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Zoff mit 15-jährigem Sohn endet mit einer Kopfnuss

Amtsgericht Zoff mit 15-jährigem Sohn endet mit einer Kopfnuss

Pubertierende Jugendliche können ihre Eltern zur Weißglut bringen.

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Kirchhain. Deshalb stand ein Familienvater vor dem Kirchhainer Amtsgericht. Und das war für ihn ein teures Erlebnis. Das unter Vorsitz von Jugendrichter Joachim Filmer tagende Gericht verurteilte den Handwerker zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 80 Euro, weil er im Juli 2011 seinem damals 15 Jahre alten Sohn im Streit eine Kopfnuss versetzt hatte.

Der Angeklagte bestritt vor Gericht, seinem Junior vorsätzlich eine Kopfnuss verpasst zu haben. „Eine Kopfnuss im Sinne einer Kopfnuss war es nicht“, formulierte er reichlich sybillinisch. Sein Sohn habe versucht, ihn aus dem Zimmer zu drängen. Dabei müsse es aus dem Gerangel heraus zu dem unbeabsichtigten Kopfstoß gekommen sein. „Wenn ich sauer bin, gebe ich ihm eine Ohrfeige“, gab der Mann an.

Der Vater berichtete von einer komplizierten familiären Situation. Er lebe zwar von seiner Frau getrennt, es gebe aber eine Annäherung zwischen beiden Eheleuten. Diese wolle er ebenso wenig gefährden, wie die stabilisierte Beziehung zu seinem Sohn, der inzwischen wieder häufiger bei ihm übernachte. Deshalb wolle er unbedingt eine Konfrontation zum Tatvorwurf mit seinem Sohn vermeiden, sagte er, der den Jungen als schwierig und zeitweise enorm aggressiv - auch gegenüber seiner Mutter - beschrieb.

Als Riesenproblem bezeichnete der Vater den Umstand, dass sein Sohn während des Tatzeitraums Tag und Nacht mit einer Playstation ein Ego-Shooter-Spiel gespielt habe. Playstation und Spiel habe er ihm auf dringlichen Wunsch gekauft. „Der größte Fehler meines Lebens“, bekannte der Vater.

Der Sohn bestätigte im Zeugenstand, dass seine Eltern wieder aufeinander zugingen. Inzwischen übernachte er auch wieder bei seinem Vater, was funktioniere. Während des Tatzeitraums habe er sich von seinem Vater ungerecht behandelt gefühlt. Obwohl er die ihm übertragenen Aufgaben - Rasen mähen, Straße kehren - erfüllt habe, sei ihm für eine ganze Woche der Internet-Zugang gesperrt worden. Darüber sei es zum Streit gekommen, in deren Verlauf er vom Vater gegen einen Türrahmen gedrückt und mit dem Kopf einen Stoß gegen seinen Mund bekommen habe. Dabei hätten sich sowohl der Vater an der Stirn, als auch er selbst im Mund durch seine Zahnspange verletzt.

Staatsanwalt und Richter glaubten dem Jungen, bei dem sie keine Belastungstendenzen erkannten. „Das es mal Zoff zwischen Eltern und pubertierenden Kindern gibt ist normal. Zwischen einem solchen Zoff und einem Kopfstoß gegen einen 15-Jährigen, der eine Klammer im Mund trägt, ist ein himmelweiter Unterschied“, würdigte Joachim Filmer mit Blick auf die schweren möglichen Verletzungsfolgen eines Kopfstoßes die Tat.

Der Richter befolgte beim Strafmaß den Antrag des Staatsanwalts, räumte aber ein, dass für den Angeklagten wegen der positiven Tendenzen in der Familie auch eine Einstellung des Verfahrens möglich gewesen sei. Dazu hätte es aber eines Geständnisses und der Einsicht des Angeklagten bedurft, falsch gehandelt zu haben. Auch eine Ohrfeige sei Körperverletzung und kein Erziehungsmittel, sagte Filmer unter Hinweis auf die Einlassung des Angeklagten.

Dieser nahm das Urteil gelassen entgegen und sofort an. Für ihn habe Priorität, dass die Familie wieder zusammenkommt.

von Matthias Mayer

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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