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Ostkreis Zum Glück gab Käthe ihr Okay
Landkreis Ostkreis Zum Glück gab Käthe ihr Okay
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06:15 18.05.2012
Als wäre es gestern gewesen: Ludwig Dippel erinnert  sich noch genau daran, wie er mit dem ersten Junker Hans samt Gefolge vor dem größten Fachwerk-Rundbau der Welt stand. Quelle: Florian Lerchbacher
Neustadt

Sie rätseln, vermuten und raten – doch selten sind die Tipps richtig, wenn die Neustädter mal wieder voraussagen wollen, wer der neue Junker Hans ist. 20 Jahre ist es her, dass Markus Müller mit seinen Burgfräulein Susanne Wettlaufer (geb. Baum) und Elke Dippel (geb. Gies) als erster in die Rolle des legendären Neustädters schlüpfte und die Stadt repräsentierte – eigentlich spielte jedoch Ludwig Dippel erstmals den Junker Hans: im Jahr 1984 anlässlich des 500-jährigen Bestehens des Fachwerk-Rundbaus, damals aber nur für wenige Tage und nicht für ein Jahr.

1992 kam dann eben jenem Ludwig Dippel in einer schlaflosen Nacht die Idee, alljährlich einen Neustädter als Junker auftreten zu lassen, der gleichzeitig als Repräsentant der Stadt fungiert: „Wir waren schließlich bemüht, den Kirmesbesuchern jedes Jahr etwas Interessantes zu bieten.“ Traditionell besprach der heutige Ehrenstadtrat und damalige Festausschussvorsitzende das Thema zunächst mit seiner Frau Katharina, die er liebevoll nur Käthe nennt – und die segnete den Vorschlag ab. Zum Glück, denn dies war die Geburtsstunde einer schönen und beliebten Tradition.

Die ersten Junker begleitete ein ganzer Hofstaat. „Das war Neuland, daher mussten wir improvisieren“, erinnert sich Dippel – die Kostüme stammten zum Beispiel aus einem Verleih in Frankfurt. Die Hellebarden bestanden aus einem Besenstiel, dem Aufsatz einer Gardinenstange, einem Rasenkantenschneider und weiteren Gartengeräten: „Das Konzept kam gleich gut an – das Bild, das sich ergeben hatte, sah aber auch wunderschön aus.“

Die Suche nach einem geeigneten jungen Mann lag entweder in den Händen Dippels oder aber von Klaus Groll: „Auch wenn es manchmal hakte: Zum Schluss war immer alles in Ordnung und wir hatten wieder einen prächtigen Menschen gefunden, die diese wichtige Figur vortrefflich darstellte.“ Jeder der 20 Männer habe etwas Spezielles gehabt, was ihn zu einem besonderen Junker Hans machte – und dennoch gibt es einen, auf den Ludwig Dippel ein kleines bisschen mehr stolz ist (auch wenn er das nie zugeben würde): seinen Enkel Max Dippel. Als dieser vor zwei Jahren plötzlich im Kostüm aus dem historischen Rathaus schritt, stand dem Senior die Rührung ins Gesicht geschrieben: „Da war ich wirklich sprachlos. Zu meiner Freude hat Max sein Jahr mit Bravour gemeistert.“

Am Samstag, 2. Juni, blicken die Neustädter auf 20 Jahre Junker Hans zurück. Im Anschluss wird der neue Würdenträger vorstellt – wer dies sein wird, weiß jedoch nur eine kleine Gruppe, die allerdings nichts verraten wird. Doch ohne Rätselraten wäre es ja auch nur halb so spannend.

von Florian Lerchbacher

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