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Im Beruf deutsch, im Privatleben türkisch

OP-Serie Im Beruf deutsch, im Privatleben türkisch

Sie halten heute deutschlandweit Vorträge bei Kongressen und Seminaren rund um den Friseurberuf. Vor 29 Jahren verstanden Filiz und Figen Erdogu noch kein einziges Wort deutsch.

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Filiz (links) und Figen Erdogu kamen vor 29 Jahren aus Istanbul nach Deutschland. Heute führen sie ein Friseurunternehmen mit Salons in Marburg, Gießen und Bad Nauheim.

Quelle: Katharina Kaufmann

Marburg. Es war im Februar 1981 als die Familie Erdogu nach Deutschland kam. Von Istanbul zogen Filiz und Figen gemeinsam mit ihrer Mutter nach Stadtallendorf, wo der Vater als Gastarbeiter beschäftigt war.

Die beiden Mädchen verstanden damals kaum ein Wort deutsch, verständigten sich bei den Nachbarskindern mit Händen und Füßen, „und alles kam uns so klein vor“, berichten die beiden Friseurmeisterinnen heute beim Blick zurück.

Deutsch sprechen sie mittlerweile mit einem kaum merklichen Akzent, dass sie Migrantenkinder waren, ist ihnen nicht anzumerken. „Wir sind integriert“, sagen sie und strahlen dabei über das ganze Gesicht.

Und nicht nur integriert sind die Erdogus, sondern auch erfolgreich als Unternehmerinnen. Seit zwölf Jahren führen sie in Marburg einen Friseursalon und betreiben Filialen in Bad Nauheim und Gießen. 52 Mitarbeiter arbeiten für die Friseurmeisterinnen – mit zehn verschiedenen Nationalitäten.

„Wir sind praktisch eine große Familie“, schildert Filiz Erdogu die Verhältnisse im Betrieb. Die beiden Chefinnen seien die Eltern, die Mitarbeiter die Kinder. „Wir sehen es als unsere Aufgabe an, der Gesellschaft etwas zurückzugeben und auch junge Leute zu fördern, die noch Probleme mit der Sprache und den deutschen Umgangsformen haben“, erklärt die 42-Jährige. Ihre Schwester nickt zustimmend.

Die beiden Türkinnen haben es nicht leicht gehabt: „Wir kommen aus ganz einfachen Verhältnissen, sind sehr traditionell und streng, aber nicht religiös, erzogen worden“, betont Figen Erdogu. Was sie früher ganz furchtbar fand, bezeichnet sie heute als Grundlage für den Erfolg.

Im Privatleben sind die Türkinnen multikulturell: Beide sind mit einem deutschen Mann verheiratet. „Im Berufsleben sind wir eher deutsch: geordnet und strukturiert. Im Privatleben sind wir eher türkisch: chaotisch und emotional.“

von Katharina Kaufmann

Mehr zu diesem Thema lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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