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Südkreis Kampf gegen ein „sinnfreies Projekt“
Landkreis Südkreis Kampf gegen ein „sinnfreies Projekt“
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07:01 20.04.2018
Rund 150 Bewohner aus Ronhausen, Bortshausen und Wolfshausen besuchten am Sonntag die möglichen Standorte von drei Windrädern im Wald zwischen den drei Dörfern. Quelle: Ina Tannert
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Wolfshausen

Die Sternwanderung organisiert hatte die „Bürgerinitiative gegen Windkraftanlagen zwischen Bortshausen, Ronhausen und Weimar-Wolfshausen“ (BI), die den Bewohnern „die Augen öffnen“ möchte.

Mehr als zwei Stunden wanderten Bewohner durch den Wald und demonstrierten an einer Weggabelung, wie lang beziehungsweise hoch 166 Meter, also die geplante Nabenhöhe, eigentlich sind. Zur visuellen Unterstützung formten Mitglieder der BI daher aus den Wanderern eine lang gezogene Menschenkette. „Damit man sich die Höhe der Anlagen besser vorstellen kann, das ist eine riesige Dimension“, erklärte Nils Euker vom Koordinationsteam der BI.

Mehrere Gutachten fehlen noch

Diese kämpft gegen das Windkraft-Projekt im Wald zwischen den drei Orten. Oberhalb von Wolfshausen gibt es ein Windvorranggebiet, in dem Projektierer WPD drei Windkraftanlagen mit einer Gesamthöhe von 241 Metern plant. Eine davon auf Marburger Gebiet, zwei in der Gemarkung Weimar. Die Planungen sind noch nicht abgeschlossen, der Bauantrag noch nicht eingereicht, nach letztem Stand fehlen noch mehrere Gutachten.

BI befürchtet Verlust des Waldes

Die BI lehnt den Bau der Anlagen grundsätzlich ab. Die Wanderung diente daher auch als Demonstrationszweck, einerseits um den Bewohnern den nahen Wald deutlich vor Augen zu führen, andererseits, um zu zeigen, was sie nach Meinung der BI zu verlieren haben, sollten die Windkraftanlagen tatsächlich gebaut werden. „Wir wollten der Bevölkerung zeigen, was zerstört werden soll“, so Euker.

Die BI befürchtet den Verlust des Waldes als Naherholungsgebiet, führt naturschutzrechtliche Bedenken ins Feld und kritisiert die für das Bauvorhaben notwendige Rodung sowie Verlegung von geschotterten Zufahrtswegen. Demnach soll pro Windkraftanlage eine Fläche in der Größe eines Fußballfeldes gerodet werden. Die Wegführung zu den Standorten müsste stellenweise ausgebaut werden, mit geschotterten Wegen zwischen vier und acht Metern Breite. „Da sind wir im Bereich einer Bundesstraße, es werden Waldautobahnen gebaut“, kritisierte Euker.

BI glaubt nicht, dass es bei drei Anlagen bleibt

Nach Auskunft des Projektierers sollten die Wege nach Fertigstellung in der Breite wieder verkleinert und neu bepflanzt werden. Zur Beruhigung trägt das indes nicht bei. Auch dass WPD seine Planung kürzlich von ehemals sechs geplanten Anlagen auf drei reduziert hatte, beschwichtigt die Bürgerinitiative nicht: „Das ist nur ein Schachzug des Projektierers“, meinte Euker. Die Mitglieder werfen den Planern „Willkür“ vor und rechnen damit, dass später doch noch weitere Anlagen hinzu kommen werden.

Bei der Wanderung mit dabei war Weimars Bürgermeister Peter Eidam, der sich beim Thema neutral verhalten will. „Es ist eine gute Gelegenheit die Bürger zu informieren, aber ich stelle hier sehr deutlich eine Neutralität dar, möchte aber auch Gesprächsbereitschaft zeigen“, sagte Eidam. Die Anlagen sollen hauptsächlich auf Privatgebiet errichtet werden. Der Großteil der Flächen befindet sich im Besitz von Waldinteressenten, die Gemeinde halte nur zwei Prozent des gesamten Gebietes. Aus Marburg nahm kein politischer Vertreter teil.

Windmast soll bald errichtet werden

Um vor Ort die Windgeschwindigkeit zu messen, soll demnächst ein Windmast im Wald errichtet werden. Laut Projektierer ist die Wirtschaftlichkeit der Vorrangfläche gegeben, die Kritiker rechnen hingegen nicht mit einer ausreichenden Windstärke und geringem Energieertrag. Laut Euker sei die BI indes nicht generell gegen die Energiewende oder gegen die Windkraft im allgemeinen. Jedoch sehe man keinen Nutzen von Anlagen im Wald und „nicht mitten in einem Schwachwindgebiet – es ist ein sinnfreies Projekt, das der Natur schadet und dagegen wehren wir uns“.

von Ina Tannert

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