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Windkraft: „Dürfen uns nicht wegducken“

Umweltopolitik Windkraft: „Dürfen uns nicht wegducken“

Die Stadt Marburg ist den nächsten Schritt für den Ausbau der Windenergie gegangen.

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Der Ausbau der Windenergie soll auch auf dem Gebiet der Stadt Marburg vorangehen. Die Stadt hat vier Standorte zur Prüfung beim RP angemeldet.Archivfoto

Marburg. Marburg. Wie Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD) der OP auf Anfrage bestätigte, hat die Stadt Marburg vier Bereiche für Windenergienutzung - Dilschhausen, Görzhäuser Hof, Lichter Küppel und Bürgelner Gleichen - dem Regierungspräsidium Gießen für den Teil-Regionalplan Energie vorgeschlagen.

Alle vier Gebieten entsprechen den hessenweiten Kriterien für die Windkraftnutzung , wie sie auch beim Regierungspräsidium kartiert sind. Sie sind erstens laut Windpotenzialstudien geeignet, ausreichend Strom zu liefern, um wirtschaftlich arbeiten zu können, und erfüllen zweiten den gesetzlich vorgegebenen Abstand zu Siedlungen - im Falle Bürgelner Gleiche auch zum Schönstädter Flughafen. Beim Regierungspräsidium werden die angemeldeten Flächen nun einer so genannten naturschutzfachlichen Prüfung unterzogen.

Parallel dazu wird die Stadt, auch das hat das Parlament beschlossen, Windmessungen an allen vier Standorten veranlassen. Das entspricht einer alten Forderung der Opposition. „Die präzise Ermittlung der Windstärke ist für mich eine Selbstverständlichkeit“, sagt Vaupel: Zum einen gehe es um die Frage der Wirtschaftlichkeit bei einer doch erheblichen Investition, zum anderen aber auch darum, Akzeptanz in der betroffenen Bevölkerung für den Bau von Windkraftanlagen zu schaffen. „Das geht nur, wenn wir mit offenen Karten spielen“, sagt Vaupel. Er sagte zu, die Ergebnisse der Windkraftmessungen vor der endgültigen Entscheidung über einen Bau zu veröffentlichen.

Wahrscheinlich Ende September soll die Bevölkerung in einer Bürgerversammlung über den weiteren Fortgang der Dinge informiert werden, teilte Vaupel mit. Vor allem in den östlichen Stadtteilen gibt es erhebliche Vorbehalte gegen die Errichtung von Windkraftanlagen.

Für den Oberbürgermeister ist es deswegen wichtig, die Bevölkerung „mitzunehmen“, wie er sagt: „Wir versuchen das auch, indem wir Wege schaffen, die Menschen an dem wirtschaftlichen Erfolg der Windkraftanlagen zu beteiligen.“

Denn dass die Stadt Marburg in der Verpflichtung steht, auf ihrem Gebiet Windkraftanlagen zu errichten, das steht für Vaupel außer Frage: „Wenn die Energiewende gelingen soll, müssen nicht nur Bund und Land ihre Anstrengungen verstärken, sondern muss auch die komunale Seite ihren Beitrag leisten.“

Was geschieht, wenn die Windmessungen oder aber die naturschutzfachliche Prüfung ergeben, dass nicht alle anmeldeten Flächen geeignet sind, um auf ihnen eine Windkraftanlage zu errichten?

Selbstverständlich müsse man sich auch nach Flächen außerhalb des Stadtgebiets umsehen, räumt der Oberbürgermeister ein. Das sei allein schon ein Gebot der wirtschaftlichen Vernunft. Aber: Das entbinde die Stadt nicht von ihrer moralischen Verpflichtung, auf ihrem Gebiet geeignete Flächen zu beplanen. Trotz der Auseinandersetzungen, die es etwa in Holzhausen und Bad Endbach gegeben hat, sagt Vaupel: „Wir dürfen uns vor unserer Verantwortung für die Energiewende nicht wegducken.“

von Till Conrad

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