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Südkreis Bio-Äcker locken Vögel in Scharen an
Landkreis Südkreis Bio-Äcker locken Vögel in Scharen an
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19:46 01.09.2010
Eine Goldammer. Ein schöner heimischer Vogel, der auch in Scharen auftreten kann. Quelle: Axel Wellinghoff

Weimar. Der bis in den Frühling hinein dauernde Winter trieb viele Vogelarten bis weit in den Südwesten Europas und noch weiter nach Afrika. Einige nordische Vögel zogen noch im Juni/Juli in ihre arktische Brutheimat zurück, während die heimischen Brutvögel unter einem viel zu kalten und nassen Mai zu leiden hatten und die Vogelkundler große Verluste bei den Jungvögeln verzeichneten.

Auch der Juni war nicht gerade sehr einladend für viele Kleinvögel. Die Wetterverhältnisse sind im Frühling und Sommer sehr entscheidend für unsere heimische Vogelwelt, denn die Jungenaufzucht muss immer mit einem günstigen Nahrungsangebot synchronisiert sein. Unsere Kulturlandschaft im Marburger Land bietet glücklicherweise noch eine große Vielfalt an Lebensräumen und Nahrungshabitaten. Einen wesentlichen Anteil dabei haben die Bio-Landwirte, deren Äcker ja bekanntlich nicht mit Pestiziden und Düngemitteln überfrachtet werden.

Darüber hinaus bietet aber auch die konventionelle Landwirtschaft vielerlei Nahrungsquellen. Vögel sind Opportunisten und suchen sich die Flächen aus, die schnell und einfach zu erreichen sind und ein großes Nahrungsangebot garantieren. Der in den letzten Wochen bekannt gewordene Bio-Maisacker bei Stedebach wirkte im Juni/Juli geradezu wie ein Magnet auf viele Vogelarten.

Bereits in dieser Zeit konzentrierten sich Schwärme von Ringel- und Hohltauben, die grundsätzlich früh im Jahr brüten und daher mit ihren Jungen die ungebeizten Maiskörner und andere Sämereien dieses Ackers verzehrten. Auch viele Mäuse taten sich daran gütlich, ja selbst hin und wieder Waschbär und Dachs.

Neben den Maiskeimlingen fanden sich eine Menge von gebrochenem Mais und anderen Sämereien, die bei der Nahrungsaufnahme der Säuger, Stockenten und anderen Vögel auf dem Acker verteilt lagen. Das führte dann zu den großen Kumulationen von Feld- und Haussperlingen, Buchfinken, Bluthänflingen, Stieglitzen und Goldammern. Trupps von 400 Goldammern sind auch innerhalb der Brutzeit an geeigneten Stellen durchaus keine Seltenheit, zumal dieses Jahr nicht nur zu vielen Brutaufgaben im Frühsommer geführt hatte, sondern grundsätzlich etwa ein Drittel der heimischen Kleinvögel ohnehin nicht verpaart ist. Goldammern und andere Arten konnten wegen der großen Verluste im Mai/Anfang Juni erst danach erfolgreiche Ersatzgelege tätigen.

Ja selbst jetzt brüten sie noch in einigen Bereichen des Marburger Lahntals. Im Juni/Juli ist auch die Zeit, wenn unsere Stockenten mausern und sich die Männchen in großen Trupps zusammenschließen und nachts auf Felder fliegen, um sich von Mais oder anderem Getreide zu ernähren. Nur wenn sie ihre gesamten Schwungfedern abwerfen, sind sie für eine Weile völlig flugunfähig. Dann sieht man sie auf unseren Baggerseen in großen Scharen. Derzeit sind es die geernteten Getreideäcker, auf denen sich nachts hunderte von Stockenten versammeln.

Auch Kiebitze schätzen diese Felder, die ihnen eine Fülle von Kleinlebewesen als Nahrung bieten. Der Sommer ist also durchaus eine interessante Jahreszeit, um unsere heimische Vogelwelt eingehend zu studieren. Nicht nur für Personen, die offensichtlich große Wissenslücken in der Nahrungsökologie und Zugphänologie von Vögeln haben, sondern auch für alle Interessierten bieten wir auch in diesem Sommer und Herbst wieder einige Spezialveranstaltungen an. Da gibt es Zugvogelbestimmungskurse, Vogel­beobachtungs­tage, Ausstellungen, Exkursionen und Vorträge, die über unsere Vögel informieren.

Dazu beachten Sie bitte unsere von Axel Wellinghoff hervorragend gestaltete Internetseite www.marburger-vogelwelt.de.

OP-Gastautor Dr. Martin Kraft ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Lehrbeauftragter an der Philipps-Universität Marburg, Ornithologe und Vogelschutzbeauftragter der Stadt Marburg.

von Privatdozent Dr. Martin Kraft

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