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Windkraft im Landkreis „Wer will dort noch wohnen?“
Landkreis Serien-Archiv Windkraft im Landkreis „Wer will dort noch wohnen?“
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06:16 24.06.2012
Zwischen Erksdorf, Speckswinkel und Stadtallendorf steht der mit Abstand größte Windpark des Kreises. Nach Abschluss der Bauarbeiten drehen  sich dort 19 Windräder. Foto: Matthias Mayer
Kirchhain

Der Ortsbeirat Erksdorf ist nicht gewillt, die Windkraftpläne der Stadt Kirchhain zwischen Emsdorf und Langenstein hinzunehmen. Die Erksdorfer wollen nicht von beiden Seiten von den mit Abstand höchsten Bauwerken des Landkreises eingerahmt werden. Widerstand regt sich zudem in Emsdorf.

Der Kirchhainer Bau- und Planungsausschuss brachte während seiner jüngsten Sitzung die beiden Kirchhainer Windkraft-Vorranggebiete bei Sindersfeld und bei Emsdorf mit einem einstimmig gefassten Beschluss planungsrechtlich auf den Weg. Dabei meldete sich der Emsdorfer Stadtverordnete Hartmut Pfeiffer zu Wort. Er sei überrascht, das rund um Emsdorf nun viel mehr als drei Windräder entstehen sollten. Diese drei Windräder würden nach einer Besprechung im Ort von den Bürgern auch akzeptiert. Mit Blick auf die Kirchhainer Windkraft-Vorrangkarte sagte er, dass sich die Schlinge um Emsdorf zuziehe. Er rechne mit Widerstand der Emsdorfer Bürger und nannte in diesem Zusammenhang sogar den Begriff „Stuttgart 21“.

Wutbürger in Emsdorf? Ortsvorsteher Winfried Kläs wollte diesen Verdacht zumindest nicht entkräften. Er wisse nur von drei Windrädern, sagte Kläs und machte sich Sorgen um die Zukunft seines Ortes: „Wenn da noch zehn Windräder gebaut werden sollen, weiß ich nicht, wer dann dort noch wohnen will. Was in Erksdorf und Speckswinkel passiert ist, darf sich bei uns nicht wiederholen“, sagte der Ortsvorsteher, der sich im Übrigen „maßlos darüber ärgerte“, dass der Ortsbeirat nicht vorher gehört worden sei. Wie zuvor auch Hartmut Pfeiffer forderte Winfried Kläs die Stadt auf, sowohl die Emsdorfer Bürger als auch den Ortsbeirat in dieser Sache zu hören.

Das sagte Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) sofort zu. Allerdings erinnerte Kirchner an die Tatsache, dass die Stadt bei Bürgerversammlungen in Langenstein und in der Kernstadt umfassend über die Windkraftplanungen informiert habe - inklusive der Standorte aller Windräder. Dazu seien alle Bürger und damit auch die Ortsbeiräte eingeladen worden.

Im Bezug auf die „drei Emsdorfer Windräder“ sprach Kirchner von einem Missverständnis. Bei dem Gespräch in Emsdorf sei mit Grundstückseigentümern gesprochen worden, deren Flächen von den Rotoren dreier geplanter Windräder überstrichen werden.

Bei Emsdorf könnten bis zu acht Windräder entstehen

Tatsächlich hat die Stadt Kirchhain mit einem Planungsbüro Verträge für den Bau von sieben Windrädern abgeschlossen. Zwei Anlagen sollen bei Sindersfeld, und fünf auf der Emsdorfer Höhe entstehen. Das Planungsbüro entwickelt für die Stadt kostenfrei diese sieben Standorte und trägt dabei das volle Planungsrisiko. Im Gegenzug darf das Büro später das Baurecht an Investoren verkaufen, die schließlich die Windräder bauen. Der für das Baurecht zu zahlende Preis übersteigt üblicherweise die reinen Entwicklungskosten um das Fünffache.

Dieses Modell macht Bürgerbeteiligungen oder den genossenschaftlichen Betrieb von Windkraftanlagen wegen der langen Vorlaufzeiten und der hohen Kosten für das Baurecht nahezu unmöglich.

Deshalb plant die Stadt Kirchhain, zusätzlich drei potenzielle Windkraft-Standorte im Langensteiner Interessentenwald selbst kostengünstig zu entwickeln. So sollen bürgerschaftliche Beteiligungen an diesen Windrädern ermöglicht werden, erklärte Bürgermeister Jochen Kirchner.

von Matthias Mayer

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