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Südkreis Der autofreie Sonntag wackelt
Landkreis Südkreis Der autofreie Sonntag wackelt
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00:18 09.12.2018
Einmal im Jahr geht es auf der Landstraße 3048 beim autofreien Sonntag hoch her – wie hier im vergangenen September. Ob es die Veranstaltung auch 2019 geben wird, ist ungewiss. Quelle: Sabine Jackl
Fronhausen

Eine Lösung im Streit um den autofreien Sonntag ist nach wie vor nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Kürzlich trafen sich Fronhausens Bürgermeisterin Claudia Schnabel und Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz zur Diskussion. Die Fronten scheinen sich eher verhärtet zu haben.

Zum Hintergrund: Auch in diesem Jahr nutzten im September wieder Tausende Menschen den autofreien Sonntag auf der Landstraße 3048 zwischen Fronhausen und Amöneburg für ­eine Tour durch den südlichen Landkreis. Für Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz ist die Veranstaltung ein Erfolgkonzept, sowohl für die Teilnehmer als auch für diejenigen, die entlang der Strecke etwas zum Verkauf anbieten. Viele Vereine in der Gemeinde bestritten ihre jährlichen Ausgaben aus den Einnahmen, die sie an jenen Sonntagen erzielen, so Schulz.

Der Bürgermeister möchte auch im kommenden Jahr den autofreien Sonntag gemeinsam mit der Gemeinde Fronhausen ausrichten. In Fronhausen aber diskutieren Bürgermeisterin und Gemeindevertreter seit Monaten über einen Ausstieg. Rund 10 000 Euro hat die Organisation die Gemeinde in diesem Jahr gekostet. Beispielsweise obliegt den Fronhäusern die Sperrung der Abfahrten der Bundesstraße 3 zwischen Bellnhausen und Hassenhausen.

Insgesamt sei die Veranstaltung für Fronhausen zu teuer, sagt Schnabel. Hinzu kommt, dass der Großteil der Strecke beim autofreien Sonntag im Gebiet der östlichen Nachbargemeinde liegt – mit dem zentralen Veranstaltungsort am Verkehrskreisel in Heskem, wo auf einer Bühne immer ein buntes Programm auf die Radler wartet.

Die meisten Vereine aus der Gemeinde Fronhausen bevorzugten eher einen zweijährigen Zyklus für den autofreien Sonntag, so die Bürgermeisterin. Für diese Vereine sei der Aufwand hoch und der finanzielle Ertrag gering.
Schnabel möchte verschiedene Optionen prüfen und den Gemeindevertretern andere Möglichkeiten vorschlagen. Beispielsweise könnte eine andere Strecke gewählt werden, um die Sperrung der Abfahrten von der Bundesstraße zu vermeiden – über Feldwege von Fronhausen über Sichertshausen nach Hassenhausen etwa.

Auch einen kompletten Rückzug aus der Kooperation mit Ebsdorfergrund sei denkbar. Schnabel will auch mit ihrem Amtskollegen Peter Eidam aus Weimar sprechen, um die Möglichkeit einer neuen, eigenen Veranstaltung zu erörtern.
Ein weiterer Vorschlag Schnabels ist, dass man den Aufwand der Organisation neu verhandelt. Soll heißen: Wenn schon der Ebsdorfer Grund den größten Nutzen aus der Veranstaltung zieht, soll Amtskollege Schulz Fronhausen bei der Verteilung der Arbeit entgegenkommen.

Claudia Schnabel weiß, dass sie aus einer starken Position streitet. Denn würde Fronhausen aus dem bisherigen Konzept aussteigen, käme auf Andreas Schulz ein Problem zu. Ein bedeutender Baustein des Erfolges der Veranstaltung ist der Bahnhof in Fronhausen. „Die Menschen kommen zügeweise“, sagt Schnabel. Manche steigen dort aus, um Richtung Nordosten zu radeln. Andere steigen nach ihrer Radtour dort in die Bahn, um nach Hause zu gelangen.

Schulz hatte schon vor Wochen die Gemeinde Fronhausen gebeten, die Teilnahme für 2019 zuzusagen. Nach dem Gespräch mit Claudia Schnabel bittet er nun, dass Fronhausen bis Mitte März eine Entscheidung fällen möge. Schulz betonte, dass er an der Veranstaltung festhalten will, egal ob mit oder ohne Fronhausen.

Noch besteht für ihn Hoffnung, dass es weitergeht, wie bislang. Dass Fronhausen grundsätzlich Interesse daran hat, den autofreien Sonntag weiterzuführen, zeigt sich am Haushaltsentwurf der Gemeinde für 2019. Darin hat Claudia Schnabel 5 500 Euro für die Ausrichtung eingeplant.

von Dominic Heitz