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Streitbar, aber ein Fachmann mit Visionen

25 Jahre Andreas Schulz Streitbar, aber ein Fachmann mit Visionen

25 Jahre. Ein Macher. ­Einer, der was kann. Einer, der sich nicht verbiegen lässt, aber auch ordentlich aneckt. Einer, der sich wahrlich nicht gerne die Zügel aus der Hand ­nehmen lässt, der seinen Weg unbeirrt geht.

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Andreas Schulz ist seit 25 Jahren „der Mann“ im Grund.

Quelle: Archivfoto

Ebsdorfergrund. Seien wir ehrlich: Fachlich, also beruflich ist Andreas Schulz ein Ass. Er hat die Gemeinde Ebsdorfergrund nicht verwaltet, er hat sie gemanagt, bis zum heutigen Tag. Das hat er sicher an jedem einzelnen Tag besten Gewissens getan. Die Art und Weise, wie er seine Position als Bürgermeister ausfüllte, rief aber nicht uneingeschränkt Bewunderung hervor. Schulz versteht sich als Macher, wohl weniger als Teamplayer.

In der Vergangenheit waren die glücklichsten Jahre sicher die, in denen seine Partei die absolute Mehrheit im Gemeindeparlament besaß und er seine Partei hinter sich stehen wusste, und so auf die Eingaben von CDU, ÜBE/FWG und Grünen wenig bis nichts geben musste. Das führte nicht selten zu ziemlich heftigen Zerwürfnissen in den Parlamentssitzungen.

Und ja, seine Anfangszeit als Verwaltungschef war auch alles andere als glatt geschliffen. Am 19. Dezember 1992 folgte er Ottmar Wiegand nach, der aus ­gesundheitlichen Gründen sein Amt zur Verfügung stellte. Kaum im Amt  sah sich Schulz dann als Sozialdemokrat nach den Kommunalwahlen 1993 vier Jahre lang einer mehrheitlichen Zählgemeinschaft aus CDU, Grünen und ÜBE/FWG gegenüber. Aber nicht nur politisch war sein Start im Grund holprig.

Hintergrund
25 Jahre – in dieser Zeit ist im Grund viel passiert. Unter anderem wurde vom Land die ersehnte „WiRaRo“-Ortsumgehung der L 3048 gebaut.
Eigene wichtige Projekte:
Die Erneuerung der Wasserversorgung, unter der Vorgabe Wasser und Abwasser, wie auch die Müll-Entsorgung, in eigener Hand zu behalten.
Modernisierung der Gemeinde-Liegenschaften: Bürgerhäuser mit Schwerpunktausrichtungen, Neubau des Bürgerzentrums Dreihausen, Feuerwehrgerätehäuser und mehrfach das Schwimmbad in Heskem.
Renaturierung der Zwester-Ohm.
Ausbau des Radwegenetzes mit dem Anschluss von Ebsdorf nach Bortshausen auf der ehemaligen Kreisbahntrasse.
kontinuierlicher Ausbau der Kindertagesstätten.
Etablierung mehrerer Großveranstaltungen: Mitorganisation des autofreien Sonntags auf der L 3048, Summer-Fun-Festival zum Auftakt der Sommerferien, Kultur an der Schanze in Wittelsberg, Jazz-und Showtanzmatinee, zweitägiger Kunst-, Kultur- und Weihnachtsmarkt in Hachborn.
Unterstützung und Einführungen von Spezialprojekten (Auswahl): Grundgeldgutschein, Grundexpress, Grund-Taxi, Entwicklung eines­ Gemeinde-Leitbildes, Musiker­gartenprojekt in Ebsdorf, ­Straßensanierungen ohne Straßenbeitragssatzung, Grundwasser zum Trinken, „Garten des Wandels“ in Beltershausen, Vorfinanzierung der L 3025-Ortsumgehung Heskem.

Die ausufernden Auseinandersetzungen in der Gemeindeverwaltung über seinen Führungsstil blieben keinesfalls intern, sie waren über einen längeren Zeitraum immer wieder Gegenstand der Berichterstattung in der Oberhessischen Presse und „schafften“ es sogar, in der „Frankfurter Rundschau“ erörtert zu werden. Mehrfach landeten die Auseinandersetzungen vor dem damals noch in Marburg ansässigen Arbeitsgericht. Und auch der damalige Landrat, Dr. Kurt Kliem, wurde in die Diskussion mit eingebunden.

Der Ton in der Öffentlichkeit war rau: der damalige Personalrat sprach gegenüber der OP davon, dass Schulz „launisch“, „arrogant“ und „in hohem Maße verletzlich“ sei. Er gebe „den absoluten Diktator“. Das sah der damals 33-jährige Schulz anders. Er sprach von einem normalen Ton in der Verwaltung, merkte jedoch an, dass, wenn er dreimal eine Bitte geäußert habe, er dann doch beim vierten Mal eine Anordnung bevorzuge, damit die Sache, die er wünscht, auch erledigt wird.

Ganz ehrlich, wer hätte damals gedacht, dass dieser Mann die Geschicke der Gemeinde nun seit 25 Jahre lenken sollte? Politisch kamen die ersten „Abrechnungen“ zunächst 1997 mit der Kommunalwahl und dann ein Jahr später mit der ersten Bürgermeister-Direktwahl in Ebsdorfergrund. Nun, die Kommunalwahl bescherten der SPD zunächst einmal eine absolute Mehrheit. Schulz kam so in den Genuss, seine Politik durchsetzen zu können.

Bei der Bürgermeisterwahl ein Jahr später, sah er dann auch gute Chancen, dass sich die Bürger auch für ihn entscheiden würden und trat als Kandidat an. Die CDU schickte einen Gegenkandidaten ins Feld: Thomas Leibold. Der Rechtsanwalt aus Niederweimar, der letztendlich auch offiziell von der ÜBE/FWG unterstützt wurde, suchte die politische  Konfrontation, warf Schulz vor, die Entwicklung der Gemeinde zum Stagnieren gebracht zu haben. Schulz hingegen bekam auch Unterstützung aus einem anderen politischen Lager. Die Grünen glaubten, ihre Politik eher mit Schulz umsetzen zu können als mit Leibold.

Nur ein kurzer Flirt mit dem Landkreis

2004 hatten sich CDU und ÜBE/FWG noch einmal zusammengeschlossen und einen­ ­gemeinsamen Kandidaten ­gekürt. CDU-Mann Uwe Weber­ aus Lohra. Er verlor und ist bis heute der letzte Herausforderer geblieben. 2010 und 2016 trat Schulz jeweils als Alleinkandidat an. Nun befindet er sich in der fünften Amtszeit.

Dabei gab es 2006 ein „Intermezzo“. Da wäre Schulz fast mal „fremdgegangen“ – nämlich als Landratskandidat. Um überhaupt eine Chance gegen­ den damaligen Amtsinhaber Robert Fischbach (CDU) haben zu können, wollte Schulz ein klares Votum und die Entschlossenheit der Partei durch Geschlossenheit hinter seiner Kandidatur spüren. Doch sah er sich nach einer Unterbezirksvorstandssitzung, bei der seine Kandidatur besprochen wurde, nicht ausreichend unterstützt. Neun sprachen sich für ihn aus, sechs dagegen. Die Öffentlichkeit wurde über die Zeitung informiert, dass Schulz sein gewünschtes eindeutiges Votum erhalten habe.

Diese Formulierung wollte Schulz jedoch nicht mittragen, weil er es besser wusste und zog schließlich seine Kandidatur zurück. Das sorgte für große Verwunderung in der Öffentlichkeit. Schulz erklärte seinen Rückzug auf einen SPD-Parteitag: „Wer mich kennt, weiß, ich baue meine Zukunft nicht auf einer Lüge auf. Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und politische Moral sind mir wichtiger.“

Ach ja, der Name Andreas Schulz im Zusammenhang mit dem Amt des Bürgermeisters und der SPD scheint für eine besondere Kontinuität zu stehen: Und da belegt der Grund-Bürgermeister noch nur den zweiten Platz. Denn der Sozialdemokrat Andreas Schulz aus Hennigsdorf in Brandenburg ist dort schon seit 27 Jahren Bürgermeister. Aber, ob der auch in einer „Sonnenscheingemeinde lebt? Wie dem auch sei, hiesigem Andreas Schulz ist es tatsächlich gelungen, seine ­Gemeinde, die „Sonnenscheingemeinde“, zu einer Marke zu machen.

von Götz Schaub

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