Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Ostkreis Zwei neue Wohnzimmer für die Störche
Landkreis Ostkreis Zwei neue Wohnzimmer für die Störche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:53 07.03.2018
Zwei Plastik-Störche sollen verhindern, dass auf einer Traverse wieder Nester gebaut werden. Der echte Storch im Vordergrund bleibt entspannt. Er muss von den Pappkameraden keine Revierkämpfe befürchten. Quelle: Thorsten Richter
Kirchhain

Im Landkreis Marburg-Biedenkopf stieg die Zahl der Brutpaare von 16 auf 23 an, die 40 Jungstörche aufzogen, wie der heimische Storchenpapst Winfried Krähling dokumentierte. Das Storchenzentrum des Landkreises befindet sich weiterhin im Naturschutzgebiet Radenhäuser Lache, wo im vergangenen Jahr elf Horste besetzt waren, von denen sechs Horste von den Störchen ohne Hilfe des Menschen auf den Traversen der Hochspannungsleitungen in schwindelerregenden Höhen gebaut wurden.

Deutsche Bahn baute Horste auf ihrer Trasse ab

Diese massive Expansion zeigt, wie wertvoll der Lebensraum Lache für die Weißstörche ist. Und in diesen mussten die Menschen aus Sicherheitsgründen eingreifen. Die Deutsche Bahn baute alle Horste auf der ihr gehörenden Trasse ab, nachdem diese verlassen waren. Der Grund: Störche pflegen ihre Nester Jahr für Jahr auszubauen. Das Ergebnis: Sie können bis zu 150 Kilo schwer werden, und eine solche Last könnte die Statik der Bahnmasten gefährden, wie diese Zeitung berichtete. Die großen Strommasten der EAM sind davon nicht betroffen. Zum Ausgleich hat die im vergangenen Jahr vom ehemaligen Kirchhainer Bürgermeister Jochen Kirchner gegründete Nabu-Ortsgruppe Kirchhain zwei Storchenmasten aufgestellt. Ein neuer Mast befindet sich in Niederwald auf einer Wiese von Uli Balzer und der zweite Mast wurde im Arzbachtal in der Gemarkung Großseelheim aufgebaut. Dort besitzt der Nabu eine 12 Hektar große Fläche.

Kältewelle vertrieb ein Dutzend Störche

Das beherrschende Thema: Das Verschwinden der Störche von der Lache. Fünf Störche hatten sich nicht auf den Flug gen Süden gemacht. Eine machte sich auf die Reise, kehrte aber alsbald zurück. Sechs Frühheimkehrer gesellten sich Anfang des Jahres dazu. Dann raubte die Kältewelle den Großvögeln ihre Nahrungsgrundlage. Der Boden war so fest gefroren, dass selbst der Baggerführer trotz Motorkraft nur mit großer Mühe das Loch für den Mast ausheben konnte. Die Störche waren von jetzt auf gleich verschwunden.

Schüler halfen bei Anfertigung der Körbe

Ein Storch mit Peilsender wurde in Südfrankreich geortet, wie Winfrid Krähling berichtete. Und gestern früh saß das Storchenpaar, das den nächstgelegenen Mast zur Lache bewohnt, wieder an seinem gewohnten Platz. Jochen Kirchner war eigens aus seinem neuen Lebensmittelpunkt Lübeck angereist, um beim Aufstellen der Masten Hand anzulegen. Diese Körbe haben ein besonderes Befestigungssystem, das sich stufenlos an den Mastumfang anpassen lässt. Die Körbe hat André Estor mit Schülern der Adolf-Reichwein-Schule während des Unterrichtsprojekts Handlungsorientiertes Arbeiten angefertigt. Unterstützt wurde das Projekt von der EAM, die die Masten bereitstellte und von der Deutschen Bahn.

von Matthias Mayer