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Zusammenarbeit bringt Licht ins Dunkel

Urteil Zusammenarbeit bringt Licht ins Dunkel

Ein Staatsanwalt und ein Zuschauer sprangen gestern am Landgericht als Übersetzer ein, um abzusichern, dass Richter und Schöffen das Anliegen einer Kirchhainerin richtig verstehen.

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Waren im Wert von knapp 16 Euro hatte eine Kirchhainerin gestohlen – ein Diebesgut war Tee. Das Amtsgericht hatte die Wiederholungstäterin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Quelle: Lerchbacher

Kirchhain. Einige Sprachbarrieren galt es gestern während einer Berufungsverhandlung vor dem Marburger Landgericht zu überwinden, ehe sich Richter Carsten Paul und seine Schöffen sowie der Staatsanwalt mit dem Anliegen einer Russin auseinandersetzen konnten.

Das Amtsgericht Kirchhain hatte die 46-Jährige im Mai wegen des „Diebstahls geringwertiger Sachen“ zu einer Haftstrafe von drei Monaten verurteilt, die es zur Bewährung aussetzte. Sie habe nur gestohlen, den Ladendetektiv aber weder geschlagen noch mit „schweren Worten“ beleidigt, wie dieser angegeben habe, erklärte die Frau. Diese Vorwürfe seien ohnehin nicht in das Strafmaß eingeflossen, entgegnete der Richter – noch immer auf der Suche nach dem Grund für die Berufungsverhandlung.

Der Staatsanwalt wies darauf hin, dass sie mit der zur Bewährungsstrafe gehörigen Geldauflage von 500 Euro billiger wegkomme, als wenn das Urteil in eine Geldstrafe umgewandelt werde, die mindestens 900 Euro betrage (90 Tagessätze). Die Angeklagte bat daraufhin erneut, ihre Strafe abzuwandeln, woraufhin der Richter die Verhandlung unterbrach und einen anderen Staatsanwalt hinzuzog, der russisch spricht und in der Pause das Anliegen der Frau abklärte. Ihm zur Seite sprang ein Gast, der erfuhr, dass die Bewährungszeit drei Jahre betrage – was der Kirchhainerin zu lange ist.

Als alle Unklarheiten ausgeräumt waren, wurde die Verhandlung fortgesetzt. Die vierfache Mutter hatte im Beisein ihrer minderjährigen Tochter im September 2009 aus einem Geschäft ein Glas Schokocreme, Tee, Pfeffer, Frühlingsrollen, Wurst, Senf, Schuhcreme, Schmand, Kaubonbons und einen Hello-Kitty-Artikel gestohlen. Als Grund gab die Frau, die neben zwei Arbeitsstellen noch zwei Putz-Jobs hat, an, dass sie drei Monate lang kein Kindergeld erhalten hatte und etwas zu essen für ihre Familie benötigte.

Das Amtsgericht verurteilte sie, da sie sich bereits zum dritten Mal wegen Diebstahls verantworten musste, „zur Einwirkung auf sie“ zu einer Freiheitsstrafe.

von Florian Lerchbacher

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