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Ostkreis Widersprüchliche Aussagen, fehlende Zeugen
Landkreis Ostkreis Widersprüchliche Aussagen, fehlende Zeugen
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18:44 04.06.2014
Das Jugendschöffengericht in Marburg verhandelte über eine folgenreiche Schlägerei bei der Kirmes in Amöneburg vor knapp einem Jahr. Archivfoto Quelle: Thorsten Richter
Amöneburg

Der Vorfall ereignete sich im August bei der „Berger Kirmes“ in Amöneburg, eine Gemeinschaftsveranstaltung der ortsansässigen Vereine. Den zwei Angeklagten, zum Tatzeitpunkt 19 und 23 Jahre alt, wurde vorgeworfen, auf einen am Boden liegenden 19-Jährigen eingeschlagen und ihn getreten zu haben. Ursache der Auseinandersetzung soll dabei eine sexuelle Zudringlichkeit des Beschuldigten gegenüber der damaligen Lebensgefährtin des Opfers gewesen zu sein. Die Aussagen der drei Beteiligten wichen beim ersten Verhandlungstermin jedoch maßgeblich voneinander ab.

„Ich wollte mit ihr nur reden, halt die Sache klären, und bin dazu mit ihm raus aus dem Festzelt, wo mehr Ruhe ist. Der hat mir dann direkt ins Gesicht geschlagen und anschließend zusammen mit seinem Kumpel auf mich eingetreten“, sagte das Opfer aus. Er erlitt diverse Gesichtsfrakturen und eine Gehirnerschütterung und lag acht Tage im Krankenhaus, inklusive einer Operation. Die Beschuldigten schilderten die Abläufe völlig anders, wobei sich der damals 19-Jährige durch seine Anwältin vertreten ließ: „Mein Mandant wurde mehrfach provoziert und dann vom Angeklagten und seiner Gruppe dazu genötigt, aus dem Zelt zu kommen. Dort kam es zu einer Auseinandersetzung, aber er hat nicht auf ihn eingetreten.“

Der zweite Beschuldigte fügte hinzu: „Meine Freundin und ich haben von Anfang an gemerkt, dass er und seine Leute auf Streit aus waren, ich habe mich da aber komplett raus gehalten. Nur am Ende habe er jemanden bei der Rangelei weggezogen.“

Leider konnten auch die geladenen Zeuginnen und Zeugen keine Klarheit bringen. Die Freundin eines Beschuldigten stützte dessen Aussagen, auch nach dem deutlichen Hinweis von Richter Thomas Rohner bezüglich der Konsequenzen von Falschaussagen.

Da ein Beschuldigter bereits wegen eines Falls von Körperverletzung zu acht Monaten auf Bewährung verurteilt worden war, äußerte sich auch dessen Bewährungshelfer Eberhard Lübbeke, der ihm ein positives Zeugnis ausstellte und die Anschuldigungen bezweifelte. Für eine gewisse Verwirrung sorgte schließlich ein Zeuge, der als einziger aus dem Bekanntenkreis des Geschädigten aussagte, sich jedoch nicht eindeutig zu erinnern schien. Ein Bruder und ein Thekenhelfer sprachen zugunsten der Angeklagten.

Zusätzlich zu der unklaren Faktenlage war die politische Einstellung des Geschädigten möglicherweise relevant.

Wie die Anwältin eines Beschuldigten erläuterte, hatte dieser auf seiner Facebookseite klar rechtsradikale Beiträge an seiner Pinnwand zumindest toleriert, zudem gaben die Zeugen, welche auf die Gewaltbereitschaft seiner Gruppe verwiesen, einstimmig an, dass es sich um kahlrasierte Männer mit Bomberjacken und Springerstiefeln gehandelt habe. „Ich hatte da normale Arbeitsschuhe und eine dunkle Jacke an. Vielleicht hatten auch einige meiner Leute Bomberjacken und ja es stimmt, dass mir politisch so einiges nicht gefällt in Deutschland, aber das ist ja alles nicht verboten,“ erklärte der Geschädigte dazu.

Ob dies jedoch mit der Tat in Zusammenhang steht, war am ersten Verhandlungstag nicht zu klären.

Die Verhandlung wird am Mittwoch, 11. Juni fortgeführt, wobei hier vor allem die Aussage der ehemaligen Lebensgefährtin eines Angeklagten eine Rolle spielen dürfte. Ihr Fehlen beim ersten Termin hat ihr eine Ordnungsstrafe eingebracht.

von Marcus Hergenhahn

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