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Widerstand gegen zentralisierten Bereitschaftsdienst

Gesundheit Widerstand gegen zentralisierten Bereitschaftsdienst

Bei den Bürgermeistern der fünf Ostkreisstädte gibt es klare Aussagen zur künftigen Organisation des ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Nur in der Schärfe ihrer Formulierungen unterscheiden sich die Rathauschefs.

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Noch gibt es hier klare Öffnungszeiten, doch die ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale in der Straße Am Scheidfeld steht zur Diskussion.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Ein Ärztevertreter bezeichnet die Überlegungen, den Bereitschaftsdienstbezirk Ostkreis aufzugeben und an die Zentrale in Marburg anzugliedern, bisher nur als „Planspiel“. Urheber ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Doch allein dieses „Planspiel“ reicht aus, um bei Bürgermeistern der betroffenen Städte Besorgnis, Ablehnung und deutlichen Widerstand auszulösen.

Eine Sonderrolle - immer vorausgesetzt, das „Planspiel“ wird Realität, nimmt Stadtallendorf ein. Denn die Stadt baute das Gebäude, in dem sich Bereitschaftsdienstzentrale und Rettungswache befinden, eigens für 1,2 Millionen Euro (diese Zeitung berichtete). Acht Jahre läuft der Mietvertrag nun noch. Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) sagt es deutlich: „Ich gehe davon aus, dass dieser Mietvertrag erfüllt wird. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit.“ Mieter ist die KV. Doch primär hat Somogyi die Sicherheit der Versorgung der Patienten im Blick, die nicht leiden dürfe. Ansonsten will er aber zunächst weitere Informationen abwarten. Somogyi verweist darauf, dass es sich bei der Zentralisierung der Bereitschaftsdienste um einen „Pilotversuch“ handeln soll. Das neue Bereitschaftsdienstmodell, dass die KV in den Raum gestellt hat, soll auch dank anderer Organisation den Ärzteberuf in ländlichen Regionen attraktiver machen. In Stadtallendorf wird Dr. Ortwin Schuchardt zunächst dem Magistrat und den Fraktionsvorsitzenden weitere Informationen geben.

Groll lehnt Zentralisierung ab

Dieses Angebot Schuchardts will auch Neustadts Bürgermeister Thomas Groll (CDU) annehmen. Groll hat in einem Schreiben an Schuchardt bereits klargestellt, dass er eine weitere Zentralisierung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes klar ablehnt. Groll warnt vor einer weiteren Ausdünnung der ländlichen Struktur. „Man kann nicht nur alles unter monetären Aspekten sehen“, schreibt der Neustäder an Schuchardt und alle Neustädter Allgemeinmediziner.

Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) erinnert daran, dass es in der Ohmstadt erhebliche Aufregung gab, als der Bereitschaftsdienst Ostkreis in Stadtallendorf zentralisiert wurde. Schon vor zweieinhalb Jahren sei den Patienten in der Stadt mit einer hohen Zahl an Medizinern Komfort verloren gegangen. „Ich habe die Befürchtung, dass die Patienten sich durchschleppen und nicht nach Marburg fahren werden“, sagt Kirchner. Aber auch er will zunächst noch auf weitere Informationen warten, bevor er weitere Schritte einleitet.

Dem Amöneburger Rathauschef Michael Richter-Plettenberg (SPD) reichen die bisherigen Informationen für eine klare Aussage: „In diesem Falle sollte man auf allen Kanälen arbeiten, um das zu verhindern. So einfach geht das nicht.“ Er hat Zweifel, ob eine weitere Zentralisierung rechtlich überhaupt zulässig wäre. Richter-Plettenberg hält es für durchaus möglich, dass das Thema Bereitschaftsdienst bereits in der heutigen Kreistagssitzung auf den Tisch kommt - etwa in Form eines Dringlichkeitsantrags. Richter-Plettenberg macht sich für eine kreisweite Initiative aller Bürgermeister stark.

Das Hinterland wäre besonders betroffen

Denn bei einer Zentralisierung auf Marburg verschwänden gleich zwei Bezirke in den Großräumen Biedenkopf und Gladenbach. Das Thema wird bereits heute beim runden Tisch zur Zukunft der Geburtshilfe-Station angesprochen. Richter-Plettenberg sieht die Bürgermeister als Sprachrohr der Patienten.

Für eine gemeinsame Initiative zumindest auf Ostkreis-Ebene macht sich auch Rauschenbergs Stadtoberhaupt Manfred Barth (parteilos) stark. Auch er steht dem „Planspiel“ der KV sehr kritisch gegenüber, auch Barth erinnert sich an die Widerstände, als der gemeinsame Bereitschaftsdienst-Bezirk Ostkreis entstand. „Die jetzigen Absichten kämen einer Abschaffung des ärztlichen Bereitschaftsdienstes gleich. So können wir das nicht akzeptieren“, sagt Barth.

Kreis-Gesundheitsdezernent Dr. Karsten McGovern (Bündnis 90/Die Grünen) kündigt an, dass sich der Landkreis das aktuell propagierte Modell „sehr genau ansehen wird.“ Ausschlaggebend ist für ihn, wie dem Patienten geholfen wird - und welche Wege er künftig zurücklegen muss, um im Notfall zum Arzt zu kommen oder gebracht zu werden. Dabei denkt McGovern an Wege wie von Momberg nach Marburg. Routenplaner im Internet errechnen bereits zwischen Neustadt und Marburg eine Entfernung von 38 Kilometern.

von Michael Rinde

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