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Wo die Hörls auch die Schmidsjobs sind

Sanierung und mehr Wo die Hörls auch die Schmidsjobs sind

Was gibt es in Mardorf schon zu sehen? Die Antwort ist einfach: Die ältesten Elisabeth-Malereien außerhalb Marburgs, das Geburtshaus von Bischof Prof. Dr. Dr. Eduard Schick und vieles mehr.

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Dagmar Stabenow-Kräuter (von links), Inge Eismann-Nolte, Otmar Schick, Peter Hörl und Karl-Heinz Kräling präsentieren die neuesten Projekte ihres Arbeitskreises.Foto: Florian Lerchbacher

Mardorf. Früher trieben die Landwirte ihre Kühe und Schweine ins Dorf und ließen es auf der Viehwaage wiegen. „In den 1980er Jahren setzte sich die Totvermarktung durch und das Wiegen der Tiere im Dorf wurde irgendwie überflüssig“, erklärt Dagmar Stabenow-Kräuter vom Arbeitskreis Dorfentwicklung. Im Jahr 1988 wog Rudi Schick, der letzte vereidigte Wiegemeister des Dorfs, ein letztes Tier, danach gammelte die alte Viehwaage vor sich hin.

Vielen Mardorfern war das alte Gebäude mit dem porösen Dach ein Dorn im Auge. Auf den letzten Metern der Dorferneuerung fiel den Mitgliedern des Arbeitskreises Dorfentwicklung jedoch auf, was für ein Kleinod die außergewöhnliche Kombination aus Backhaus und Viehwaage eigentlich ist, wie Inge Eismann-Nolte betont.

Und so nahmen sie, Stabenow-Kräuter, Otmar Schick, Peter Hörl und Karl-Heinz-Kräling sich des Projektes an und fassten den Plan, aus der Viehwaage einen Infopunkt für das Dorf zu machen. Vorbei war es daraufhin mit dem löchrigen Dach und dem maroden Zustand des Gebäudes: Nach gründlichen Renovierungsarbeiten erstrahlt das Häuschen nun in neuem Glanz und beherbergt Informationen - zum Beispiel über das Gemeenshaus und die Backhäuser, vor allem aber nunmehr über ganz Mardorf: Frisch aus der Druckerpresse kommt eine kompakte Zusammenfassung der Geschichte, eine Übersicht über 33 (von weitaus mehr) Einzeldenkmäler im Ortskern und Sehenswürdigkeiten wie die vier Bildstöcke aus dem Jahr 1712 oder die Kirche, die zum einen die letzte Ruhestätte des bekanntesten Mardorfers, Bischof Prof. Eduard Schick, ist und zum anderen die ältesten Elisabeth-Malereien beherbergt, die es außerhalb Marburgs zu bewundern gibt.

All diese Informationen haben die Arbeitskreis-Mitglieder auf einem handlichen Faltblatt zusammengefasst, dessen Hauptaugenmerk auf dem Rundgang durchs Dorf und den 33 Anlaufstellen liegt - darunter befinden sich zahlreiche Fachwerkhäuser (auch des Bischofs Geburtshaus), das Backhaus Oberdorf, der Wallgraben oder „de Herterej“, eine Ansiedlung von mehr als 20 Kleinhöfen.

„Was normal ist, ist für die Bürger irgendwann nicht mehr so wichtig - wir müssen sie wieder darauf stoßen“, sagt Kräling. „Wir wollen dafür sorgen, dass die historischen Dinge wieder ins Bewusstsein der Mardorfer rücken“, ergänzt Otmar Schick, dem besonders die Kirche am Herzen liegt. Die Geschichte ihres Turms reiche bis ins 13. Jahrhundert zurück, zu den histo-risch wertvollsten Kunstwerken gehörten die Kalksecco-Malereien, schwärmt er.

Die Karte liegt in der Viehwaage aus, die aufgrund ihrer neuen Funktion ab Samstag nur noch als ehemalige Viehwaage läuft: Ab 16 Uhr findet dann die Eröffnung des neuen Infopunktes statt. Für Leckereien sorgt die Backhausgemeinschaft. Gegen 19 Uhr geht das Fest in ein „gemütliches Beisammensein“ über, währenddessen die Mitglieder des Arbeitskreises auch über ein weiteres Projekt informieren: Sie streben an, möglichst viele Häuser mit „Dorfnamen“ zu versehen - die sich dann entweder auf die Bewohner oder eben auf ehemalige Bewohner beziehen.

So ziert das Heim der Hörls bald ein Acrylschild mit dem Aufdruck Schmidsjobs. Die Krälings sind die Johanns, die Schicks die Schetzes, die Eismänner heißen auch Juliusse und die Kräuters Diehls. Bei einigen Bürgern basiert der Dorfname auf dem Beruf der Vorfahren, bei anderen ist eine Ortsbezeichnung der Ursprung. „Bei manchen ist es auch nicht ganz eindeutig“, gibt Hörl zu. Insgesamt 146 Dorfnamen haben die Mardorfer bisher recherchiert - wie viele Bürger letztendlich bei dem Projekt mitmachen und ein Schild (oder mehrere) an ihrem Haus anbringen lassen, ist noch offen.

von Florian Lerchbacher

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