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Windkraft im Landkreis Städte beugen Windrad-Wildwuchs vor
Landkreis Serien-Archiv Windkraft im Landkreis Städte beugen Windrad-Wildwuchs vor
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18:17 02.07.2012
Erksdorf liegt nahe am Windpark Krückeberg. Es gibt Widerstand gegen weitere Anlagen aus Kirchhainer Richtung. Foto: Lerchbacher
Stadtallendorf

Mit der Aufstellung eines „Teilflächennutzungsplanes“ will Stadtallendorf sicherstellen, dass künftige Windkraftanlagen nur dort entstehen wo die Stadt das auch plant. Nach dem Urteil des Verwaltungsgerichtshofes, der die Windkraft-Vorgaben des Regionalplanes für ungültig erklärte, schien das der Stadt geboten. Damit soll dem „Wildwuchs“ vorgebeugt werden.

Für dieses Vorgehen hatte sich auch die Stadt Amöneburg entschieden. Sie hatte in der jüngsten Stadtparlamentssitzung einen identischen Beschluss gefasst. Bis zu einem Jahr lassen sich dadurch Baugesuche von Windkraftbetreibern zurückstellen. Beide Parlamente fassten ihre Beschlüsse einstimmig.

Das Urteil des Hessischen Verwaltungsgerichtshof hat aber aus Stadtallendorfer Sicht noch weitere Folgen. Denn nun hat die Stadt auch kein formelles Recht mehr, Bedenken gegen die Kirchhainer Windkraftanlagen-Pläne auf der „Emsdorfer Höhe“ geltend zu machen. Ohne das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes hätte die Stadt Kirchhain ein Abweichungsverfahren“ vom Regionalplan gebraucht, um auf der Emsdorfer Höhe Anlagen bauen zu dürfen. Dabei hätte Stadtallendorf in jedem Falle beteiligt werden müssen. Die Stellungnahme, obwohl formal bedeutungslos, hat die Stadt trotzdem noch an das Regierungspräsidium geschickt.

In Emsdorf und auch in Erksdorf formiert sich Widerstand. gegen Kirchhains Pläne (diese Zeitung berichtete). Der Erksdorfer Ortsbeirat hatte zu den Plänen bereits klar Position bezogen und sie rundweg abgelehnt. „Wir sind mit Nachdruck gegen die Kirchhainer Pläne“, erklärte Ilona Schaub, CDU-Stadtverordnete aus Erksdorf, in der Stadtparlamentssitzung. Erksdorf habe seinen Beitrag zur Windenergienutzung inzwischen „weiß Gott geleistet“, sagte Schaub mit Blick auf den kreisweit größten Windpark am Krückeberg. Das Gebiet am Krückeberg ist ausgereizt. Erksdorfer fürchten jetzt die „Einrahmung“ ihres Ortes von gleich mehreren Seiten, wenn die Kirchhainer Absichten auf der Emsdorfer Höhe zur Realität werden. Angst haben die Bewohner des Stadtteils vor allem vor neuen Geräuschbelastungen und dem berüchtigten Schattenwurf von Windkraftanlagen. In Neustadt sieht Bürgermeister Thomas Groll (CDU) keinen Grund dafür, planungsrechtlich einem „Windrad-Wildwuchs“ vorzubeugen. Alle Flächen, bei denen laut Regierungspräsidium Gießen Windkraftanlagen möglich wären, befinden sich ganz oder teilweise im Besitz der Stadt. „Unsere Mitsprache ist also gesichert“, sagt Groll. Neustadt und Stadtallendorf befinden sich bereits seit Längerem im Dialog über ein gemeinsames Windkraftprojekt. Flächen, die unterhalb des Krückebergs mit seinem großen Windpark stehen, wären denkbar. Inzwischen hat die Stadt Neustadt aber auch weitere Gespräche mit der Nachbarstadt Kirtorf geführt. Denkbar wäre dort laut Groll ebenfalls ein Gemeinschaftsprojekt der beiden Städte, möglicherweise unter Einbindung eines Privatinteressenten. Als Fläche eignet sich ein Areal zwischen Neustadt und Arnshain. Wie viele Windräder dort denkbar wären, ist aber noch nicht klar. „Ob wir dabei selbst Geld in die Hand nehmen oder beispielsweise Flächen von uns einbringen muss noch geklärt werden“, sagt Groll.

Er will sich auf Nachfrage nicht festlegen lassen, ob er eine Kooperation mit Kirtorf oder Stadtallendorf favorisiert.

Grundsätzlich kommt es dem Neustädter Bürgermeister auch darauf an, Windkraft-Projekte anzupacken, bei denen eine finanzielle Bürgerbeteiligung möglich ist.

von Michael Rinde