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Ein Wohltäter mit Mitra, Krummstab und Präsenten

Bitte eintreten Ein Wohltäter mit Mitra, Krummstab und Präsenten

Seit heute Nacht ist der Nikolaus wieder unterwegs und bringt Geschenke - eine Tradition, die laut Geschichtsbüchern auf seinem Kampf gegen Prostitution beruht.

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Seit der Nacht auf heute ist der Nikolaus unterwegs – unter anderem war er im Haus der Familie Lotter zu Gast.Foto: Lerchbacher

Momberg. Wenn der Nikolaus nach Momberg kommt, ist Edwin Lotter sein engster Vertrauter. Seit etwa 20 Jahren kümmert sich der 46-Jährige um den heiligen Mann - zum Beispiel, wenn dieser ins Schützenhaus oder inzwischen auch in den Kindergarten kommt. Lotter ist dann zwar nicht zu sehen, doch er zieht gemeinsam mit seiner Familie im Hintergrund die Fäden. Dabei liegen ihnen die Details am Herzen: Der Krummstab muss glänzen, der lange Mantel fusselfrei sein und die Mitra sitzen - wobei die Bischofsmütze erst seit dem elften Jahrhundert zu den sakralen Kleidungsstücken abendländischer Bischöfe gehört, der heilige Nikolaus von Myra allerdings im dritten und vierten Jahrhundert lebte.

Ob des religiösen Hintergrundes der Figur dürfen die Gebete nicht fehlen. Als „Bilderbuchtermine“ bezeichnet Lotter Besuche bei Familien, die mit dem Nikolaus beten, Lieder singen, Gedichte aufsagen und letztendlich persönliche Gespräche den Abschluss bilden - sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen. Ein Kind müsse dann immer das goldene Buch halten, in dem die Infos zu den Personen stehen. Basis der Frage „Warst Du denn auch brav und fromm?“ ist das Evangelium nach Matthäus 25, 14 bis 23 und das Gleichnis von den anvertrauten Talenten: Drei Knechte bekommen Geld anvertraut und müssen letztendlich bei ihrem Herrn Rechenschaft darüber ablegen, was sie damit getan haben.

Schutzheiliger zahlreicher Gruppen und Völker

Die Grundlage des Brauchs, Schuhe nachts mit Süßigkeiten und Geschenken zu füllen, findet sich in den Legenden wieder, die sich um Nikolaus von Myra ranken: Ein armer Mann glaubt, seine Töchter zu Prostituierten machen zu müssen, da er sie mangels Mitgift nicht verheiraten kann. Nikolaus, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht Bischof ist, aber ein größeres Vermögen geerbt hat, erfährt von der Notlage und wirft je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des Zimmers der drei Jungfrauen - womit die Mitgift gesichert ist.

Nikolaus von Myra (zwischen 270 und 286 in Patara in Lykien, dem heutigen Demre, geboren) ist einer der populärsten Heiligen der Kirche: Er wurde mit 19 Jahren zum Priester geweiht und war dann Abt des Klosters Sion in der Nähe Myras. Zahlreiche Legenden ranken sich um ihn: Sie führten dazu, dass Nikolaus Schutzheiliger verschiedener Gruppen ist, zum Beispiel der Apotheker, Bäcker, Juristen, Diebe, Gefängniswärter, Metzger oder Schneider aber auch ganzer Völker wie der Russen, Kroaten oder Serben. In vielen Ländern wird der Nikolaus am 6. Dezember von „bösen Begleitern“ flankiert, die sich den Kindern widmen, die das Jahr über ebenso böse waren. In Deutschland ist höchstens der Knecht Ruprecht dabei, der heutzutage allerdings nur noch die Rute und die Geschenke trägt - in Momberg nicht, da kümmern sich schließlich Edwin und Silke Lotter um den Nikolaus.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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