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Zwei Zeugen kippen um

Drogen Zwei Zeugen kippen um

Gemessen an der Vorwürfen der Anklage kam ein Stadtallendorfer am Dienstag in einem Strafverfahren vor dem Amtsgericht Kirchhain glimpflich davon. Er wurde zu einer Gesamtstrafe in Höhe von 1.800 Euro verurteilt.

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Auf dem gestellten Foto schnupft ein Mann Kokain durch einen zusammengerollten Geldschein. Ein 40-jähriger Stadtallendorfer wurde unter anderem wegen Kokainhandels verurteilt.

Quelle: dpa

Stadtallendorf. Der Auftritt zweier völlig verängstigt wirkender Belastungszeugen prägten die Verhandlung gegen den aus der Türkei stammenden Arbeitslosen. Beide ruderten gegenüber den Zeugenaussagen, die sie bei der Polizei gemacht hatten, deutlich zurück und erschwerten Strafrichter Joachim Filmer die Wahrheitsfindung.

Die Anklage warf dem 40-Jährigen Drogenhandel und die Misshandlung, Beleidigung und Bedrohung seiner Lebensgefährtin vor. Laut ihrer Aussage vor der Polizei, hatte die 29-Jährige am 13. Januar 2010 ihren Partner wegen dessen permanenten Alkoholkonsums zur Rede gestellt.

Dieser reagierte laut Polizeiprotokoll mit Schlägen ins Gesicht der Frau und bezeichnete sie als Nutte und als Hure. Der Mann stieß seine Freundin zu Boden und malträtierte sie auch dort noch mit Schlägen und Tritten. Dann nahm er ein Messer aus der Schublade und bedrohte seine Freundin. Er werde sie umbringen, wenn diese nicht aus Stadtallendorf verschwinde. Seiner Drohung verlieh der Mann laut Protokoll Nachdruck, indem er mit dem Messerknauf auf den Kopf der Frau schlug.

Vor Gericht nahm die Berufslose, die wieder mit dem Angeklagten zusammenlebt, ihre Anschuldigungen weitgehend zurück. Sie habe sich über ihren Partner geärgert und deshalb vor der Polizei deutlich übertrieben. Sie sei lediglich beleidigt worden, habe Schläge ins Gesicht und einen Schubser bekommen.

Ein Messer sei überhaupt nicht im Spiel gewesen, versicherte sie mit leiser Stimme. Sie blieb bei dieser Einlassung auch nach der eindrücklichen Belehrung durch Joachim Filmer, dass sie sich mit dieser Aussage strafbar mache und ein Ermittlungsverfahren gegen sich provoziere. Falsche Anschuldigungen seien ebenso strafbar wie eine uneidliche Falschaussage vor Gericht.

Auch der zweite Zeuge, der laut Anklageschrift zwischen November 2008 und April 2009 von dem Angeklagten 15 mal Kokain in Dosen zwischen 0,5 und 0,8 Gramm gekauft hatte, wollte von der Dealer-Tätigkeit des Hartz-IV-Empfängers nicht mehr wissen.

Der in Marburg lebende 26-jährige Angestellte erklärte im Flüsterton, Kokain sei von dem Angeklagten nur zum gemeinsamen Konsum gekauft worden. Er habe dafür seinen Anteil bezahlt. Zudem seien es nicht 15 sondern nur zehn Fälle gewesen.

Dieser Einlassung schenkte der Strafrichter keinen Glauben. Abhörprotokolle belegten, dass der Angeklagte in weit mehr als den 15 angeklagten Fällen mit Kokain in klarer Gewinnabsicht gehandelt habe. Dies gab der Angeklagte, der sonst schwieg, nach einer Beratung mit seinem Verteidiger auch zu.

Wegen fehlender einschlägiger Vorstrafen verurteilte das Gericht den Angeklagten noch zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen á 10 Euro. Es folgte damit dem Antrag der Anklagevertreterin. Die Verteidigung hatte auf 90 Tagessätze plädiert. Der Angeklagte nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an, so dass es Rechtskraft erlangte.

von Matthias Mayer

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