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Ostkreis "Wir wollen einfach Ruhe"
Landkreis Ostkreis "Wir wollen einfach Ruhe"
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21:21 23.11.2015
Der Waldweg, der befestigt und als Fußgängerweg genutzt werden soll, geht in den Schmiedeweg über. Quelle: Michael Rinde
Stadtallendorf

Es gibt Sorgen und Ängste unter Bewohnern der Rohrbornsiedlung. Das wurde Montagabend bei der Gründungsversammlung einer Bürgerinitiative deutlich. Etwa 60 Besucher kamen, die große Mehrheit aus der Siedlung, außerdem zahlreiche Stadtverordnete, die selbst hören wollten, worum es geht.

Die Idee für eine Bürgerinitiative kam von Hannelore Schneider, selbst bis vor einigen Monaten Stadtverordnete. Schneider betonte den unpolitischen Charakter ihres Anstoßes zur Gründung einer Bürgerinitiative. Sorge gibt es wegen der Planung von Land und Bund. Flüchtlinge, die in der künftigen Erstaufnahmeeinrichtung in der Hessen-Kaserne wohnen, sollen über einen Waldweg in den Schmiedeweg geführt werden (die OP berichtete).

Artilleriestraße zu gefährlich für Fußgänger

Dazu soll der Waldweg befestigt und beleuchtet werden, die Flüchtlinge sollen vorher die Panzerstraße über eine Brücke überqueren. Der Grund: Die Bundeswehr möchte, dass in Zukunft keine Flüchtlinge mehr die Artilleriestraße nutzen, die von Militärfahrzeugen befahren wird. Darin wird ein erhöhtes Risiko für die Menschen, die zu Fuß unterwegs sind, gesehen, zumal der Schwerverkehr bei der Truppe wieder zunehmen wird.

Aktuell leben knapp 500 Flüchtlinge im Zeltcamp. Sie sollen in der 50. Kalenderwoche umziehen können. Das Land will perspektivisch 1200 Menschen in Gebäuden der Hessen-Kaserne unterbringen. Hannelore Schneider äußerte die Befürchtung, dass Schmiedeweg und Rohrborn zum Nadelöhr werden könnten.

Bürgerinitiative als "Gesundheitsfürsorge"

Was eine Bürgerinitiative unternehmen könnte, ließ Schneider offen. Ihr ging es um einen ersten Austausch. Diese Bürgerinitiative sei quasi als „Gesundheitsvorsorge“ gedacht, da sich gerade ältere Menschen im Rohrborn sehr aufregten, so Schneider. Zu einem späteren Zeitpunkt formulierte sie es während der Veranstaltung anders: „Wir möchten einfach Ruhe haben.“

Es gab zahlreiche Wortmeldungen. Ein Besucher hatte am Montag die Zahl der Bundeswehr-Fahrzeuge an der Kaserne gezählt, es waren nur einzelne innerhalb einer halben Stunde. „In der Stadt fahren täglich Hunderte Lkw, das Risiko ist dort viel, viel höher für Fußgänger“, argumentierte er. Als „Geldverschwendung“ wurden die Planungen des Landes für Fußgängerbrücke und Wegebau bezeichnet.

Hannelore Schneider und andere Besucher riefen dazu auf, am Dienstagabend bei der Informationsveranstaltung Fragen an die Vertreter des Landes zu stellen, die auf dem Podium sitzen; etwa, ob Alternativen für die Wegeführung geprüft wurden, wie die Einrichtung von Pendelbussen.

  • Die Informationsveranstaltung beginnt am Dienstag, 24. November, um 19 Uhr in der Stadthalle Stadtallendorf.

von Michael Rinde