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Das heiße Eisen bildet die Grundlage

Ausbildungsserie Das heiße Eisen bildet die Grundlage

Mehr als tausend Grad heißes Eisen, riesige Motorblöcke, kleine wie große Bremsscheiben – diese Dinge bestimmen den beruflichen Alltag der Gießereimechaniker in der Eisengießerei Fritz Winter.

Stadtallendorf. „Ich bin richtig glücklich damit, was ich mache“, sagt Alexander Sachs und strahlt dabei über das ganze Gesicht. Der 21-jährige aus Neustadt lernt bei der Eisengießerei Fritz Winter GmbH & Co. KG in Stadtallendorf den Beruf des Gießereimechanikers. Mittlerweile ist er im dritten Lehrjahr und wird demnächst seine Prüfung ablegen. Dank engagierter Arbeit kann er sie nämlich um ein halbe Jahr vorziehen und damit seine Ausbildungszeit verkürzen.

Hätte man ihn vor drei Jahren danach gefragt, hätte man wahrscheinlich eine andere Antwort erhalten. Sachs kam nämlich nur durch Zufall an den Ausbildungsplatz zum Gießereimechaniker: „Eigentlich hatte er sich für einen anderen Ausbildungsberuf bei uns beworben“, erklärt Klaus Weber, der als Personalreferent für die technische Ausbildung in der Eisengießerei zuständig ist. Weil die Stellen für diesen Beruf aber anderweitig besetzt wurden, bot er dem jungen Mann als Alternative eine Lehrstelle zum Gießereimechaniker an. „Ich habe einen Bekannten, der das auch gelernt hat. Bei dem habe ich mir Infos über den Beruf geholt und mich dann dafür entschieden, es auszuprobieren“, sagt Sachs heute mit Blick zurück. Und der Erfolg gibt ihm recht.

„Leider besetzen wir viele unserer Ausbildungsstellen für Gießereimechaniker auf diese Weise“, berichtet Weber. Meist bleibe ihm nichts anderes übrig. Denn für die jährlich sechs Gießereimechaniker-Lehrstellen hat er kaum Bewerber. Das liege vor allem daran, dass der Beruf bei Schülern meist nicht bekannt sei. „Die fokussieren sich meist auf andere Stellen wie den Mechatroniker“, betont Weber.

Gute Leistungen in den 
Naturwissenschaften

Der Ausbilder der Gießereimechaniker, Udo Schröpfer, weiß dennoch um die vielen Vorteile, die seinen Beruf ausmachen: „Das ist ein anspruchsvoller vielseitiger Beruf“, erläutert er. Kurz gesagt, müsse man Formen aus Sand und die passenden Kerne herstellen, in die später das flüssige Eisen gegossen werde, aus dem das Gussteil entstehe. „Man lernt während der Ausbildung sämtliche für den Beruf relevante Abteilungen kennen – vom Labor und den Modellbau über den Schmelzofen, die Formanlagen, die Kernmacherei und Putzerei bis zur Qualitätssicherung“, so Schröpfer.

Insgesamt beschäftigt das Stadtallendorfer Unternehmen derzeit rund 110 Auszubildende unter den gut 3 700 Mitarbeitern. Bereits im August beginnt die Suche nach Lehrlingen für das nächste Jahr. „Wir haben unsere Ausbildung in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut, denn sie ist für uns eine wichtige Grundlage für die Zukunft“, schildert Personalreferent Weber. Dennoch werde es von Jahr zu Jahr schwieriger die Stellen auch zu besetzen. Zum einen, weil es weniger junge Menschen gebe, zum anderen, weil diese mehr und mehr eine weiterführende Schule der betrieblichen Ausbildung vorziehen.

Die Anforderungen von Seiten der Eisengießerei Winter an die angehenden Auszubildenden zu Gießereimechanikern sind jedoch nicht allzu hoch, wie Klaus Weber sagt: Ein Realschul- oder ein guter Hauptschulabschluss, gute Leistungen in den Naturwissenschaften, Freude am präzisem Arbeiten, technisches Interesse und technisches Verständnis sowie räumliches Vorstellungsvermögen bilden das Rüstzeug für die Lehre, auf die man später verschiedene Weiterbildungen aufsatteln kann – vom staatlich geprüften Industriemeister bis zum studierten Gießerei-Ingenieur.

Der 21-jährige Alexander Sachs findet an seinem Ausbildungsberuf vor allem das Gießen der Formen spannend. „Mich fasziniert das flüssige Eisen“, sagt er und wieder erscheint auf seinem Gesicht ein Lächeln.

In Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Marburg stellt die Oberhessische Presse in loser Reihenfolge verschiedene Ausbildungsberufe vor, die bei jungen Leuten wenig bekannt sind, für die von heimischen Betrieben aber händeringend Bewerber um Lehrstellen gesucht werden.

von Katharina Kaufmann

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