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Zu wenig Geld für mehr Integration

OP-Serie „Spuren im Land“ (1) Zu wenig Geld für mehr Integration

Die Volkshochschule 
Marburg-Biedenkopf 
könnte ihr Angebot an 
Integrationskursen 
ausbauen und somit der großen Nachfrage gerecht werden – wenn der Bund mehr Geld zur Verfügung stellen würde.

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Die Mustaans setzen auf Bildung

Deutsch lernen als entscheidender Schritt zur Integration: In den Integrationskursen, wie beispielsweise die Volkshochschule sie anbietet, bildet der Sprachunterricht den Schwerpunkt.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Zuwanderer, die bei der Volkshochschule Marburg-Biedenkopf einen Integrationskurs belegen wollen, müssen ihren Namen auf eine Warteliste setzen. „Das Interesse ist so groß, dass wir mehr Kurse anbieten könnten, aber unsere personellen Ressourcen sind ausgereizt“, erklärt Landrat Robert Fischbach (CDU), der kein zusätzliches Personal engagieren will, um weitere Kurse zu ermöglichen. „Das kann sich der Landkreis nicht leisten“, verweist Fischbach auf die Schuldensituation von Marburg-Biedenkopf.

Die Volkshochschule organisiert die Kurse als einer von insgesamt neun Anbietern im Landkreis im Auftrag des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und wird dafür auch bezahlt. „Allerdings legen wir bei jedem Kurs drauf“, berichtet Fischbach und kritisiert, dass der Bund keinen finanziellen Anreiz für Dienstleister wie die Volkshochschule schafft. Dann könnten mehr Kurse angeboten werden, um dem großen Bedarf gerecht zu werden.

Das BAMF rechnet 2011 mit einem bundesweiten Überhang von 10.000 bis 12.000 Bewerbern.

Auf die wachsende Nachfrage hat der Landkreis bereits reagiert – im Jahr 2009 organisierte er 27 Integrationskurse mit 383 Teilnehmern. 2005, im Jahr der Einführung, waren es nur 23 Kurse mit 263 Teilnehmern. Bis Sommer 2011 sind zehn Kurse in Stadtallendorf geplant, fünf in Biedenkopf und weitere fünf in Gladenbach, „Parallel laufen immer vier Kurse“, erklärt der Landrat. Zudem nimmt die Volkshochschule die Einbürgerungstests ab, wenn Zuwanderer die deutsche Staatsbürgerschaft erlangen wollen. Dafür beraumt sie jährlich sechs Termine an – jeweils gibt es 30 bis 40 Teilnehmer.

Den Angaben des BAMF zufolge besuchen 60 Prozent der bundesweit derzeit 140 000 Teilnehmer die Integrationskurse freiwillig, 40 Prozent werden von einem Träger der Grundsicherung (Hartz IV) oder den Ausländerbehörden dazu verpflichtet.

Statistisch erfasst wurden bislang nur die rund 46 000 Menschen, die zwischen Januar 2008 und April 2010 von den Grundsicherungsträgern zu einem Kurs geschickt wurden. Künftig soll auch das Verhalten derjenigen ausgewertet werden, die wegen einer Anordnung der Ausländerbehörden zum Kurs kommen.

Die Integrationskurse beinhalten 600 Sprach- und 45 Orientierungsstunden, die in verschiedenen Modulen zusammengefasst sind. Von den Kosten ­ – 2,35 Euro pro Stunde – zahlen die Teilnehmer in der Regel 1 Euro selbst.

Neben den Kursen, die der Bund als ein Instrument der Integration eingeführt hat, bemüht sich der Landkreis auf seine Weise um die Zuwanderer. Als einziger Kreis in der Region unterhält Marburg-Biedenkopf ein Büro für Integration. Seinen Sitz hat es in Stadtallendorf, wo Menschen aus mehr als 70 Nationen leben.

Als Musterbeispiel für die Arbeit der Stabsstelle gilt das Projekt der aufsuchenden Elternschule, das von der EU und dem Land Hessen gefördert wurde. Es dient der Unterstützung junger Zuwanderer-Eltern bei der Erziehung und Förderung ihrer zwei- bis fünfjährigen Kinder.

Die Hilfestellung erfolgt bei den Familien zu Hause durch zweisprachige Anleiter sowie in Mutter-Kind-Gruppen. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei auf die Sprachentwicklung (Muttersprache und Zweitsprache) gelegt.

von Carina Becker

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