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Ostkreis Der Zoff in Kleinseelheim geht weiter
Landkreis Ostkreis Der Zoff in Kleinseelheim geht weiter
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00:19 08.09.2018
Die Großseelheimer Straße hätte schon fertig sein können. Die mit Keimen belastete neue Wasserleitung steht bis auf unbestimmte Zeit dem Straßenbau im Wege. Quelle: Matthias Mayer
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Kleinseelheim

Und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Seit sechs Wochen ist da nichts geschehen, weil es dem ausführenden Bauunternehmen nicht gelungen ist, seinem Auftraggeber Zweckverband mittelhessische Wasserwerke (ZMW) ­eine keimfreie Wasserleitung zu übergeben.

Helmut Weber ist Anlieger der Großseelheimer Straße. Er kann nicht verstehen, dass der ZMW erst sechs Wochen nach dem Stillstand die betroffenen Bürger informierte (siehe OP vom Montag). Und überhaupt nicht begreifen will er, dass es innerhalb von sechs Wochen nicht ­gelingen soll, eine 200 Meter lange Wasserleitung keimfrei zu ­bekommen. Bei ähnlichen Vorfällen seien Chlorungen innerhalb weniger Tage hilfreich, sagte­ ­Helmut Weber der OP.

Ihm gehe es nicht um Schuldzuweisungen. Ihn treibe die Sorge um, was nun mit der Straße geschehe. Seit Monaten sei die Großseelheimer Straße zwischen dem Abzweig an der Landesstraße bis zur Einmündung in den Sandweg gesperrt. „Die Kleinseelheimer haben es satt. Sie wollen, dass die Bauerei endlich ein Ende hat“, sagt er unter Hinweis auf die mehr als ein Jahr währende Nahwärmebaustelle. Einiges sei nicht gut gelaufen. Für Vieles sei die Nahwärme nicht verantwortlich gewesen. Es habe Probleme mit der Stadt und mit den Betreibern der unter den Straßen liegenden Infrastruktur gegeben. Ein Ende sei in Sicht. Mitte September würden die Öfen in der Heizzentrale montiert. Ab Oktober gebe es Nahwärme im Dorf – mit Ausnahme der Randgebiete, erklärte Helmut Weber.

Das vergessene Loch:Keller überflutet

Und die Großseelheimer Straße? „Die hätte längst fertig sein können“, sagte er und verweist auf den 25. Juli. An diesem Tag schlugen Bauleute ein Loch in sein Haus und beschieden ihm, dass sein Haus am nächsten Tag an das neue Leitungsnetz angeschlossen werde. Helmut Weber fuhr getrost in den Urlaub, und als er wiederkam, hatte er das Loch längst vergessen. Das sollte ja längst geschlossen sein.

War es aber nicht. Als am 7. August ein Sturzbach die Großseelheimer Straße herunterschoss, drückte das Wasser durch das nicht geschlossene Loch in den Keller. Mit Ausnahme des Heizungskeller liefen alle Kellerräume voll. Als es zu spät war, flickten die Bauleute das Loch mit Bauschaum.

Für Helmut Weber ist der 25. Juli der Tag, an dem die Baufirma von den Verschmutzungen in den neuen Leitungen Kenntnis bekam. Seitdem habe­ es zahlreiche Spülungen der Leitung gegeben. Zuletzt sei die Firma nicht mehr zugegen gewesen, beschrieb der Anwohner seine Beobachtung. Seine Sorge: Der Bau der Straße könne auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Das bedeutet: Die Kleinseelheimer müssen weiter durch schmale Gassen auf Schotterpisten ihr Ziel erreichen.

Der ZMW bestätigte auf OP-Anfrage die Situation in der Großseelheimer Straße. Nur eine saubere neue Leitung könne in das vorhandene Netz eingebunden werden. Hierbei gibt es im Moment Probleme. Die neue Leitung sei verunreinigt, sagte ein ZMW-Mitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden will. Nach OP-Informationen steht das Bauunternehmen in der Pflicht, dem ZMW eine saubere Leitung zu übergeben.

Mehrere Versuche, die Leitung zu reinigen, seien nicht erfolgreich gewesen. Es sei nicht gelungen, die neue Leitung keimfrei und sauber zu bekommen, so der Mitarbeiter. „Die Druckprüfung ist erfolgreich abgeschlossen, bei der obligatorischen Wasseruntersuchung ist jedoch die Verunreinigung festgestellt worden. Die Einbringung von Desinfektionsmitteln und von Chlor sowie das Spülen der Leitung haben nicht ausgereicht“, sagte der ZMW-Mitarbeiter. Deshalb habe das ausführende Bauunternehmen zum Mittel der Luft-Wasser-Spülungen gegriffen. Auch das habe nicht geholfen.

„In den letzten beiden Wochen ist leider auf der Baustelle nicht sehr viel passiert. Das ist eine ganz bescheidene Situation. ­Alle weitere Maßnahmen bedürfen einer gewissen Vorbereitung und werden noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.“

Der ZMW bedaure die Situation für die Anlieger und bittet um Geduld und Verständnis. Es werde alles dafür getan, dass das ausführende Unternehmen weitere mit dem ZMW abgestimmte Maßnahmen durchführt. Hierfür habe der ZMW bereits Vorschläge unterbreitet, in den nächsten Tagen sollen entsprechende Maßnahmen folgen, so der ZMW.
Die Großseelheimer Straße ist eine Kreisstraße. Deshalb wird sie im Auftrag und auf Kosten des Landkreises Marburg-Biedenkopf saniert. Gebaut wird sie von Hessen Mobil. Und die Straßenbauverwaltung des Landes legte pünktlich am 30. Juni los. In ihrem Auftrag fräste eine Baufirma die Asphaltschicht ab, damit die Wasserleitung unter der Großseelheimer Straße erneuert werden kann. Der Kanal war dort schon vor Jahresfrist ausgetauscht worden.

„Wir stehen am Anfang und am Ende der Nahrungskette“,­ scherzte Bettina Amedick, Sprecherin von Hessen Mobil­ Marburg. Die Baustelle sei im Grundsatz nicht gefährdet. ­Allerdings hänge der Baubeginn vom Durchbruch bei den Reinigungsarbeiten in der Wasserleitung ab.

Auf den muss möglicherweise lange gewartet werden. Helmut Webers Idee von einem Super-GAU: Alle Reinigungsversuche schlagen fehl, die Leitungen müssen ausgegraben werden.

Nächste Woche kommt ein neuer Bauzeitenplan

In diesem Fall würden die Straßenbauarbeiten weit jenseits des Bauzeitenfensters erledigt werden müssen. Angesichts der Auslastung der Baufirmen braucht es wenig Phantasie, dass sich der Auftrag Großseelheimer Straße und ein vertraglich vereinbarter Nachfolgeauftrag zeitlich überschneiden. Dieses Szenario könnte zu Lasten der Kleinseelheimer führen.
Wie eine Recherche von Bettina Amedick im eigenen Hause ergab, droht diese Gefahr nicht. Die Baufirma, die derzeit um eine saubere Wasserleitung kämpft, ist die Firma, die auch die Straßenbauarbeiten ausführen soll. „Vertrag ist Vertrag. Der Auftrag muss erfüllt werden“, sagte Bettina Amedick.

„Das ist kein Spaß für die Kleinseelheimer“, bewertete sie die Situation. Zugleich verwies sie auf Arbeiten, die vor den Straßenarbeiten erledigt werden müssen. „Wir müssen abwarten, bis alle Häuser an das neue Wasserleitungsnetz angeschlossen sind“, sagt sie. Diese Anschlüsse bestehen derzeit nur aus Gräben zu den Häusern. Auch der Austausch der Naturstein-Pflaster gegen Betonsteine verspricht Arbeit. Für Anfang nächster Woche kündigte Bettina Amedick einen neuen Bauzeitenplan an.

von Matthias Mayer

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