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Ostkreis Wo das Buch noch stark gefragt ist
Landkreis Ostkreis Wo das Buch noch stark gefragt ist
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17:44 26.05.2017
Dagmar Hanser-Staudt liest Kindern in der Bibliothek aus einer Kinderbibel vor. Quelle: Matthias Mayer
Großseelheim

Die Erzieherin liest die spannende biblische Geschichte von Davids Kampf gegen Goliath aus einer Kinderbibel vor. Die Bibliothek besteht seit fünf Jahren. Dieses kleine Jubiläum wurde mit einer Aktionswoche gefeiert. Eine Ausstellung mit 42 Kinderbibeln gehört dazu.

Dagmar Hanser-Staudt ist die Initiatorin des Projekts. Es habe schon vorher viele Bilderbücher in der Einrichtung gegeben – aber ohne festen Raum und ohne eine Ordnung. Zunächst habe sie die Bücher nach Themen sortiert und dann den Montag als Ausleihtag eingeführt, erzählt die Kleinseelheimerin. Aber selbstverständlich wird die Bibliothek auch an den anderen Wochentagen genutzt. In Großseelheim haben die Kita-Kinder außerhalb ihrer festgelegten Gruppenstunden die Gelegenheit, sich in verschiedene Angebote einzuwählen. Die Vorlesezeiten in der Bibliothek gehören dazu. Dabei wird Dagmar Hanser-Staudt von drei Lesepaten unterstützt.

Lohnt der große Aufwand überhaupt? Hat das Buch im unüberschaubar großen multimedialen Angebot für Kinder heute noch eine Chance? Die Initiatorin beantwortet beide Fragen mit einem entschiedenen „Ja“. Und sie belegt dieses „Ja“ mit eindrucksvollen Zahlen. 1084 eigene Bücher hat die Bibliothek im Bestand. 1464 Bücher wurden im vergangenen Jahr ausgeliehen. Der Bedarf nach neuen Büchern ist so groß, dass der Verband der Büchereien in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck regelmäßig Bücherkisten an die Großseelheimer Kita ausleiht. Ein eigener Etat erlaubt jährlich Neuanschaffungen. Eltern spenden die Kinderbücher, aus denen ihre Kinder „herausgewachsen“ sind.

Unschätzbarer Wert für Entwicklung der Kinder

„Alle Kinder, vom Kleinstkind bis zum Schulanfänger, kommen in die Bibliothek und finden hier passende Bücher. An den Ausleihtagen kommen viele Kinder, die genau wissen, was sie möchten. Sie suchen gezielt Titel aus,“ sagt Dagmar Hanser-Staudt.

Die Pädagogin sieht im Vorlesen und im Umgang mit Büchern einen für die Entwicklung der Kinder unschätzbaren Wert. „Für die Sprachanbahnung der Kleinen ist das Vorlesen ganz wichtig. Die Großen erkennen beim Vorlesen die Zusammenhänge. Und das Vorlesen hilft immer, eine Gruppe zu beruhigen.

Überflüssig zu sagen, dass die Kita-Bibliothekarin auch im Privatleben eine große Nähe zu Büchern hat und gern selbst vorliest. Und dass die Kita-Bibliothek für sie eine Herzensangelegenheit ist, versteht sich auch von selbst.

Allerdings wird sie sich in absehbarer Zeit von ihrer Herzensangelegenheit trennen müssen. Der Ruhestand naht. Beim Sommerfest im Juli wird Dagmar Hanser-Staudt offiziell verabschiedet.

Trost für sie und die jungen Bücherwürmer: Die Nachfolge ist geregelt. Diana Badouin übernimmt die wichtige Aufgabe und sorgt künftig für viele schöne Vorlese-Momente.

von Matthias Mayer