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Ostkreis Wind meidet Wohratal
Landkreis Ostkreis Wind meidet Wohratal
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06:16 28.04.2012
Ökostrom gibt‘s in Wohratal an dieser „Tankstelle“. Erzeugt wird er in der Gemeinde wohl auch künftig nicht. Quelle: Matthias Mayer
Wohratal

Die Sitzung stand ganz im Zeichen des Themas Windkraft, und vermutlich waren deshalb die Zuhörer für Wohrataler Verhältnisse so ungewöhnlich zahlreich ins Bürgerhaus geströmt. Nach der OP-Berichterstattung zum sich abzeichnenden Aus für den Wohraer Windkraft-Standort Mönchswald wurde schon vor Beginn der Sitzung in der „Halsdorfer Ecke“ darüber gelästert, dass die Milane, Kraniche und Störche nur über die Gemarkung Wohra fliegen, den Halsdorfer Luftraum aber hartnäckig meiden. Am Ende des Abends erübrigten sich diese Gedanken. Es stand fest, dass es auch in der Gemarkung Halsdorf kein Windrad geben wird.

Bürgermeister Peter Hartmann (parteiunabhängig) erläuterte, dass die mittelhessische Windkraft-Potenzialkarte für Wohratal 55 mögliche Windrad-Standorte aufgezeigt habe. Von diesen 55 Standorten seien letztlich zwei übriggeblieben, wobei der Standort Mönchswald nach einer Analyse des Wohratalers Kooperationspartners Stadtwerke Marburg gerade noch ein rentierliches Windaufkommen biete. Der zweite Standort liege zwischen Halsdorf und Josbach. Wegen der Abstandsfrist von 1000 Metern zu bewohnten Gebäuden müssten dort jedoch alle Windräder in der Gemarkung Josbach gebaut werden. Dies gehe nicht ohne Einverständnis der Josbacher Bevölkerung, stellte Hartmann klar. Außerdem fehle für dieses Gebiet noch die nötige Windanalyse.

Thomas Brandherm von den Stadtwerken Marburg musste sich keine große Mühe geben, um den Wohratalern etwaige Windkraft-Ambitionen auszureden. Ein Windrad für ein Leichtwind-Gebiet wie Wohratal koste inklusive Nebenkosten vier Millionen Euro, bei einer Lieferzeit von zwei Jahren und einer Entwicklungszeit von der Planung bis zur Fertigstellung von drei Jahren. Schon die Planung für die möglichen fünf Windräder erfordere Risiko-Kapital, denn im FFH-Gebiet Mönchswald mit seiner Vogelschutz-Problematik sei die Entwicklung eines Windparks höchst aufwändig und mit Blick auf das Ziel sehr unsicher. Der Standort stehe für ein hohes Planungsrisiko, dass er nicht mit gutem Gewissen empfehlen könne, erklärte der Fachmann, der mit Blick auf den vom Windaufkommen her noch schwächeren Josbacher Standort bekannte: „Wohratal ist mit Wind nicht gesegnet.“

Die Gemeinde müsse nicht mit Gewalt aus Prestigegründen ein Windrad bauen, bewertete Bürgermeister Hartmann den Vortrag. Er riet dazu, das Projekt Mönchswald aufzugeben, den Standort Halsdorf-Josbach nur bei einer positiven Reaktion aus Josbach und bei einem positiven Ergebnis der Wind-Analyse zu verfolgen. Sollte auch dieser Standort nicht realisierbar sein, solle die Gemeinden Möglichkeiten einer Zusammenarbeit mit der Stadt Rauschenberg prüfen, die in ihrem Stadtwald zwischen der Kernstadt und Sindersfeld in interkommunaler Zusammenarbeit einen Windpark bauen möchte.

Das Parlament stimmte allen drei Vorschlägen ohne Gegenstimme zu; allein die Überlegung, jenseits der Gemeindegrenzen mir Rauschenberg zu kooperieren, fand unter den zwölf Gemeindevertretern bei fünf Enthaltungen keine breite Zustimmung.

Dabei ist Wohratal der Stadt Rauschenberg als Kooperationspartner willkommen. „Es ist grundsätzlich nicht unvernünftig, gemeinsam mit Wohratal etwas zu machen“, sagte Rauschenbergs Bürgermeister Manfred Barth (parteilos). Die Neufassung der HGO lasse interkommunale Zusammenarbeit bei der Entwicklung erneuerbarer Energien zu, erklärte Barth.

von Matthias Mayer

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