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Wie eine Rakete durch die Decke

Langenstein Wie eine Rakete durch die Decke

Im Oktober 1970 fuhren zwei schneeweiße Limousinen in Kirchhain vor. Chauffeure öffneten die Türen und ließen vier Rockmusiker einsteigen. „In dem Moment dachte ich, jetzt haben wir es geschafft.“

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Keep on rocking: Bernd Capito (links) und Peter Lorenz lassen es im Musikkeller so richtig krachen. Beide gehören zu den Pionieren der Rockmusik in Oberhessen.

Quelle: Matthias Mayer

Langenstein. Es ist Peter „Eddy“ Lorenz, der das sagt. Lorenz war damals Rhythmusgittarist und Leadsänger der Band „The Dischas“, die sich Anfang der 70er Jahre anschickte, Deutschland und die Welt zu erobern. Jetzt, 41 Jahre später, sitzt er in einem Kellerraum auf einem Ledersofa neben seinem  Freund und musikalischen Alter Ego Bernd „Capo“ Capito. 

Der Raum in Capitos Langensteiner Haus steht in jedem Winkel für die Geschichte des Rock ‘n‘ Roll im Kreisgebiet, denn diese hat das Duo wesentlich mitgeschrieben. An den Wänden stehen Lautsprechertürme, Verstärker und Mischpult, dazwischen hängen Fotos, Plakate und Schallplattencover der Bands, die von Capito und Lorenz  gegründet wurden. In der Raummitte das wichtigste: drei Gitarren. Egal wie sich die Gruppen der Kirchhainer Jungs nannten: Es waren stets sogenannte Gitarren-Bands mit der klassischen Instrumentierung Drums, Bass, Lead- und Rhythmusgitarre.

Das Feuer des Rock ‘n‘ Roll flackert noch in den Augen der ergrauten Guitar-Heroes, wenn sie über die alten Zeiten reden. Zu  diesen gehört auch die Geschichte von der Fahrt nach Hamburg  zu einem Band-Wettbewerb der „Bild am Sonntag“.  Der Springer-Verlag verwöhnte die Kirchhainer drei Tage lang wie Weltstars, was diese zu den schüchternen Frage an den Chauffeur bewegte: „Kann der Verlag denn das alles bezahlen.“ „Er kann“, lautete die Antwort.

Wenig später dachte Peter Lorenz ein zweites Mal: „Jetzt haben wir es geschafft.“ Es war bei der Unterzeichnung des Plattenvertrages bei Bellaphon. Der große Hit und damit Geld und Ruhm blieben den Musikern verwehrt. Dafür ernteten sie Begeisterungsstürme bei ihren Fans  (sie hatten mehr als 30 Fanclubs) und gemeinsame Bühnenauftritte mit vielen Größen der Rock- und Popmusik, TV- und Rundfunk-Präsenz.

von Matthias Mayer

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