlüpfte Tiere zu erbeuten gibt.

Die Störche, die jetzt Quartiere besetzen, sind männlich, ihre Partnerinnen treffen in der Regel 14 Tage später ein, wohl mit einer gewissen Erwartungshaltung, einen guten Standort für den Nestbau präsentiert zu bekommen.
Mit dem „Nest“ auf dem Servicehof gibt es in Ebsdorfergrund vier Nisthilfen für Störche. Besonders gespannt ist man auf Storchendame „Libi“ aus Hachborn. Die ist nämlich mit einem Sender ausgestattet und wurde in der vergangenen Woche noch südöstlich der spanischen Hauptstadt Madrid lokalisiert.

von Götz Schaub