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Ziel: der bekannteste Hesse werden

Wahlen Ziel: der bekannteste Hesse werden

Anders Arendt ist parteilos und bewirbt sich bei der Rauschenberger Bürgermeisterwahl am 7. Oktober als einziger unabhängiger Kandidat.

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Anders Arendt möchte in Rauschenberg der Billigheimer unter den Bürgermeistern werden und auf 90 Prozent seines Gehalts verzichten. Foto: Tobias Hirsch

Rauschenberg. Der 38-Jährige besitzt in der Region eine gewisse Prominenz. Anders Arendt war Bürgermeister in Amöneburg. Ihm gelang in der CDU-Hochburg ein Überraschungssieg gegen den Amtsinhaber von der CDU, wurde aber nach 20 Monaten von den Bürgern wieder abgewählt. Dieses Negativ-Erlebnis hielt ihn nicht davon ab, drei weitere Male als Bürgermeister zu kandidieren. In Rauschenberg beginnt nun der vierte Anlauf auf einen Rathaus-Chefsessel seit seiner Abwahl .

Warum bewirbt sich jemand in Gemeinden, die er mit Ausnahme seiner Amöneburger Heimat nur aus der Zeitung kennt, für das Bürgermeisteramt? Anders Arendt hat auf diese naheliegende Frage in einem Internetforum mit dem hübschen Namen „Hessenhenker“, in dem er regelmäßig zu publizieren pflegt, selbst eine Antwort gegeben. Er möchte durch die Kandidaturen zum bekanntesten Hessen werden, um so mehr Aufmerksamkeit für seine Thesen und Überzeugungen zu bekommen. Im Gespräch mit der OP unterstrich er noch einmal dieses Ziel.

Ob der Alt-Olympier Johann Wolfgang von Goethe in himmlischen Gefilden schon Wind von der Sache bekommen hat? Dass da ein Emporkömmling aus Mardorf an seinem unzerstörbaren Nimbus des berühmtesten Hessen rüttelt? Ob das Frankfurter Universalgenie Anders Arendt vielleicht sogar im Kreis der ihm wegen ihrer Farbenlehre verhassten Newtonianer verortet? Wir werden es im diesseitigen Leben nicht erfahren.

Anders Arendt macht seinen Mitmenschen die Urteilsfindung zu seiner Person wahrlich nicht leicht. Auf der einen Seite gibt er den Menschen Munition, die ihn für einen Egomanen und Scharlatan halten, der seine Kandidaturen nur dazu nutzt, um sich über die Wähler und seine Mitbewerber lustig zu machen.

Spaß und Ernst liegennah beieinander

Dazu passt seine Ankündigung nach seiner jüngsten Wahlniederlage in Bad Salzschlirf (gegen die Anders Arendt juristisch vorgeht), für ihn werde es ab sofort nur noch Spaß-Kandidaturen geben. Dazu passt seine ursprüngliche Erwägung, auch bei zeitgleich mit der Rauschenberger Wahl stattfindenden Bürgermeisterwahl in Wohratal zu kandidieren. Und dazu passt seine Ankündigung, dass er nur gegen Zahlung einer Gage in Höhe von 1000 Euro am OP-Wahlforum zur Rauschenberger Bürgermeisterwahl am 27. September um 19.30 Uhr in der Mehrzweckhalle Bracht teilnehmen wird. Also wird er im Endergebnis beim einzigen Aufeinandertreffen der Bürgermeister-Kandidaten nicht dabei sein. Und schließlich darf die Ernsthaftigkeit eines Kandidaten auch in Zweifel gezogen werden, wenn dieser den Wählern erst nach der Wahl verraten will, wo er beim Sparen den Hebel ansetzen will. Die Rauschenberger sollen die Katze im Sack wählen. Er habe einen ausgeprägten Sinn für Humor und eine satirische Ader, sagt Arendt über sich selbst.

Auf der anderen Seite beteuert Anders Arendt gegenüber der OP, dass er ein seriöser Kandidat sei, die Wahl und die Zukunft Rauschenbergs sehr ernst nehme. Die Lage der Stadt erlaube keine Späße. Sie sei so ernst, dass man darüber nachdenken könne, Rauschenberg in Ernsthausen umzubenennen, schreibt er in einer E-Mail.

Auch seine Wahlziele kommen bierernst daher. Als vordringlichste Aufgabe sieht er die Konsolidierung der städtischen Finanzen an. Arendt geißelt den fahläsigen Umgang der Politiker mit dem Geld und kritisiert in Rauschenberg konkret den Ausbau der Kratz‘schen Schneue zu einem Gemeinschaftshaus. „Das Projekt passt nicht in diese Zeit. Wie können Kommunalpolitiker nur so blind sein, sich ein solches Prestigeprojekt mit hohen Folgekosten zu leisten“, sagte Arendt und kündigte an, das Bauvorhaben als Bürgermeister mit allen legalen Mitteln bekämpfen zu wollen. „Ich gehe bis zum Baustopp“, verspricht der Kandidat.

Beim Thema Geld werde er bei sich selbst anfangen und für nur zehn Prozent der eigentlichen Bezüge als Bürgermeister arbeiten, kündigt Arendt an, dessen zweites Ziel auch mit dem Thema Haushaltskonsolidierung zu tun hat. Er hält eine Zusammenlegung der Stadt Rauschenberg mit der Nachbargemeinde Wohratal für sinnvoll, über die in einer Volksabstimmung zu entscheiden wäre. Bürgermeister der neue und zukunftsfähigeren Gemeinde könne Wohratals Bürgermeister Peter Hartmann, dem Arendt eine ordentliche Amtsführung bescheinigt. Die Bürgermeisterwahl sei ein guter Anlass, diesen Schnitt zu machen, sagt der Kandidat an die Adresse seiner Wähler.

Anders Arendt lebt mit seiner Lebensgefährtin in Mühlheim an der Ruhr, wo er sich auch zeitweise kommunalpolitisch engagierte. Beruflich berät er verschiedene Kommunen. Wegen der großen räumlichen Entfernung zu Rauschenberg werde er keinen klassischen Wahlkampf führen. Er beschränke sich auf ei Flugblatt mit seinen wichtigsten Aussagen, das flächendeckend verteilt werde.

von Matthias Mayer

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