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Die Opfer bekommen ein Gesicht

Gedenken Die Opfer bekommen ein Gesicht

Mit der dritten Deportation 1942 wurden 80 Menschen jüdischen Glaubens aus dem Kreis in den Tod geschickt. Der Arbeitskreis Landsynagoge Roth hat mit Schülern der Gesamtschule Niederwalgern elf von ihnen ein Gesicht gegeben.

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Etwa 60 Menschen gedachten am Bahnhof Niederwalgern den 1942 deportierten Mitbürgern.

Quelle: Sonja Achenbach

Niederwalgern. Denn elf dieser Menschen bestiegen am Bahnhof in Niederwalgern den Zug, der sie ins Ghetto Theresienstadt bringen sollte. „Was von den Verantwortlichen des Landkreises mit lapidaren Worten angekündigt wurde, bedeutete den Tod für die Betroffenen“, fasste Annegret Wenz-Haubfleisch, die Vorsitzende des Arbeitskreises Landsynagoge Roth die Ereignisse des 6. September 1942 in Worte.

Rund 60 Menschen aller Altersstufen gedachten gemeinsam den Opfern der Schoah. Bürgermeister Peter Eidam betonte in seiner Rede, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Menschen und die Ereignisse dieser Zeit nie zu vergessen und sie als Mahnung zu sehen.

„Die jungen Menschen von heute sollten sich nicht schuldig fühlen und dürfen auch nicht beschuldigt werden“, richtete Eidam seine Worte an die jüngeren Teilnehmer der Gedenkveranstaltung.

Trotzdem sei es wichtig, aufmerksam zu bleiben, denn was vor 70 Jahren von den Verantwortlichen als Aussiedlung und Umsiedlung bezeichnet wurde und als „dunkelstes Kapitel in die deutsche Geschichte einging“, dürfe sich nicht noch einmal wiederholen.

Eine Gedenktafel mit Fotos und Namen der Opfer des 6. Septembers vor 70 Jahren übernimmt nun dies, was Eidam und Wenz-Haubfleisch als Ziel der Gedenkveranstaltung nannten: Den Opfern Gesichter, Namen und Schicksale geben. In Unterrichtsstunden der beiden Lehrerinnen Sabine Bodenbender-Schäfer und Carola Reitz hatten Schüler der Jahrgänge 9 und 10 der Gesamtschule die Ereignisse aufgearbeitet.

Der Wortlaut der amtlichen Schreiben mit dem Thema des letzten Deportationszuges zeigten ihnen, dass den Verantwortlichen „bewusst war, was mit den Juden geschehen sollte“. Die Schüler verlasen die Namen der Opfer. Zum Gedenken der acht aus Neustadt und drei aus Roth stammenden Menschen, sowie eines weiteren Opfers, entzündeten die Schüler je ein Kerzenlicht und platzierten es, geschützt in einem Glas, vor den aufgestellten Gedenktafeln.

400 Jahre jüdischer Kultur im Landkreis wurden vor 70 Jahren mit dem dritten Deportationszug vernichtet. Mittlerweile existiert wieder eine jüdische Gemeinde im Landkreis, nach den Worten Thorsten Schmermunds ist diese aber nicht mit der damaligen zu vergleichen. Schmermund hatte als Gemeinderatsmitglied der jüdischen Gemeinde Marburg das abschließende Wort.

Er verlas die deutsche und jüdische Version des Gedenkgebets „El Male Rachamim“ für die Opfer der Schoah, in dem es heißt: „Die ganze Gemeinde betet für die Erhebung ihrer Seelen.“ Er freute sich darüber, dass die Menschen so zahlreich zum Bahnhof in Niederwalgern gekommen waren und betonte die Wichtigkeit solcher Gedenkveranstaltungen.

von Sonja Achenbach

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