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„Dann mach‘ ich mal ein Modell“

Freilichtmuseum Zeiteninsel „Dann mach‘ ich mal ein Modell“

Das ist vielleicht das, was dem Museumsprojekt „Zeiteninsel“ in Argenstein zum Durchbruch verhilft: Am Freitag wurde ein Modell des geplanten Geländes mit seinen frühgeschichtlichen Siedlungen enthüllt.

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Torsten Jäger erläutert im Niederweimarer Rathaus die Details seines „Zeiteninsel“-Modells. Links neben ihm steht seine neunjährige Tochter Anouk, die den Vater tatkräftig unterstützt hatte: Auch sie hat einige Bäume auf dem Modell-Gelände geformt. Das kl

Niederweimar. „Wie soll das denn später aussehen?“ Das dürfte in den vergangenen Jahren eine der häufigsten Fragen an die Mitglieder des Fördervereins Archäologisches Freilichtmuseum Marburger Land gewesen sein. Bislang ist das Gelände nahe der Gaststätte Ochsenburg in Argenstein, das im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen zum B3-Lückenschluss in Weimar modelliert wurde, zwar schon begehbar, auch ein mittelalterlicher Brunnen wurde bereits vorgestellt. Doch der große Überblick, mit dem man sich das Museum und seine Häuser aus verschiedenen Epochen menschlicher Siedlungsgeschichte plastisch vorstellen kann, fehlte bisher.

Bis Vereinsmitglied Torsten Jäger aus Wenkbach eines Tages zum Vorsitzenden Dr. Andreas Thiedmann sagte: „Dann mach‘ ich ein Modell!“ Anhand eines Planes im Maßstab 1:220 ging er ab Februar ans Werk, nachdem er sich zuvor im Internet ausgiebig informiert hatte. Schließlich griff er zu Säge, Raspel und Feile, baute eine elektrische Fliegenklatsche zu einem statisch aufladbarem „Begrasungsgerät“ um, damit die Wiesenflächen auch möglichst authentisch wirkten. Schließlich fertigte er anhand der archäologischen Erkenntnisse die Häuser aus den verschiedenen Siedlungsepochen vom Lager mesolithischer Jäger und Sammler aus der Zeit um 9000 vor Christus bis zum Germanengehöft aus römischer Kaiserzeit (1. Jahrhundert nach Christus). Dazu kamen gut 250 Bäume und Sträucher, die er überwiegend auf den täglichen Bahnfahrten zur Arbeit aus Draht formte.

Am Endprodukt arbeitete der Hobbybastler bis zuletzt, selbst für Thiedmann und Weimars Bürgermeister Peter Eidam hatten bis zur Enthüllung nur einen flüchtigen Blick auf das Modell erhaschen können.

Die Resonanz war umso positiver, das Werk des Wenkbachers zog die Blicke der etwa 50 Gäste, darunter auch Landrat Robert Fischbach und Marburgs Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Löwer, auf sich. Thiedmann lobte, das Ergebnis wäre selbst eines professionellen Modellbauers würdig.

Eidam und Thiedmann erhoffen sich von diesem Modell auch, dass es der Suche nach Sponsoren und Förderern für das Fünf-Millionen-Projekt weiteren Auftrieb geben wird. Derzeit geht es neben Gesprächen über mögliche Finanzierungen, zum Beispiel durch das Land, vor allem um die Rahmenbedingungen. Wichtigste Aufgabe ist nun, Baurecht zu schaffen, „da sind wir dran“, betonte der Bürgermeister - damit die Museumshäuser in naher Zukunft nicht nur im Modell, sondern auch in der Wirklichkeit betrachtet werden können.

Das Modell ist in den kommenden Wochen während der Öffnungszeiten der Verwaltung im Foyer des Niederweimarer Rathauses zu sehen. Später soll es auch an anderen Orten ausgestellt werden. Das Gelände der Zeiteninsel kann am Tag des offenen Denkmals am 9. September von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

von Michael Agricola

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