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Ostkreis Wo die Berliner einst Urlaub machten
Landkreis Ostkreis Wo die Berliner einst Urlaub machten
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18:08 28.08.2017
Rundum nichts als Natur: Burgholz ist ein Dorf wie aus dem Bilderbuch. Alle Fotos: Matthias Mayer
Burgholz

Mit zwei Minuten Autofahrt zwischen Ortseingangs- und Ortsausgangsschild ist Burgholz nicht zu erfassen. Man muss sich auf das Bergdorf einlassen, um seinen Charakter zu erfassen. Der wird von der exponierten Lage 170 Meter hoch über dem Wohratal, der wunderschönen Umgebung, der luftigen Bebauung ohne enge und dunkle Gassen und natürlich von den rund 400 Burgholzer Bürgern bestimmt. Die laden vom 1. bis zum 3. September zu ihrer 700-Jahr-Feier ein.

Im Vorfeld des großen Festes zeigten Hermann Engst und Oliver Stahl von der Geschichts-AG der OP, was Burgholz an Besonderheiten zu bieten hat. Los geht es an Volperts Hof, der ältesten Hofstelle des Ortes. Der Lindenplatz ist schnell überquert. Links grüßt das schmucke Backhaus. Das musste in den 70er Jahren einem Bushäuschen weichen. Anfang der 90er wurde es nach den Originalplänen wiederaufgebaut, berichten die Heimathistoriker. Auch in Burgholz haben sich die Wertigkeiten verschoben.

Ziel Hunburgturm

Über die Wohratal-Straße geht es abwärts. Eine Überraschung am Straßenrand: Ein gepflegtes Ladenlokal. Lebensmittel, ­Haushalts- und Kurzwaren, Obst und Gemüse sind hier nach den Aufschriften in einem Schaufenster zu haben. Einkaufen kann man hier schon länger nicht mehr. Das letzte von einst drei Geschäften ist geschlossen. Das gilt auch für die benachbarte Sparkassen-Filiale. Und es ist lange her, dass sich der Bus der Raiffeisen-Bank die Serpentinen hoch nach Burgholz raufgequält hat.

Die OP-Begleiter biegen ab in Richtung Wald und steuern den Katharinabrunnen an. Dieser Brunnen war für diejenigen, die den Berg nachweislich 1200 Jahre lang besiedelten, lebensnotwendig - bis zum Jahr 1925. Dann erhielt Burgholz ein Wasserleitungsnetz. Der tägliche Gang zur Wasserstelle gehörte zum Dorfleben, sagt Hermann Engst. Wenn der Brunnen zu versiegen drohte, achtete die Obrig­keit darauf, dass nur alle zwei ­Tage Trinkwasser geholt wurde.

An dem Brunnen vorbei führt der Premium-Wanderweg Extratour Himmelsberg (der zu 75 Prozent durch die Gemarkung Burgholz führt) steil bergan. Das Besondere: Die Wanderer laufen auf der zugewachsenen äußeren Ringmauer der Hunburg, deren Besatzung schon um 800 den ­Katharinabrunnen als Trinkwasserquell nutzte. Weiter geht’s bis zum Hunburgturm. Vor 49 Jahren hat die Gemeinde des 28,5 Meter hohen Aussichtsturm durch den Emsdorfer Zimmermeister Walter Pfeiffer bauen lassen. Finanziert zum Teil durch die Preisgelder, die Burgholz durch die erfolgreiche Teilnahme bei Unser Dorf soll schöner werden gewann, wie Oliver Stahl erzählt.

Es fehlt ein kleines Baugebiet

Das geschah während der touristischen Blütezeit des Dorfes. Busweise wurden Berliner Familien in den Ferien nach Burgholz gebracht. Mallorca war damals noch unerreichbar. In den 70er-Jahren ebbte der Strom ab. Geblieben sind zwei touristische Einrichtungen: Das Hotel und Restaurant am Turm und die Pension der Familie ­Estor, die himmlische Betten zu günstigen Preisen verspricht.

Unweit der Kirche spricht ein älterer Anwohner Hermann Engst an. Der Mann sorgt sich, dass der Platz auf seinem Grundstück am Festsonntag für die vorgesehenen Stände nicht ausreichen könnte. Der Angesprochene freut sich über das Mitdenken und das wachsende Engagement der Burgholzer für ihr Fest. „Häuser wurden gestrichen, Zäune erneuert, Mitarbeit angeboten. Die Menschen identifizieren sich mit dem Dorf. Es soll zum Fest glänzen“, sagt Herman Engst, der von wellenartigen Aktivitäten spricht: Die gab’s während der Dorf-Wettbewerbe, der Dorferneuerung und jetzt vor dem Fest.

Während der Dorferneuerung wurden Kernsanierung und Erweiterung des Dorfgemeinschaftshaus fast zu 100 Prozent durch Eigenleistung und Landeszuschüsse finanziert. Oliver Stahl rekapituliert andere Eigenleistungs-Projekte: Spritzenhaus, Backhaus, Gefrierhaus, Schutzhütte - und private Eigenleistungen zum Erhalt der gepflegten Häuser.

Was fehlt, ist ein kleines Baugebiet. Herman Engst nennt auf Anhieb drei Familien, die mangels Baumöglichkeit ihr Dorf verlassen haben. Das Kirchhainer Rathaus liest mit?

von Matthias Mayer