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Einer der sichersten Orte im Landkreis

Adventsserie Einer der sichersten Orte im Landkreis

Wenn Sie viel Geld hätten – wo würden Sie es aufbewahren? Vermutlich nicht unter der Matratze, sondern bei der Bank. Aber wie schützt die Bank Ihr Geld?

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Fast wie der Kellerraum in einem Einfamilienhaus - wenn da nicht die tonnenschwere Tresortür wäre...

Quelle: Thomas Strothjohann

Marburg. Marburg. Das heutige „Türchen“ wiegt ungefähr so viel wie ein VW Golf und versperrt den Weg zum Bargeld der Sparkasse Marburg-Biedenkopf. Der Weg zum Tresor beginnt wie jeder Kundenbesuch bei der Bank. Durch die Glastüren in der Universitätsstraße Nummer 10 betrete ich das Foyer. Aber während Kunden entweder direkt in der Eingangshalle bedient werden, oder in eines der Büros in den oberen Etagen gehen, führt Artur Tuchbreiter mich in den Keller. Der Leiter des Kundencenters nickt einem Kollegen hinter dem verglasten Schalter zu. Der greift unter seinen Tresen und öffnet uns den Zugang zur Sicherheitsschleuse. Hier endet die Welt der Bausparverträge und Hochglanz-Broschüren. Wer in diesem Separé steht und keinen Schlüssel zur nächsten Türe hat, ist gefangen.Tuchbreiter hat ihn und führt mich eine Treppe hinunter. Wir gehen an einem ausgemusterten Bankschalter vorbei und stehen im Zählraum.

Geld wird zu einer Ware

Während die Bänker oben Anzug tragen, sind in diesem neonbeleuchteten Kellerraum Jeans und offener Kragen die Arbeitskleidung. Zwei Männer bedienen eine Maschine, die Münzen zählt und in Papier einwickelt. Hier ist Geld kein Zahlungsmittel mehr, sondern eine Ware, die gezählt, verpackt und gelagert wird. Es muss schwer sein, hier zu arbeiten und – ganz unabhängig vom Gehalt – Geld noch als solches zu behandeln.Am Ende des Raumes liegt das Ziel unseres Ausflugs in die Unterwelt: Der Tresor.
Sechs Bolzen vom Format Lkw-Achse verriegeln die Tür. Um sie zu öffnen muss der Bankier zwei Zahlencodes eingeben und das Kreuz drehen. Danach braucht er noch einen Schlüssel für das Gittertor. Aber die tonnenschwere Tür steht offen und gibt die Sicht frei in den Tresor.
 Wenn die Metallregale dahinter nicht so aufgeräumt wären, könnte man aus der Ferne meinen, es sei der Abstellraum eines Einfamilienhauses. In den Regalen liegen aber nicht Blumenzwiebeln, Einmachgläser
und Schlauchboot, sondern Geld. Kleine Hanf-Säcke der Deutschen Bundesbank, Türmchen aus Münzrollen und Geldschein-Kartuschen für die Geldautomaten.

Sicher oder frei?

Einerseits ist da der Reiz im Herzen der Bank zu stehen, an einem der sichersten Orte des Landkreises, an den sonst nur ausgewählte Mitarbeiter der Bank gelangen. Andererseits werde ich in diesem fensterlosen Raum mit seiner Panzertür die Angst nicht los, eingesperrt zu werden. Es ist der ewige Gegensatz von Freiheit und Sicherheit – von Reichtum und der Angst ihn zu verlieren. Was bringt das wertvollste Weihnachtsgeschenk, wenn mir die Angst, es zu verlieren, den Schlaf raubt?

  • In der Sparkasse gibt es einen zweiten Tresor für Kunden. Wer darin ein Schließfach mietet, kann mit seiner Bankkarte während der Öffnungszeiten der Bank eigenständig durch die  Tresortür zu seinen Wertsachen gehen. Im Tresorraum gibt es Tische, an denen Kunden zum Beispiel eingelagerte Dokumente prüfen können. Die Preise richten sich nach der Größe des Fachs und können bei der Sparkasse erfragt werden.

von Thomas Strothjohann

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