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Adventserie: "Bitte eintreten" Der Weihnachtsmann hat keine E-Mail
Landkreis Serien-Archiv Adventserie: "Bitte eintreten" Der Weihnachtsmann hat keine E-Mail
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20:21 19.12.2012
Gerade in der Vorweihnachtszeit ist das Briefaufkommen besonders hoch. Foto: Nadine Weigel Quelle: Nadine Weigel
Marburg

Wer heute einen Brief innerhalb Deutschlands versendet, hat mit großer Wahrscheinlichkeit noch Glück, dass die weihnachtliche Botschaft ihr Ziel noch vor Heiligabend erreicht. Bei einer Paket-Versendung wird es jetzt schon etwas knapper. Und wer möchte nicht, dass sein Geschenk pünktlich unter dem geschmückten Baum liegt und die Weihnachtskarte rechtzeitig am Zielort ist? Damit auch die Präsente noch ankommen, die auf den letzten Drücker versendet werden, müssen sich andere mächtig ins Zeug legen.

Doppelt so viel Volumen

Während die meisten oder zumindest viele Berufstätige mit Vorfreude der Weihnachtszeit entgegenfiebern, ist dies bei Mitarbeitern der Post nicht unbedingt der Fall. „Das verschickte Volumen verdoppelt sich in der Vorweihnachtszeit. Doppelt so viele Briefe, doppelt so viele Päckchen“, erklärt Pressesprecher Thomas Kutsch von der Pressestelle Mitte der Deutschen Post.

Stress pur, auch für die Briefträger auf der Straße. Manuela Völk ist eine von ihnen. Seit 1992 arbeitet sie für die Deutsche Post, hat dort ihre Lehre gemacht. Sie macht ihre Arbeit mit Leidenschaft und an den Mehraufwand, wenn sich das Kalenderjahr dem Ende nähert, hat sie sich längst gewöhnt. Trotzdem setzt auch ihr der Weihnachtstrubel zu: „Wenn ich dann an Heiligabend nach Hause komme, bin ich schon fertig von der vielen Arbeit“.

Wesentlich mehr Werbung an Weihnachten

Wenn Manuela Völk ihr kleines Postwägelchen durch die Marburger Straßen schiebt, hat sie auch einen Blick für ihre Kollegen vom Paketdienst. „Die haben in der Weihnachtszeit wirklich sehr viel mehr zu tun“, sagt die Postmitarbeiterin und sortiert fleißig weiter die Kuverts in die verschieden Briefkästen, die auf ihrer Route liegen.

Auffallend viele bunte Briefe sind darunter: „Klar ist jetzt auch mehr Werbung dabei, jeder hat schließlich ein gutes Angebot, dass er unbedingt noch vor Weihnachten unterbreiten möchte“, sagt Völk mit einem Augenzwinkern.

Herzstück der Brieflogistik für die Region Marburg-Biedenkopf ist das Briefzentrum Gießen in Langgöns. Sämtliche Briefe aus dieser Region werden dort sowohl in eingehender als auch in abgehender Richtung bearbeitet. „An den Spitzentagen vor dem Fest bearbeiten wir eine erhebliche Steigerung der üblichen Sendungsmenge“, sagt Niederlassungsleiter Dirk Merz. Das sind dann rund 1,5Millionen Sendungen.

Zum Vergleich: an einem normalen Tag bearbeiten die rund 280 Mitarbeiter in dem Gießener Briefzentrum bis zu einer Million Sendungen. Diese enorme Papierflut bekommt auch ein kleiner fränkischer Ort zu spüren: das Weihnachtspostamt in Himmelstadt liegt etwa 20 Kilometer nördlich von Würzburg und ist bereits seit 25 Jahren ein Ziel für Wunschzettel von Kindern auch aus dem Landkreis Marburg-Biedenkopf. Denn Himmelstadt ist die nächstgelegene Weihnachtspostfiliale.

Täglich sortieren und beantworten die etwa 40 freiwilligen Helfer vor Ort vier bis fünf Post-Wannen, gefüllt mit Wünschen und Bitten an den Weihnachtsmann. „Ausnahmslos jeder Brief wird gelesen und persönlich beantwortet“, sagt Rosemarie Schotte, die im „himmlischen Postamt“ bereits seit 1994 die Organisation übernimmt. Bestimmten Briefen widmet sich Schotte in besonderem Maße. „Wenn Kindern von Mobbing berichten, von Krankheiten, Problemen in der Schule oder der Familie, dann bekommen sie natürlich auch eine besondere Antwort“. Ein Job, der Rosemarie Schotte täglich bis zu zwölf Stunden in seinem Bann hält.

Keine Briefmarke nötig

Auf eine Besonderheit der Weihnachtspostfilialen macht Pressesprecher Thomas Kutsch aufmerksam: „Die Briefe der Kinder werden zugestellt, selbst wenn auf dem Brief keine Briefmarke aufgeklebt ist. Es rechnet ja keiner damit, dass ein nicht frankierter Brief ankommt, aber in diesem Fall ist das so“

Und wenn der technikinteressierte Nachwuchs nach der Email-Adresse vom Weihnachtsmann fragt? Was dann, Herr Kutsch? „Es gibt doch nichts Schöneres, als an Weihnachten einen Brief zu bekommen, der einem persönlich überbracht wird. Dass ist doch mit einer banalen E-Mail gar nicht zu vergleichen“ - das muss man verstehen: der Weihnachtsmann ist eben einer, der die alten Traditionen pflegt.

von Dennis Siepmann