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Ostkreis Zwei Männer trauen sich
Landkreis Ostkreis Zwei Männer trauen sich
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06:16 22.04.2012
Norman Herwig (links) und Mike Merkel lassen sich im Juni in Wolferode segnen. Quelle: Michael Rinde
Ostkreis

Sie kennen sich schon seit ihrer gemeinsamen Kinderzeit in Wolferode. Aus Freundschaft ist vor zwei Jahren Liebe geworden. Norman Herwig und Mike Merkel freuen sich seit Wochen auf ihren Traugottesdienst im Juni in Wolferodes Kirche. Vorher haben sie standesamtlich ihre Lebenspartnerschaft eintragen lassen, wie es im Amtsdeutsch definiert ist.

Eine kirchliche Zeremonie für gleichgeschlechtliche Paare ist in der Evangelischen Landeskirche Kurhessen-Waldeck erst seit November vergangenen Jahres möglich. „Wir sind gläubig und evangelisch erzogen worden und freuen uns jetzt auf unseren Gottesdienst“, sagt Norman Herwig im Gespräch mit dieser Zeitung. Ganz bewusst haben sich beide an die OP gewandt, denn sie wollen auch anderen Paaren Mut zu diesem Schritt, der noch nicht selbstverständlich ist, machen. Angst vor denkbaren Anfeindungen haben beide nicht.

„Homophobie haben wir noch nicht kennengelernt. Wir diskutieren gerne auf Augenhöhe mit jedem, der das möchte“, unterstreicht der 25-jährige Herwig. Alle Menschen, die den beiden etwas bedeuteten, freuten sich mit ihnen.

Sie leben in einer gemeinsamen Wohnung in Rauschenberg. Besuchern kommen schon an der Tür zwei Hunde entgegen. Auch ihre große Tierliebe verbindet sie. „Wir haben schon manche Katze aus Spanien mit nach Deutschland gebracht“, berichtet der 29-Jährige Mike Merkel.

Sie haben gemeinsame Wünsche für die Zukunft: Sie wollen glücklich miteinander alt werden, sich etwas eigenes aufbauen, also zum Beispiel ein Haus bauen. Sie wollen sich mit Offenheit begegnen und auch in der Beziehung mit der Zeit gehen.

„Es sind die klassischen Ziele einer gutbürgerlichen Ehe“, meint Mikel Merkel am Ende seiner ersten Aufzählung. Eigentlich gebe es ja auch nur einen Unterschied in der Formulierung, Lebenspartnerschaft heiße es eben und nicht Ehe wie bei einem heterosexuellen Paar.

Ihr Vorbereitungsgespräch für den Gottesdienst steht noch aus. Beide und auch Pfarrerin Anja Fülling haben dafür noch etwas Zeit. Für Pfarrerin Fülling ist es der erste Gottesdienst mit der Segnung eines gleichgeschlechtlichen Paares.

Der Ablauf des Gottesdienstes werde dem einer Trauung sehr ähnlich sein, sagt Fülling. „Wenn es die beiden möchten, gibt es auch einen Ringtausch“, erläutert sie. Natürlich werde sie sich vorher noch einmal intensiv mit allen Details zum Gottesdienst-Ablauf vertraut machen, die anders sein könnten.

In der Landeskirche Kurhessen-Waldeck ist es allein Entscheidung der Pfarrerinnen und Pfarrer, ob sie ein gleichgeschlechtliches Paar segnen. Die Landeskirche habe den Kollegen eine Brücke gebaut, die damit ein Gewissensproblem hätten, sagt Fülling. Sie hat dieses Problem nicht. „Gott ist es wichtig, dass die beiden füreinander da sind. Und das ist absolut christlich“, erklärt sie ihre Einstellung.

Anja Fülling weiß aber auch, dass „mir während dieses Gottesdienstes einige sicherlich genau zuhören werden.“

Herwig und Merkel hatten sich auf Wolferode als den Ort für „ihren“ Gottesdienst schnell festgelegt. Sie schätzen Pfarrerin Anja Fülling und sie mögen die kleine Wolferoder Kirche sehr. „Außerdem wollen wir in Wolferode auch feiern“, nennt Norman Herwig einen weiteren Grund. Sie haben sich bewusst einen Termin im Juni ausgesucht: Dann liege der gesamte Sommer noch vor ihnen.

von Michael Rinde

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