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Ostkreis Wiegand macht halbes Dutzend voll
Landkreis Ostkreis Wiegand macht halbes Dutzend voll
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19:29 27.04.2017
„Hessenhenker“ Rainer Wiegand präsentiert sein Wahlkampf-Motto. Quelle: Privatfoto
Stadtallendorf

Einen Monat lang druckste er rum, deutete immer wieder an, unter Umständen in Stadtallendorf zur Bürgermeisterwahl anzutreten. Nun hat sich Rainer Wiegand entschlossen: Er will dabei sein und nach Marburg (0,2 Prozent) und Amöneburg (1,89 Prozent) zum dritten Mal innerhalb der vergangenen zwei Jahre als Kandidat auftreten. Wie schon im März in der Stadt auf dem Berg unter der Flagge der Anarchistischen Pogo-Partei. Er habe beim Besuch Stadtallendorfs gemerkt, dass er „nicht unauffällig durch die Fußgängerzone gehen kann“, ohne angesprochen zu werden. Er sei doch der Hessenhenker - und auch „mit ohne Zylinder“ als solcher erkennbar. Das modische Accessoire hatte der 59-Jährige während des OP-Wahlforums getragen und zu seinem Markenzeichen gemacht.

„Größtmögliche Bürgerferne“ als Versprechen

Er habe nette Gespräche mit Bürgern geführt - und sich spontan von selbigen Unterschriften geben lassen. Die notwendigen 74 Unterschriften habe er noch nicht, aber er sei sich sicher, den Wert bis zur Frist Mitte Juli problemlos zu erreichen, so Wiegand. Auch Kandidat Mubarik Sabir hat bisher die Liste mit den Unterstützern nicht abgegeben. Das werde er in der kommenden Woche erledigen, erklärt er auf Anfrage dieser Zeitung und betont, die 74 erreicht zu haben.

Der selbsternannte Satiriker und Verfasser des vor skurrilen Ideen und Provokationen nur so strotzenden Blogs „Hessenhenker“ (den Wiegand selbst als Kunst, die nicht jeder versteht, bezeichnet) jedenfalls macht da weiter, wo er bei der Wahl in Amöneburg aufgehört hatte: Mit mal mehr, mal weniger unterhaltsamen Sprüchen, Provokationen und dann doch auch Ansätzen für sein Wahlprogramm - das einige Scherze mit teilweise ernsthaftem Hintergrund enthält.

So stellt er in Anlehnung an eine Leckerei aus der Stadt seine Kampagne unter das Motto „Stadtallendorf mon chéri“ (Stadtallendorf, mein Schatz). Ein Großteil der Menschen in Marburg-Biedenkopf „weiß, dass Stadtallendorf sein Schatz ist“, betont Wiegand und fragt: „Denn womit sind im halben Landkreis die Straßen gepflastert?“ Die Antwort gibt er natürlich selber: „Mit den Steuergeldern aus Stadtallendorfer Produkten, wie eine alte oberhessische Weisheit lautet.“

Das Motto dürfte aber auch eine Anspielung auf seinen Schatz - seine Verlobte in Thailand - sein, der „die Politik (...) kein Besuchsvisum geben will“.

Und dann geht er direkt noch ein auf Manfred Thierau, Mitbegründer der Bürgerunion und einst Mitglied der Stadtverordnetenversammlung für die Republikaner. Während dieser Bürgernähe versprochen habe, werde er größtmögliche Bürgerferne zeigen: „In dem Sinne, dass ich den Bürgern als Bürgermeister nicht mit Windrädern in den Vorgarten anrücke und ihnen auch sonst nicht mit unnötigen Projekten auf die Nerven gehen werde.“

Noch dazu möchte er ein „Referendum“ starten, mit dem er sich gegen die in Hessens Verfassung noch stehende Todesstrafe richte (die allerdings nicht mehr gilt, da sie bundesweit durch das Grundgesetz abgeschafft wurde).

Zur Wahl

Mit Wiegand wächst die Zahl der Kandidaten auf sechs an. Außerdem treten an: Amtsinhaber Christian Somogyi (SPD), Jürgen Berkei (CDU), Manfred Thierau (BUS), Mubarik Sabir und Peter Fuhrmann (beide parteilos). Der erste Wahlgang findet am 24. September statt, eine mögliche Stichwahl ist für den 22. Oktober geplant. Bewerbungsschluss für Kandidaten ist am 17. Juli, 18 Uhr. Somogyis Amtszeit endet am 14. März 2018.

von Florian Lerchbacher

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