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Südkreis Der „Kampf um jede Seele“ lohnt sich
Landkreis Südkreis Der „Kampf um jede Seele“ lohnt sich
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18:37 07.09.2012
Gesellschaftliches und ehrenamtliches Engagement gehört zum Erfolgskonzept der Rettungsarche. Bei der Marktplatzveranstaltung der Region Marburger Land war der Verein ebenfalls vertreten. Alexander Dieterle (Mitte) ist ein Beispiel für viele. Er hat mit Quelle: Martina Becker
Dreihausen

„Es war eine sehr gute Lebensschule. Ich bin jetzt frei und genieße das Leben. Vorher habe ich die Welt gehasst und die Welt hat mich gehasst“, so die Worte eines Mannes, der mit der Rettungsarche zurück in einen normalen Alltag gefunden hatte. Bewegende Schicksalsgeschichten konnten die rund hundert Festgäste beim Tag der offenen Tür am Samstagnachmittag hören, denn die ehemaligen Suchtkranken oder Straftäter haben gelernt, über ihre Vergangenheit zu sprechen und offen damit umzugehen.

Keine Drogen, kein Alkohol, keine Zigaretten, keine Schimpfwörter - das ist die Bedingung für ein Bleibenkönnen in der Wohngemeinschaft Rettungsarche in Dreihausen. Wer hierzu „ja“ sagt und fünf Tage Probezeit übersteht, findet Unterstützung, um aus einem Leben mit Alkohol, Drogen und Kriminalität wieder herauszufinden. Lina Vogel steht mit ganzem Herzblut hinter der Einrichtung, die sie 2008 gründete. „Ich musste etwas tun gegen das Elend unter meinen Landsleuten“, sagte die Vorsitzende des Vereins.

Mittlerweile hat sie zahlreiche Unterstützer gefunden. Unter den Gästen war auch Margarete Ziegler-Raschdorf. „Sie leisten hervorragende Arbeit der Integration in dieser Einrichtung. Ich bin schwer beeindruckt“, sagte die Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler der hessischen Landesregierung über die Rettungsarche, die nach Paragraf 35 des Betäubungsmittelgesetzes anerkannt ist. Das heißt, dass Straftäter statt einer Gefängnisstrafe eine Therapie in der Einrichtung wählen können.

Heidelberger Stiftung verhilft Verein zu Sicherheit

„Es ist vielmehr eine Lebensschule für Menschen, die von der Gesellschaft abgeschrieben waren“, meinte Ralph-Dieter Wilk von der Heidelberger Stiftung Hilfe zur Selbsthilfe Suchtkranker und Suchtgefährdeter. Auch er ist überzeugt von dem Konzept. „Die Stiftung hat das Haus in dem wir wohnen, gekauft und uns übereignet“, freute sich Vogel. Platz ist dort für 20 Männer. Diese bleiben dann für eine Dauer von zwölf Monaten.

Danach ist eine Nachsorge von einem weiteren Jahr im eigens gegründeten Zweckbetrieb möglich. Für diese Verlängerung entscheiden sich rund achtzig Prozent der Männer. Sie verrichten dann Abbruch-, Verputz-, Mauer- oder Gartenarbeiten. „Das wird von den Bürgern sehr gut in Anspruch genommen“, erzählte Vogel. Der Grund dafür ist, dass die Wohngruppe im Ort und der Gemeinde integriert ist. Das wiederum hat mit der Hilfsbereitschaft und dem ehrenamtlichen Engagement der Gruppe zu tun. Das lobte auch Bürgermeister Andreas Schulz.

Geprägt ist das Konzept sehr stark auch vom Glauben und einem strikten Tagesablauf. Überdies gehört dazu, dass die Mitarbeiter selbst die Therapie erfolgreich geschafft haben und sich in die Schicksale einfühlen können. Mittlerweile gehört noch ein weiteres Haus in Schröck zur Einrichtung, so dass zehn weitere Plätze zur Verfügung stehen. Eine in Wetzlar gegründete Frauengruppe gehört ebenfalls zu dem Verein.

Wie erfolgreich in den vergangenen Jahren gearbeitet wurde, machten Vogel und einige der Betroffenen ihren Gästen aus dem Dorf, der Gemeinde sowie den Familien deutlich. „Gerettet“ und ins Leben, die Gesellschaft zurückgeholt wurden etwa sechzig Männer. Viele von ihnen konnten mit ihren Familien zusammengeführt werden. 14 Hochzeiten und 10 Geburten hat man feiern können.

Viele hundert hätten diesen Weg aber auch bereits in der Probezeit abgebrochen. Rosa Emich, Vorsitzende der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland, aus Fulda sagte: „Es lohnt sich um jede in Not geratene Seele zu kämpfen. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, dann klappt es.“

von Martina Becker

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