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Ostkreis Ein wenig Profit für alle
Landkreis Ostkreis Ein wenig Profit für alle
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00:17 24.06.2018
Zwei Windräder des Rauschenberger Windparks wachsen scheinbar aus den Betziesdorfer Dächern heraus. Von dem Windpark sollen die Rauschenberger Bürger künftig über die Grundsteuer profitieren. Das beschloss das Stadtparlament. Quelle: Matthias Mayer
Rauschenberg

Die der Stadtverordnetensitzung vorgeschaltete Bürgerversammlung zur Bürgerbeteiligung an dem neuen Windpark zeigte, dass dieses Thema nicht zu den dringlichsten in der Stadt gehört. Nur 30 Besucher waren der Einladung von Stadtverordnetenvorsteher Norbert Ruhl in die Kratz’sche Scheune gefolgt – darunter zahlreiche Kommunalpolitiker.

Hans-Hermann Zacharias, Bereichsleiter Erneuerbare ­Energie der Firma Krug Energie, ­nutzte die Gelegenheit, den Werdegang des Windparks sowie die drei erarbeiteten Beteiligungsvarianten vorzustellen.

Detailliert schilderte er, dass ein verlassener Uhu-Horst im geplanten Windpark-Gebiet Neuplanungen notwendig machte, die die Fertigstellung der fünf Anlagen mit einem Finanzvolumen von 27,5 Millionen Euro um rund ein Jahr hinausschob. Dadurch sei man bei der Einspeisevergütung von einstmals berechneten 8,7 Cent pro Kilowattstunde auf real noch 8,06 Cent gefallen, was ­eine Verschlechterung von rund 7 Prozent darstelle. So sei aus ­einem angedachten guten Investment eine eher schwache Investition mit rund 3,5 Prozent ­Rendite geworden.

Zacharias wies darauf hin, dass erst nach Ablauf der Abschreibungen in 16 Jahren richtig Geld verdient werden könne. Wenn die projektierte und vom Hersteller garantierte Laufzeit von 20 Jahren überschritten werde, blieben trotz hoher ­Wartungskosten die Gewinnaussichten gut.

Stadt will Risiko nicht eingehen

Die Prognosen über die Winderträge seien im 4. Quartal 2017 und 1. Quartal 2018 ziemlich genau eingetroffen, die Verluste von 571 000 und 559 000 Euro im erwarteten Korridor.

Für Variante 1, die Über­nahme eines Windrads, müsse eine ­Genossenschaft gegründet werden, die den gesetzlichen Bestimmungen mit vielen Vertragsabschlüssen und Prüfungen genügen müsse. Zudem müsste zusätzliches Eigenkapital von rund 1,5 Millionen Euro beschafft werden. Erst ab 2033 sei dann mit guten Gewinnen zu rechnen.

Die Variante 2 sieht eine Bürgerbeteiligung mittels Banksparbrief vor. In Rauschenberg, Himmelsberg und Sindersfeld lebende Bürger können sich danach mit maximal 5 000 Euro ohne Verlustrisiko beteiligen. Die Laufzeit des Briefs beträgt 5 Jahre. In Variante 3 bekäme die Stadt Rauschenberg 5 Jahre lang je 25 000 Euro ausbezahlt, was den Kosten des Sparbriefs entspreche, und könnte damit die Grundsteuer senken.

Für diese Variante zur Entlastung entschieden sich die Stadtverordneten letztlich einstimmig. Dazu veränderten sie auf Intervention von Bürgermeister Michael Emmerich den Text der Beschlussvorlage. Jetzt heißt es: „Dieser Betrag 25 000 Euro wird auf die Grundsteuer angerechnet.“ Die zuvor genannte „Verpflichtung“ könne die Stadt ­wegen der nicht vorhersehbaren Haushaltsentwicklungen nicht eingehen.

von Heinz-Dieter Henkel
 und Matthias Mayer