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Südkreis „Der deutliche Erfolg gibt uns recht“
Landkreis Südkreis „Der deutliche Erfolg gibt uns recht“
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18:56 02.03.2012
Der jahrgangsübergreifende Unterricht in der Unterstufe findet oft in Gruppen oder wie auf dem Foto zu sehen im Gesprächskreis statt. Quelle: Götz Schaub

Niederwalgern. Die Flexible Förderstufe an der Gesamtschule Niederwalgern läuft seit diesem Schuljahr erstmals auf vollen Touren. Will heißen, Schüler aus den Jahrgangsstufen fünf, sechs und sieben lernen in jahrgangsübergreifenden Klassen zusammen. Hat dieses Konzept eine Zukunft? Die OP sprach jetzt darüber mit Schulleiter Dr. Horst Tritschler.

OP: Dr. Horst Tritschler, zuletzt wurden Sie mehrfach darauf angesprochen, ob die flexible Förderstufe eine verlässliche Größe im Schulkonzept bleibe. Wieso gibt es da eine gewisse Verunsicherung? 

Tritschler: Einige Haupt- und Realschulen aus der Region haben versucht, Konzepte über einen Schulversuch auszuprobieren. Allerdings wurde ihnen die Weiterarbeit vom Kultusministerium nach Inkrafttreten des neuen Hessischen Schulgesetzes verwehrt (die OP berichtete).
Es soll derzeit hessenweit keine neuen Schulversuche geben. Daraufhin fragten mich besorgte Eltern, was mit der an der Gesamtschule Niederwalgern eingeführten flexiblen Förderstufe wird, der schließlich auch ein besonderes Konzept  zugrunde liegt. Wir haben aber dieses Konzept nicht über einen beantragten Schulversuch umgesetzt, sondern im Rahmen der bestehenden Rechtslage. Damit ist und bleibt die flexible Förderstufe fester Bestandteil unserer Schule.

OP: Alles andere wäre auch eine sehr unliebsame Überraschung gewesen, schließlich hatten Sie der Ministerin Ihr Konzept im Mai 2010 direkt in Niederwalgern vorgestellt. Sie zeigte sich damals von Ihrem Vorhaben angetan, oder?

Tritschler: Richtig. Wir hatten die Ministerin zu uns eingeladen, damit sie uns verbindlich eine Entscheidung mitteilt, ob unser Konzept im Rahmen der bestehenden Rechtslage umzusetzen ist. Sie gab uns damals nicht nur ihr Einverständnis, sondern zeigte sich von dem jahrgangsübergreifenden kompetenzorientierten Unterricht sehr begeistert.

OP: Worin sehen Sie bei der flexiblen Förderstufe die Vorteile für die Schüler gegenüber herkömmlichem Klassenunterricht?

Tritschler: Die Kinder verfügen nicht nur über einen unterschiedlichen Entwicklungs- und Wissensstand, sie lernen auch ganz individuell. Dem tragen wir in unserer Unterrichtsarbeit Rechnung. Die Schüler bleiben dennoch zusammen und lernen darüber hinaus auch noch mit Schülern aus zwei weiteren Jahrgangsstufen. Die Unterteilung in drei Lernniveaus trennt die Kinder nicht sofort in unterschiedliche Sozialgruppen. So können sich schwächere Schüler Mitschüler zum Vorbild nehmen, sie werden nicht ausgegrenzt, sondern erhalten die Chance, sich zu verbessern und gesteckte Ziele auch zu erreichen. Schnelle Lerner werden dadurch nicht ausgebremst. Sie können sich mit weiterführenden komplexeren Aufgaben beschäftigen und sogar ein ganzes Schuljahr gewinnen.

OP: Woher nehmen Sie die Gewissheit, dass Sie mit diesem Konzept richtig liegen?

Tritschler: Der deutlich zu sehende Erfolg gibt uns recht. Es ist schon sehr erstaunlich, wie schnell einige Fünftklässler in Englisch sich die Sprachkompetenz aneignen, um mit Sechst- und Siebtklässlern mithalten zu können. Das Feedback der Schüler ist positiv, sie fühlen sich individuell wahrgenommen und optimal gefördert. Für mich erstaunlich ist es immer wieder zu sehen, wie ruhig der Unterricht abläuft. Die Schüler bringen sich voll ein und arbeiten effektiv an ihren Aufgaben. Auch die Eltern stehen einmütig hinter dem Konzept.

von Götz Schaub