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Auf der Suche nach der Fußballseele

Wigald Boning und Eike Immel Auf der Suche nach der Fußballseele

Im Herrenwaldstadion gab es am Dienstagabend besondere Gäste: Wigald Boning und ein TV-Team. Sie drehten Szenen mit Eike Immel, dem früheren Nationaltorhüter.

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Umringt von Kameras diskutierten Wigald Boning (von links), Wolfgang Schratz und Eike Immel über die Fußballseele.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Zwei Stunden vor Spielbeginn: Zwei Männer unterhalten sich intensiv, sie scheinen am Stadionrand spazieren zu gehen. Dabei umkreist sie eine kleine Drohne, fliegt auch mal nahe an sie heran. Es sind der Moderator, Komiker und Musiker Wigald Boning und Eike Immel, der ehemalige Nationaltorhüter und Heimkehrer nach Stadtallendorf.

Boning dreht für den Sender „History“ an der Dokumentation „Deutschland – Deine Fußballseele“. Eine Sequenz darin dreht sich um Immel, sein Auf und Ab im Leben und die Hilfe, die er bei seiner Rückkehr nach Stadtallendorf von der Eintracht-Familie bekommen hat. Vor der Würstchenbude vertiefen sich Boning, Immel und Wolfgang Schratz in ein Gespräch, umringt von mehreren Kameras, fast auf Tuchfühlung. Trotzdem bleibt alles authentisch, wirkt unverkrampft. So hat Eike Immel den ganzen Drehtag auch empfunden, locker und ungezwungen.

Ein Fußball-Idol aus Jugendtagen

Für Wigald Boning ist Immel ein Fußball-Idol seiner Jugend. Fußball selbst ist ein Elixier für den Sportbegeisterten, der in Deutschland auf ganz unterschiedlichen Wegen populär geworden ist, als Teil der Band „Die Doofen“ zum Beispiel oder in Fernsehreihen wie „Nicht nachmachen“ im ZDF vor einigen Jahren. Sein Fußballerherz schlägt übrigens für Werder Bremen, auch schon seit Jahrzehnten.

Während der Dreharbeiten machte das Team von „History“ im Weserstadion Station oder gestern in Koblenz. Dort besuchte Boning die Flüchtlingsmannschaft von TuS International Koblenz mit dem 91-jährigen Trainer Rudi Gutendorf, dem Mann mit nationalen und internationalen 54 Trainerstationen. Es geht schließlich um Menschen, deren Lebensgeschichte eng mit dem Fußball verbunden ist. Schließlich ist Moderator Boning auf der Suche nach der Fußballseele.

In Kontakt zur alten Fußball-Heimat

Das Endergebnis ließ der 51-Jährige am Dienstagabend offen. Wie passt Eike Immel in das Konzept der Dokumentation? „Eike Immel ist ein Mensch, der früh Träume verwirklicht hat – und auch den ein oder oder anderen Albtraum“. Eike Immel hat in den zurückliegenden Monaten in Stadtallendorf, seiner Heimat, eine schwere Lebenskrise überwunden.

Geholfen hat ihm sein Heimatverein, die Eintracht. Er erinnert sich noch gut an das erste Gespräch mit Wolfgang Schratz. Auslöser dafür war ein Bericht in einer Boulevard-Zeitung über Immels damalige Lebenssituation, ein Bericht, in dem aus Immels Sicht vieles nicht gestimmt habe. Im Nachhinein war das aus seiner Sicht aber ein Glücksfall, kam so doch der Kontakt zur alten Fußball-Heimat wieder zustande.

In Stadtallendorf zur Ruhe gekommen

„Es war vorher eine schlimme Zeit. Ich war krank und ich war orientierungslos“, sagt Immel selbst. In Stadtallendorf sei er zur Ruhe gekommen. Das half ihm letztlich, aus der Krise herauszukommen. Immer wieder erwähnt Immel im Gespräch mit der OP seinen Heimatverein. Er habe nicht gedacht, dass er noch einmal hierher zurückkommen werde, meint Immel. Wieder weg will er nun nicht mehr.

Wigald Boning, Immel und Schratz verbringen einige Zeit am Würstchenstand. Hinter der Theke stehen unter anderem Waltraud und Renate Sander, Doris Jarosch und Anette Schlick. Ein Fan der Eintracht geht vorbei. „Schön, dass die auch mal für ihre Arbeit gewürdigt werden“, sagt er im Vorübergehen.

Lob für „ganz außergewöhnlichen Verein“

Boning selbst ist voll des Lobes über den Verein und seine Arbeit und besonders das, was sie für Eike Immel getan hätten. „Ein ganz außergewöhnlicher Verein mit Menschen, die Eike Immel geholfen haben.“

Boning lobt gegenüber der OP das Miteinander und das Engagement der vielen Helfer am Spielfeldrand. „Und es gibt auch eine sehr gute Bratwurst hier“, schiebt er noch nach.

Auf die Frage, ob er zumindest für sich persönlich die Fußballseele schon gefunden hat, wird Wigald Boning etwas emotionaler im Gespräch. So etwa wie dieser Verein, die Eintracht, es lebe, das sei bestimmt ein Teil der Seele des Fußballs. Es gehe um die Liebe zu diesem Spiel und das Gemeinschaftserlebnis. Und das, was er in Stadtallendorf gesehen habe, das berühre ihn.

10-Kilometer-Lauf vor dem Frühstück

Wigald Boning ist nicht nur in der passiven Rolle sportbegeistert. Seit Kindertagen treibt er selbst Sport. Sport ist für ihn unentbehrlich. „Nach zwei Tagen ohne Sport bekomme ich unangenehme Laune“. Um so froher ist Boning am Dienstagabend, dass er in der Nacht zuvor im Hotel in Köln nicht gut geschlafen hat. „So war ich um vier Uhr wach und konnte noch vor dem Frühstück zehn Kilometer laufen“.

In diesem Jahr plant der Ausdauersportler, bei der Laufveranstaltung "Harzquerung" dabei zu sein. Von 100-Kilometer-Läufen wie früher ist er abgekommen. Schließlich müsse er in seinem Alter auch auf die Verletzungsgefahr achten.

Eike Immel steht währenddessen an der Tribüne. Bei der Frage, ob er denn schon die Fußballseele gefunden habe, dreht er sich Richtung Rasen um. „Das hier, das ist die Seele des Fußballs, fern von Millionentransfers und allem“, weist er in Richtung Spielfeld und Haupttribüne. Auf dem Rasen machen sich derweil die Spieler der Eintracht und der Gäste des 1. FC Saarbrücken warm.

Immel hofft, dass es an diesem Abend vielleicht doch noch für eine kleine Sensation reicht. Ein Punkt, das wäre schon etwas.

Wie bekannt kam es anders, die Eintracht unterlag dem Tabellenführer mit 0:3.

von Michael Rinde

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