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Ostkreis Wie eine Reise in die Vergangenheit
Landkreis Ostkreis Wie eine Reise in die Vergangenheit
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17:49 05.06.2017
Lara (3 Jahre) bekam mit Opa Manfred Eichhöfer einen Einblick in die Funktionsweise der Mühle. Quelle: Thorsten Richter
Amöneburg

Geduld ist gefragt auf dem Gelände der Brücker Mühle, denn es geht langsam und gemütlich zu. Was aber auch kein Wunder ist, denn es gibt unglaublich viel und vor allem spannende Dinge zu sehen.

Schon vor der Brücke, die zu dem seit 1248 arbeitenden Kultur- und Industriedenkmal führt, wartet auf die Besucher ein Kunst- und Pflanzmarkt mit einem hochwertigen Angebot. Zudem gibt es natürlich jede Menge Essen und Getränke, der Arbeitskreis Asyl stellt sich vor - ebenso wie der Brücker Verein, der im Hof Informationen über sich und seine Veranstaltungen bereithält. Auch hinter der Mühle gibt es unterschiedliche Stände, doch die Attraktion schlechthin ist natürlich die historische Technik, die die Besucher staunen lässt.

„Museum zum Anfassen“ begeistert auch die Kinder

Als „Museum zum Anfassen und Erleben“, bezeichnet Kerstin Liehr die Anlage, zu der sie gemeinsam mit Michael Klawe und ihren Kindern Helena und Alexander aus Ober-Ohmen gekommen ist. Ihr Sohn habe das Thema Strom in der Schule behandelt. Allerdings sei die Herstellung von Strom mittels Wasserkraft dabei etwas zu kurz gekommen, daher habe sich ein Besuch der Mühle angeboten. Noch dazu wolle sie als Anhängerin der erneuerbaren Energien ihren Kindern schon früh die Alternativen zur Atomkraft vermitteln. Und das geht kaum besser als am praktischen Beispiel. Sohnemann Alexander jedenfalls zeigt sich im Mühlenkeller, wo die Übertragung der Wasserkraft auf die Antriebsräder erfolgt, beeindruckt von der historischen, aber immer noch funktionierenden Technik.

Einbau der alten Mahlsteine steht an

Auf fünf Stockwerken lässt sich nachvollziehen, wie in der Mühle über die Kraft des Wassers mit Hilfe von Transmissionen verschiedenste Maschinen in Gang gesetzt werden, um Getreide zu reinigen, zu überheben und zu vermahlen. Höhepunkte für Kinder sind verschiedene Mitmachstationen. Doch auch die historische Turbinenanlage aus dem Jahr 1903 ist eine Attraktion. Noch nicht wieder in Betrieb sind die alten Mahlsteine, die noch eingebaut werden müssen. Ab Herbst, pünktlich zum deutschen Denkmaltag, sollen nach alter Tradition Rauhroggen, Buchweizen, Emmer und Einkorn wie früher auf den Steinen gemahlen werden, kündigt Müllermeister Thomas Kleinschmidt an - der weiterhin seinen Plan verfolgt, den Mühlentrakt in eine gemeinnützige Trägerschaft zu überführen, um die Anlage erhalten und Besuchern zugänglich machen zu können. Er sei im intensiven Kontakt mit der Stiftung Deutscher Denkmalschutz und hoffe, sein Ziel gemeinsam mit ihr umzusetzen.

So passt es daher auch gut, dass es für ihn eine Selbstverständlichkeit ist, den Menschen - trotz des großen Aufwandes, den ein Tag der offenen Tür mit sich bringt - einen Einblick in sein Kultur- und Industriedenkmal zu geben: „Es ist wichtig, den Menschen zu zeigen, dass es solche kleinen Mühlen noch gibt - und sie voll funktionstüchtig sind.“

Das wissen auch Petra und Ralf Sack aus Fellingshausen (Biebertal) zu schätzen, die mit ihren Eltern Irmgard und Hans Öhler beziehungsweise Erika Sack angereist sind. Besonders die drei Senioren sind begeistert: Die Öhlers waren einst selbst in der Landwirtschaft tätig - und mussten entsprechend fast täglich Müllermeister aufsuchen. So war der Ausflug in die Brücker Mühle fast wie eine kleine Reise in die Vergangenheit. Sie waren in Rodheim-Bieber auch die letzten, die das dortige Backhaus auch privat nutzten. Tochter Petra lässt nun die Vergangenheit zusätzlich aufleben: Sie erwarb beim Tag der offenen Tür frisch gemahlenes Mehl - mit dem sie nun zwar kein Brot, aber zumindest frische Brötchen backen will.

von Florian Lerchbacher