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Südkreis Bundesgericht kassiert Kidnapper-Urteil
Landkreis Südkreis Bundesgericht kassiert Kidnapper-Urteil
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00:33 15.10.2018
Nachdem der Verurteilte mit Wohnsitz im westfälischen Bettinghausen als Täter von Niederweimar erkannt worden war, gab es in ­seinem Haus eine intensive Spurensuche. Quelle: Peter Dahm
Niederweimar

Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) entschieden. Dabei geht es um die Frage, ob dem Mann konkret versuchter sexueller Missbrauch eines Kindes vorgeworfen werden kann. Die anderen Punkte, in denen der Mann verurteilt wurde, haben dagegen Bestand.

Der Angeklagte war mit Urteil vom 6. Dezember 2017 zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte der seinerzeit 34 Jahre alte Mann Revision eingelegt.

Dem Verurteilten wird zur Last gelegt, dass er im Oktober 2012 in Niederweimar im Landkreis Marburg-Biedenkopf ein damals neun Jahre altes Mädchen verschleppen wollte. Dazu hatte er das Kind bereits auf die Rückbank seines Autos gezerrt. Das Mädchen konnte jedoch eine Tür öffnen und fliehen.

Nach fünf Jahren gefunden

Ermittelt wurde der Mann fünf Jahre später, nachdem ihm wegen versuchten sexuellen Missbrauchs eines Kindes in einem anderen Fall Fingerabdrücke abgenommen wurden. Ein Abgleich führte zu dem Täter, Fingerabdrücke des Mannes fanden sich nämlich auch auf dem Klebestreifen, den er dem Mädchen in Niederweimar auf den Mund geklebt hatte.

Das Landgericht Marburg hatte den Angeklagten wegen versuchter sexueller Nötigung in Tateinheit mit versuchtem schweren Missbrauchs eines Kindes, versuchter Entziehung Minderjähriger, versuchter Freiheitsberaubung und gefährlicher Körperverletzung sowie wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes verurteilt.

Die Annahme des Landgerichts, der Angeklagte habe das Kind lediglich noch an einen abgelegenen Ort fahren wollen, um dann sogleich sexuellen Kontakt zu ihm aufzunehmen, trägt laut BGH nicht den Schluss, dass der Angeklagte mit dem Geschehen in Niederweimar bereits unmittelbar zu der Tat des sexuellen Missbrauchs angesetzt habe.

Termin für neue Verhandlung steht noch nicht

Neben anderem ließ die Annahme laut BGH offen, wo der abgelegene Ort sein sollte oder wie lange die Fahrt dorthin gedauert hätte. Ob die Fahrt zu einem abgelegenen Ort daher ohne Zwischenakte in die Verwirklichung des sexuellen Missbrauchs geführt hätte, lasse sich so nicht feststellen. Das BGH ließ den Schuldspruch in diesem Punkt fallen und verwies zur erneuten Verhandlung ans Landgericht zurück. Einen Termin hierfür gibt es laut Pressestelle des Marburger Landgerichts aber noch nicht.

von Ludger Tenberge