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Aktion soll an gequälte Tiere erinnern

Protest Aktion soll an gequälte Tiere erinnern

Die Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung Bellnhausen hat mit einer besonderen Aktion auf das Leiden der Masthühner aufmerksam gemacht – nach eigener Aussage sogar vor den Augen der hiesigen Polizei.

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„Hühner-Malerei“ als Protest in Bellnhausen.

Quelle: Thorsten Richter

Bellnhausen. „Auf eine besondere, allerdings verbotene und mit strafrechtlichen Konsequenzen verbundene, Art zeigten Unbekannte ihren Protest gegen eine geplante Hähnchenmastanlage. Sie malten mit weißer Farbe Hühner, Hähne Entfernungsangaben und Sprüche auf einer Gesamtlänge von mindestens 850 Metern auf die Straße.“ – So beginnt eine am montag veröffentlichte Meldung der Polizei.

Die gesuchten Unbekannten sind Mitglieder der Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung Bellnhausen und haben eigentlich auch gar keine Probleme damit, für diese „Tat“ einzustehen, denn „die Polizei war ja bei unserer Aktion am Freitagabend selbst vor Ort“, sagt Sonja Haese, Vorsitzende der Initiative.

Sie legt Wert auf die Feststellung, dass der auf die Straße gemalter Protest aus umweltverträglicher Farbe besteht und „vom Regen in den nächsten Wochen wieder abgewaschen wird“.

Darauf reagierte am Montag nochmals die Polizei. „Entgegen der ersten Einschätzung geht die Polizei nun doch nicht von einer Straftat aus, da es sich bei der aufgetragenen Substanz um biologisch abbaubare, wasserlösliche Kalkfarbe handelt. Der Vorfall wird – wie in diesen Fällen üblich – zur abschließenden rechtlichen Würdigung an die Staatsanwaltschaft Marburg übersandt“, informierte Polizeisprecher Jürgen Schlick auf Anfrage der OP. Die gemalte „Hühnerspur“ verläuft innerorts entlang der Frankfurter Straße im Abstand von etwa einem Meter von der rechten Bordsteinkante und schließlich in der Verlängerung der Frankfurter Straße bis ins Feld weiter zum Ort der geplanten Anlage.

Was will die Initiative mit dieser Aktion eigentlich bezwecken? Im Zusammenhang mit der geplanten Hähnchenmastanlage habe die Initiative schon oft gehört, dass Betreiber generell einen Verlust von fünf Prozent des jeweiligen Tierbesatzes einkalkulieren würden (siehe HINTERGRUND). Bei einer Anzahl von 39.900 Tieren pro Mastdurchlauf bedeutet dies nach dieser Behauptung, dass bis zu 2.000 Tiere „trotz des Einsatzes von Schmerzmitteln und Antibiotika“, so die Initiative, es nicht bis zum Ende der Mastperiode schaffen. „Um diesen einen speziellen Aspekt der Tierquälerei in Geflügelmassentierhaltungen deutlich zeigen zu können, habe die Initiative am Freitagabend eine Aktion zur bildhaften Darstellung dieser „unglaublichen Zahl“ gestartet. Dabei schafften es die rund 20 Helfer zwischen 21.30 Uhr und 1 Uhr bei weitem nicht, 2000 Hühnchen auf die Straße zu malen. Letztendlich sind es nur um die 600 geworden. Zusätzlich zeigen Meterangaben die Abstände zwischen verschiedenen zentralen Punkten des Ortes und dem Bauplatz der Anlage, so Haese.

Landwirt Günter Jung, der diese Aktion auf sein Vorhaben, im Außenbereich von Bellnhausen eine Hähnchenmastanlage für 39.900 Tiere zu bauen, bezieht, ist alles andere als begeistert. „Das ist eine andere Art von Psycho-Mobbing“, sagt er gegenüber der OP. Die Sprüche auf der Straße nennt er eine „geistige Armseligkeit“. Sauer ist er vor allem auf Lothar Mücke von dem er in seiner Eigenschaft als stellvertretender Bürgermeister mehr Neutralität erhoffte.

Mücke dazu gegenüber der OP: „Ich wohne in Bellnhausen und bin dadurch direkt Betroffener. Deshalb nehme ich mir das Recht heraus, die Initiative als Privatmann Lothar Mücke zu unterstützen.“ Dann sagt er: „Herr Jung muss auch differenzieren. Die Aktion der Initiative richtet sich keineswegs gegen die Familie Jung, sondern ausschließlich gegen die geplante Massentierhaltung.“

von Götz Schaub

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