Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Südkreis Angst vor „Havarie“ in Ebsdorfergrund
Landkreis Südkreis Angst vor „Havarie“ in Ebsdorfergrund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 08.07.2018
In Roßberg werden schwach radioaktive Abfälle gelagert. Windräder sollen nur in großem Abstand zu dieser Einrichtung gebaut werden, fordert Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz. Quelle: Tobias Hirsch
Ebsdorfergrund

Bis zu 20 Windenergieanlagen sollen auf dem Höhenzug zwischen Ebsdorfergrund und Allendorf (Lumda) entstehen, auf der sogenannten Windvorrangfläche 3141. Zwei Unternehmen wollen dort Windräder mit einer Gesamthöhe von bis zu 241 Metern aufstellen. In der Bevölkerung hat sich schon lange Widerstand organisiert. Jetzt greift auch Ebsdorfergrunds Bürgermeister die Pläne an.

200 Meter bis zur Landessammelstelle

Mit einem offenen Brief wendet sich Andreas Schulz an die Landesregierung und die drei Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Angelika Löber (SPD), Angela Dorn (Bündnis 90/Die Grünen) sowie Dr. Thomas Schäfer (CDU) werden durch das Schreiben mit Schulz‘ Bedenken hinsichtlich der Windenergieanlagen konfrontiert und um Hilfe gebeten.

Konkret geht es dem Bürgermeister um den Abstand der Anlagen zu verschiedenen Einrichtungen. Da wären als erstes die Erdbebenmessstation und die Sammelstelle für schwach radioaktive Abfälle, beide betrieben vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie. In einem Abstand von 200 Metern zu diesen Einrichtungen sollen laut Schulz gleich mehrere Windräder gebaut werden.

Schulz: Abstand zu gering

Dieser Abstand sei viel zu gering, sagt der Bürgermeister. Sollte an einem Windrad ein Schaden entstehen, sei nicht auszuschließen, dass Trümmerteile auf die „Landessammelstelle einwirken können“. Schulz verlangt, dass die Windräder in einem Abstand von mindestens 1.500 Metern zu dieser Einrichtung aufgestellt werden müssen.

Der „Schutz der Bevölkerung vor einer Havarie der Landessammelstelle muss vor den wirtschaftlichen Interessen des Landes Hessen“ als Verpächter der Waldflächen stehen, heißt es in dem offenen Brief.

Anderer Ort, gleiches Argument: Auch der Abstand eines geplanten Windrades zu einem Waldkindergarten sei mit etwa 650 Metern deutlich zu kurz, so Schulz. Zum Alltag der Kinder dort gehöre es, durch die Wälder zu streifen. Dabei kämen sie auch in jene Bereiche, in die Eis von den Rotorblättern geschleudert werden könnte.

Schulz: Ängste der Bevölkerung ernst nehmen

Das Land Hessen ist Eigner eines Teils des Landes, auf dem die Windräder aufgestellt werden sollen. Der Abstand zum Waldkindergarten soll mindestens einen Kilometer betragen.

Schulz unterstreicht seine Forderung mit einem politischen Appell an die Entscheidungsträger in Wiesbaden: Die Energiewende könne nur mit der Akzeptanz der Bevölkerung gelingen. Deshalb müsse die Politik die Ängste der Bevölkerung ernst nehmen und darauf eingehen.

In seinem offenen Brief verlangt der Bürgermeister zudem von den Landtagsmitgliedern, sich dafür einzusetzen, dass der Abstand zwischen Windrädern zu Siedlungen flexibel ausgewiesen wird, angepasst an die Höhe der Anlagen. Schulz verweist hierzu auf Nordrhein-Westfalen. Dort müsse die Distanz zwischen Windrädern und Wohnbebauung mindestens anderthalb Kilometer betragen.

von Dominic Heitz