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Windkraft treibt niemand auf die Palme

Rauschenberg Windkraft treibt niemand auf die Palme

Im Dautphetaler Ortsteil Holzhausen löst das Thema Windkraft derzeit prärevolutionäre Zustände aus. Bei einem Infoabend in Ernsthausen wurde das Thema lebhaft, aber sachlich diskutiert.

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Rund 150 Bürgerinnen und Bürger verfolgten den Info-Abend zum Thema Windenergie im Ernsthäuser Storchennest.

Quelle: Matthias Mayer

Ernsthausen. Rauschenberg. Die Stadt Rauschenberg hatte zum, so Bürgermeister Manfred Barth, ersten von mehreren Infoabenden in das Gemeinschaftshaus Storchennest eingeladen, das rund 150 Bürgerinnen und Bürger fast vollständig füllten. Aus Furcht vor einem halbleeren Saal hatten die gastgebenden Ernsthäuser die Stuhlreihen zunächst sehr luftig gestellt. Dann war der Andrang aber so groß, dass mehrfach zusätzliche Stühle geholt werden mussten. Barth skizzierte den Aufgabenkatalog, den das Stadtparlament dem Magistrat zum Thema Windkraft mit auf den Weg gegeben hat:

Konzentration auf den Windkraftstandort im Stadtwald in der Nähe von Sindersfeld, wo bis zu vier Windräder aufgestellt werden können.

Die Ausarbeitung von Alternativen zu den üblichen Angeboten von Projektentwicklern.

Zusammenarbeit mit örtlichen Partnern.

Sicherung der Wertschöpfung für die Region durch Bürgerwindpark und Genossenschaftsmodell.

Keine Windräder auf dem Sosenberg.

Vorerst keine Erweiterung des Rauschenberger Windparks "Auf der Hecke" zwischen Ernsthausen und Josbach.

Keine Zustimmung zu dem privaten Windpark-Projekt zwischen Ernsthausen, Burgholz und Wolferode ohne Bürgerbeteiligung.

Frühzeitige Bürgerbeteiligung. 

Zusammenarbeit mit Hessen-Forst bei der Entwicklung von Windparks im Staatsforst.

Barth unterstrich den Willen der Stadt, die Wertschöpfung aus dem zweiten Rauschenberger Windpark in der Region zu halten. Das lasse sich mit dem Planungsbüro, dass seine Dienste als Projektierer angeboten hatte, nicht verwirklichen. Der Vertragsentwurf des Büros setzte für Bürgerbeteiligung und Genossenschaftsgründung realitätsferne Fristen von nur wenigen Tagen, und schließe diese daher aus.

Modelle zu einer funktionierenden Bürgerbeteiligung mit kleinen und großen Beträgen stellte Helmut Euler vor. Der Vorstandsvorsitzende der VR-Bank Mittelhessen, die Finanzpartner der Rauschenberger Bionergiedörfer Josbach und Schwabendorf ist, verwies auf den Bürgerwindpark der Stadt Ulrichstein, der aus der Stadt finanziert worden sei und gute Rendite erwirtschafte. Für vier große Windräder im Rauschenberger Stadtwald seien rund vier Millionen Euro Eigenkapital notwendig, aufzubringen durch stimmberechtigte Kommanditisten mit einem Kapitaleinsatz von mindestens 25.000 Euro und durch Genossenschaftsmitglieder mit wesentlich niedrigeren Anteilen.

Thomas Brandherm von den Stadtwerken Marburg warnte vor überzogenen Renditeerwartungen. Wenn ein Windrad durchschnittlich 50 Prozent seiner maximal möglichen Leistung erbringe, sei dies in unserer windarmen Region ein guter Wert. Zugleich verwies er auf die langen Vorlaufzeiten für die Verwirklichung eines solchen Projekts. Vom Grundsatzbeschluss bis zur Fertigstellung vergingen mindestens 28 Monate, erklärte der Diplom-Ingenieur. Die Aussprache der Bürger verlief in sachlichen Bahnen. Ein Kernstadt-Bewohner kritisierte das von der Stadt favorisierte Gebiet im Stadtwald. Auch wenn die Standorte mindestens 1.500 Meter vom westlichen Stadtrand entfernt lägen, würden die Windräder zu Wertminderung der Häuser am Hang rund um das Freibad führen, kritisierte er.

Ein Bürger aus Ernsthausen erklärte hingegen, dass ihn die Windräder "Auf der Hecke" vor seiner Haustür nicht störten. Er habe sich längst an sie gewöhnt. Eine Bürgerin aus der Kernstadt erklärte, dass etwaige Geräuschbelästigungen und Schattenwurf durch die Windräder vorher genau untersucht werden müssten. Das geschehe ohnehin, da das Genehmigungsverfahren für einen Windpark nach den Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes ablaufe - mit Offenlegung der Planung und Anhörung aller Bürger und Institutionen, die Einwände gegen das Vorhaben vorgebracht haben, erklärte Dr. Norbert Clement, Fachdienstleister Erneuerbare Energien beim Landkreis.

von Matthias Mayer

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