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Wohnungsbau gewinnt an Bedeutung

Fragen an die Kandidaten Wohnungsbau gewinnt an Bedeutung

In den Wochen bis zur Bürgermeisterwahl lässt die OP die fünf Bürgermeisterkandidaten Fragen zu zentralen Themen der künftigen Stadtpolitik beantworten.

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Fünf Kandidaten, fünf Meinungen. Die OP befragt die Herren bis zur Wahl zu unterschiedlichen Themen.

Quelle: Archivfoto

Stadtallendorf. Die OP hatte den Kandidaten Jürgen Berkei (CDU), Christian Somogyi (SPD), Manfred Thierau (Bürgerunion Stadtallendorf, BUS), Peter Fuhrmann und Mubarik Sabir (beide parteilos) eine maximale Länge für ihre Antworten auf die verschiedenen Fragen der Redaktion vorgegeben. Sie durfte unter- aber nicht überschritten werden.

Zum Auftakt geht es heute um die Situation auf dem Wohnungsmarkt, die in Stadtallendorf mehr und mehr als angespannt gilt.
Mietinteressenten berichten von langen Wartelisten bei den hiesigen Wohnungsbaugesellschaften. Im sozialen Netzwerk Facebook finden sich in einzelnen Gruppen immer häufiger Wohnungsgesuche von Familien wie auch Alleinstehenden.
Zugleich gibt es Bedarf bei seniorengerechten wie auch barrierefreien Wohnungen. Nach wie vor befindet sich der größte Teil der vorhandenen Wohnungen in den Händen von Wohnungsbaugesellschaften, der Wohnstadt, der GWH und der Siedlungsgenossenschaft Herrenwald.

Welche Rezepte haben die Kandidaten für die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt?

  • Beim Wahltalk der OP kommt es am Donnerstag, 14. September, ab 19.30 Uhr in der Stadtallendorfer Stadthalle zum direkten Aufeinandertreffen der fünf Kandidaten. Dort bekommen Besucher natürlich auch die Möglichkeit, den Bürgermeisterkandidaten selbst Fragen zu stellen.  

Jürgen Berkei (CDU): Lenkung der Entwicklung ist Chefsache

Bedingt unter anderem durch niedrige Zinsen sind Anreize für die Schaffung von Wohnraum spürbar.

Als Bürgermeister ist es mein Ziel, als Bindeglied dafür zu sorgen, dass ein Umfeld entsteht, das attraktiv auf Wohnraumanbieter wirkt. Dazu gehören: Verkehrswege, Infrastruktur und familienfreundliche Gestaltung mit Grünflächen und Spielplätzen.

Es muss ein Angebot für verschiedene Lebensentwürfe und -phasen geben: Einfamilienhäuser (im Eigenbesitz und auch für Vermietung) oder zentral gelegene, barrierefreie Wohnungen. Günstiger Wohnraum genauso wie gehobener Standard.

Auf diese Weise will ich Menschen, die bisher wegen fehlender Attraktivität von Wohnraum und Umfeld in unsere Stadt einpendeln, an Stadtallendorf binden.

Flächen und Gebäude, die in ihrer bisherigen Nutzung nicht mehr sinnvoll verwendbar sind, will ich mit Augenmaß aber ­ohne falsche Nostalgie in enger Abstimmung mit möglichen Anbietern von Wohnraum umgestalten oder durch Neubauten ersetzen lassen.

Leerstand und schleichender Verfall sind immer die schlechteste Verwendung. Bebauungspläne sind dementsprechend anzupassen.

Das Bauen selbst ist Sache der Investoren. Lenkung der Stadt(teil)entwicklung mache ich zur Chefsache.

Christian Somogyi (SPD): Mehrere Projekte sind angeschoben

Die Erhaltung und Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für alle Bevölkerungsschichten stellt für mich eine der wichtigsten sozialen Aufgaben dar.

Die zwei Säulen für eine nachhaltige Stadtentwicklung sind dabei die Schaffung von Wohnraum in Form von Eigenheimen und die Entwicklung eines modernen Mietwohnungsmarktes.

Aufgrund der dynamischen Entwicklung von Stadtallendorf verzeichnen wir mittlerweile auch einen hohen Zuspruch von jungen Menschen. Aufgrund von sozialverträglichen Grundstückskosten fanden alle städtischen Baugebiete einen sehr guten Absatz.

Mein erklärtes Ziel ist es, weitere kommunale Baugebiete zu entwickeln, um es vor allem jungen Familien zu ermöglichen, sich ein eigenes Heim zu schaffen. Wir arbeiten an der Entwicklung von sozialverträglichem Wohnraum in der Kernstadt und den Stadtteilen.

Es werden dadurch in den nächsten Jahren rund 160 kommunale Grundstücke zur Verfügung stehen. Dabei soll auch die Möglichkeit für andere Wohnformen wie Doppel- und Reihenhäuser oder auch den Mietwohnungsbau geschaffen werden.

Für die Schaffung von neuen Mietwohnungen habe ich das Gespräch mit regionalen Entwicklern, Investoren und der Wohnungswirtschaft gesucht. Es ist mir gelungen, Projekte in der Gießener Straße, Schmiedeweg und Niederkleiner Straße auf den Weg zu bringen.

In Abstimmung mit der Herrenwald-Wohnbau ist es geplant, sukzessive veraltete Wohnungsbestände zu erneuern.

Manfred Thierau (Bürgerunion Stadtallendorf): Vielfältiges Wohnangebot schaffen

Sowohl der demografische Wandel als auch die Attraktivität unserer Stadt bedingen einen dringenden Handlungsbedarf bei der Wohnraumversorgung.

Große Teile des Wohnungsbestandes unserer Stadt bestehen aus Mietwohnungen, welche hauptsächlich in den 60er-Jahren errichtet wurden.

Diese Wohnungen müssen den Ansprüchen und Bedürfnissen unserer Bürger angepasst werden. Die Zahl von Sozialwohnungen hat sich in den vergangenen 25 Jahren mehr als halbiert.

Zugleich wurden in Hessen, ähnlich wie in den übrigen Bundesländern, nur noch wenige neue Sozialwohnungen gebaut. Dies spiegelt sich natürlich auch im sozialen  Wohnungsbau Stadtallendorfs wider. Damit Wohnungen für Gering- und Einzelverdiener auch zukünftig ­bezahlbar bleiben, sind mit den Wohnungsbaugesellschaften und Investoren Verhandlungen zu führen, mit dem Ziel, weitere Wohnungen im sozialen Wohnungsbau zu schaffen.

Neben der Schaffung von Mietwohnungen ist jedoch auch eine weitere Ausweisung von Baugebieten sowie eine städtische Förderung von familienfreundlichen Baugebieten erforderlich. Jedem Interessenten, der sich in unserer Stadt niederlassen und bauen möchte, muss ein Bauplatz zur Verfügung stehen.

Ich trete daher für ein vielfältiges Wohnangebot in unserer Stadt mit einem weiteren Ausbau von bezahlbaren, behindertengerechten und seniorengerechten Wohnungen sowie dem betreuten Wohnen ein.

Peter Fuhrmann (parteilos): Mehr Baugrund anbieten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Den Wohnbaugesellschaften muss mehr Baugrund angeboten werden, damit diese in Neubauten investieren können.

Dabei könnten neue attraktive Wohnviertel entstehen. Durch steuerliche Anreize oder günstige Grundstückspreise wird der Wohnungsbau noch attraktiver. Denn ohne solche Anreize lägen die Mietpreise bei über zehn Euro je Quadratmeter.

Zugleich müssen Genehmigungszeiten reduziert werden und Vergabeverfahren beschleunigt und schnell umgesetzt werden. Bei bereits vorhandenen Objekten muss die Option der Aufstockung in Betracht gezogen werden.

Wohl wissend, dass dann weitere Auflagen wie beispielsweise Fluchtwege oder Brandschutzvorschriften beachtet werden müssen. Für Senioren, die alleine in großen Häusern wohnen, muss der Wechsel in altersgerechte Wohnungen attraktiver werden. Deren Häuser können vermietet werden. Durch die Mieteinnahmen kann der altersgerechte Wohnraum finanziert werden.

Bei der Grundstücksvergabe­ sollten dazu auch geplante Mehrgenerationenhäuser als Kriterium berücksichtigt werden. Durch bessere Anbindung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in die Stadtteile werden leerstehende Objekte auf den Dörfern attraktiver.

Mubarik Sabir (parteilos): Bürgermeister muss der Antrieb sein   

In Stadtallendorf herrscht seit einigen Jahren ein Mangel an Mietwohnungen. Dies ist längst kein Geheimnis mehr. Die Stadt Stadtallendorf muss nun endlich handeln und diese Angelegenheit muss jetzt „Chefsache“ werden.

Der Bürgermeister selbst muss nun als „Antrieb“ fungieren. Er muss sich gemeinsam mit den vorhandenen Wohnbaugesellschaften zusammensetzen und gemeinsam eine Lösung finden.

Außerdem müssen Rahmenbedingungen geschaffen werden, die einen schnellen und effizienten Bau von Mietwohnungen ermöglichen. Private Investoren sollten auch möglichst angeworben werden.

von Michael Rinde

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