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Südkreis Bandenführer muss fünfeinhalb Jahre in Haft
Landkreis Südkreis Bandenführer muss fünfeinhalb Jahre in Haft
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10:00 06.03.2019
Symbolfoto zu Prozess wegen Drogenhandels. Quelle: Frank Leonhardt
Marburg

Ein 50 Jahre alter Mittäter muss für zweieinhalb Jahre ins Gefängnis. Die fünf Männer wurden ­wegen bandenmäßigem Handel mit Betäubungsmitteln verurteilt. Sie sollen in der Zeit zwischen Juni­ 2016 und Mitte 2018 mehrere Kilo Marihuana unter anderem in Fronhausen verkauft haben. Nach einem anonymen Hinweis von einer Vertrauensperson war die Bande im Juli 2018 aufgeflogen und festgenommen worden.

Zunächst schwiegen drei der Angeklagten bezüglich der Vorwürfe, zwei andere zeigten sich früh geständig. Am Montag gestanden dann alle fünf die Taten, die die Staatsanwaltschaft ihnen vorwarf. Zuvor hatten ihre Anwälte sich hinter verschlossenen Türen mit Gericht und Staatsanwaltschaft auf eine Verständigung geeinigt. So holten sie das bestmögliche Ergebnis für ihre Mandanten heraus. Weil sich alle Parteien an den vereinbarten Deal hielten, wurde das Verfahren früher als geplant abgeschlossen.

Unter Bewährung ohne Führerschein gefahren

Der Bandenführer, ein 24-Jähriger aus dem Südkreis, bekam den Ermittlungsergebnissen zufolge die Drogen aus Holland geliefert. Sein mutmaßlicher Kontaktmann wurde zuvor in Bielefeld festgenommen und lieferte erste Hinweise auf den Drogenring im Südkreis. Die jungen Männer im Alter von 20 bis 24 Jahren arbeiteten „sehr professionell“ wie die Marburger Polizei im Rahmen ihrer Ermittlungen herausfand. Durch Überwachung der Telekommunikation zwischen den Bandenmitgliedern erschlossen sich die Beamten Codewörter wie „Papier“, „Stunde“, „Minute“, „Hose“­ oder „Lederjacke“. Auf diese Weise wurden Liefermengen verschlüsselt – ein übliches Vorgehen in diesem Milieu. Mithilfe dieser Informationen gelang es den Beamten, die jungen Männer bei einem Geschäft zu unterbrechen.

Die Strukturen innerhalb der Bande waren genau abgestimmt: Während der Kopf der Bande den „Stoff“ aus den ­Niederlanden organisierte, war das jüngste Bandenmitglied als „Bunkerhalter“ für dessen Unterbringung in der elterlichen Garage zuständig. Ein 21 Jahre alter Student diente als Fahrer. Als Kontaktmann und Händler diente ein 23-Jähriger aus Marburg. Der 50 Jahre alte Freund der Gruppe trug ebenfalls als Fahrer zu den Geschäften der Bande bei. Diese Mithilfe bringt ihm nun zweieinhalb Jahre Freiheitsentzug ein: Er fuhr dabei ohne Führerschein und mit Drogen im Auto, obwohl er unter einschlägiger Bewährung stand. Der Fahrer und der Dealer erhalten je zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der junge Bunkerhalter bekommt das gleiche Strafmaß als Jugendstrafe. Ihnen wird die Weisung auferlegt, sich Drogenscreenings zu unterziehen. Die jungen Angeklagten hatten erklärt, dass sie mit den Taten ihren eigenen Marihuana-Konsum finanzieren wollten.

von Melchior Bonacker