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Wo die Flegel noch knallen dürfen

Volkstanz- und Trachtengruppe Halsdorf Wo die Flegel noch knallen dürfen

Traditionelles mit Modernem verbinden ist das Ziel der Volkstanz- und Trachtengruppe Halsdorf. Der Grat ist schmal, doch es gelingt dem Verein, darauf zu wandeln.

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Else Strack, die erste Tanzleiterin der Halsdorfer Trachtengruppe tanzte mit Willi Bubenheim, dem ersten Vorsitzenden des Vereins, während der Dorfabend-Premiere im Jahr 1964.

Quelle: Privatfoto

Halsdorf. „Früher war es einfach schöner.“ Willi Schmitt aus Halsdorf hat eine klare Meinung, die er auch begründen kann: „Die Menschen halfen einander, ernteten gemeinsam, kamen viel öfters zusammen. Inzwischen lebt jeder für sich – das Fernsehen hat viele Menschen vereinsamt.“

Ein bisschen wie früher fühlt es sich an, wenn er mit den Mitgliedern der Volkstanz- und Trachtengruppe Halsdorf zusammenkommt, zu deren Gründungsmitgliedern der 70-Jährige gehört. „Wir sind ein familienfreundlicher Verein“, sagt Vorsitzende Heike Möller. Die jüngsten Tänzer seien 5 Jahre alt, die ältesten Mitte 60.

„Die Gruppe ist bunt gemischt: Es tanzen nicht nur Kinder oder Männer oder Frauen – wir tanzen zusammen.“ Bestes Beispiel sei die Familie Klein, die generationenübergreifend an den Auftritten in Tracht mitwirke: von der Oma über den Schwiegersohn bis zu den Enkelkindern.
Doch die Trachtengruppe zeigt nicht nur Tänze in Marburger Tracht (Frauen) und blauem Hessenkittel (Männer).

Sie führt auch Sketche auf, produziert Trachtenteile und stellt das Brauchtum dar – Willi Schmitt ist zum Beispiel Experte für das Dengeln von Sensen, mit dem er immer wieder Menschen begeistert. Gleichzeitig will der Verein aber auch modern sein: Mit Erfolg setzten dies einige unter anderem bei der vergangenen Prunksitzung um, als sie in Schwarzlicht einen Tanz mit Stoffhühnerpuppen zeigten.

50 Jahre ist es her, dass sich die Trachtengruppe aus der Reifen- und Gymnastikgruppe des Sportvereins entwickelte. Im März 1964 richtete sie dann den ersten Dorfabend in der Gaststätte Scheufler aus – eine Veranstaltung, die sie auch im Jubiläumsjahr wieder aufgreift.
Es folgten Auftritte bei Trachtenfesten im In- und Ausland, Reisen und vieles mehr.

Höhepunkt war für Schmitt die erste Teilnahme am Hessentag im Jahr 1964 in Kassel. Die Halsdorfer gestalteten einen Drescherwagen mit Windmühle. „Es knallte wunderbar, als wir zwischen den Hochhäusern droschen“, erinnert sich der 70-Jährige mit Freude an den Widerhall. Noch heute seien die Menschen begeistert, wenn die Halsdorfer die Feldarbeit nachstellten.

Sein Spezialgebiet ist das Dengeln von Sensen: „Es kam sogar schon vor, dass Menschen extra noch einmal nach Hause fuhren, um Sensen zu holen, damit ich sie schärfe.“Heike Möller erinnert sich an „zahlreiche Höhepunkte“, am liebsten aber an die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens, als rund 7.000 Besucher den stehenden Festzug in Halsdorf bewunderten.

160 Mitglieder zählt die Volkstanz- und Trachtengruppe inzwischen. Tiefpunkt war in den 1970er Jahren, als dem Verein der Nachwuchs fehlte. Kinder und Erwachsene seien inzwischen im Verein gut vertreten, bei den Jugendlichen laufe die Arbeit eher schleppend, berichtet Möller. Vor allem bei den Jungen gebe es einen Mangel: „Naja, für die ist es vielleicht uncool“, glaubt die Vorsitzende, betont aber, dass der Verein einiges unternehme, um „Cooles“ zu bieten.

Zum Beispiel habe die Tanzgruppe auch schon Auftritte zur Musik von Abba oder Michael Jackson gegeben. Sie orientiere sich am Motto „Altes erhalten, Neues gestalten“, ergänzt Möller. Auf „Altes“ verzichtet der Verein in diesem Jahr: Das traditionelle Kartoffelfest findet nicht statt, dafür richten die Trachtenträger am 17. März ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Wohratal einen Dorfabend aus, an dem sich die Halsdorfer Vereine beteiligen.

Neben einem Rückblick und Reden steht ein Sketch auf dem Programm, den Möller als Höhepunkt ankündigt.Die zweite Veranstaltung integriert die Gruppe in die Kirmes: In Absprache mit der Burschenschaft gestaltet sie den Kirmes-sonntag (12. August) als Trachtenfest mit Gottesdienst, Umzug und ein wenig Programm.

Die Trachtenkapelle Wohratal sorgt für die Musik. Zu Gast werden dann auch Trachtenträger aus Öcseny in Ungarn sein – einer Gruppe, zu der die Halsdorfer den meisten Kontakt pflegen.

von Florian Lerchbacher

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