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Wenn eine Party aus den Fugen gerät

Amtsgericht Wenn eine Party aus den Fugen gerät

Auf die Würfe von Kronkorken folgte bei einer Party in Wohratal eine handfeste Schlägerei, mit deren Folgen sich gestern das Amtsgericht in Marburg in einer Verhandlung befassen musste.

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Während sich ihr Freund und ihr „Kumpel“ prügeln, will die Frau den Flaschenwerfer vom Geschehen fernhalten – genauer lässt sich die Szene bisher selbst im Spielzeugland nicht rekonstuieren.Foto: Lerchbacher

Wohratal. Im Mittelpunkt der gestrigen Verhandlung gegen einen 20-jährigen Marburger steht die Frage, ob er in Notwehr gehandelt hat. Um diese zu klären, musste der vorsitzende Richter Cai Adrian Boesken einen Fortsetzungstermin festlegen - voraussichtlich anderthalb Stunden, in denen den Hauptzeugen ein heißer Ritt erwartet, da er sich gestern den Unmut aller Beteiligten zuzog.

Rund ein halbes Jahr ist es her, dass eine Party in Wohratal „einen anderen Verlauf nahm, als man es sich wünscht“, wie Boesken sagte. Die damalige Freundin des Angeklagten feierte Geburtstag und saß mit einem guten Kumpel, der den Arm um sie gelegt hatte, auf der Couch. Dem 20-Jährigen gefiel dies nicht, wie er berichtete, also bewarf er die beiden mit Kronkorken. Das wiederum passte dem Getroffenen nicht. Die Situation schaukelte sich hoch, und die beiden Männer stürmten schließlich ins Freie. Ihnen folgten das Geburtstagskind und der beste Freund ihres Kumpels sowie weitere Partygäste - exakt lässt sich der Hergang bisher ob leicht variierender Aussagen der Zeugen nicht rekonstruieren.

Dort kam es zu einer Schlägerei, über deren Details lediglich der zur Tatzeit nüchterne Angeklagte zu berichten musste. Er habe von dem Kumpel einen Schlag aufs Auge kassiert - später stellte sich heraus, dass dabei Knochen im Gesicht brachen. Daraufhin habe er zwei Gegenschläge gesetzt und sei dann vom besten Freund seines Gegenüber mit einer Flasche beworfen worden. Seine damalige Freundin, die eigentlich hatte schlichten wollen, verpasste dem 17-jährigen Werfer daraufhin eine Ohrfeige. Der Angeklagte sprang herbei und setzte noch einen Faustschlag drauf: „Ich wusste ja nicht, wie er reagiert und ob er zurückschlägt. Ich habe nicht gedacht und bin hin“, erklärte er.

Seine Ex-Freundin gab an, sie wisse nicht, was genau sich abgespielt habe, da sie beschäftigt gewesen wäre, zu schlichten und den 17-Jährigen aus dem Geschehen herauszuhalten. Seinen Flaschenwurf und ihre Ohrfeige bestätigte sie. Welcher der beiden anderen Männer die Schlägerei ausgelöst habe, könne sie nicht sagen: „Beide können schnell aggressiv werden.“

Der 17-Jährige berichtete, er und sein Freund hätten im Verlauf des Abends Apfelkorn und Bier gebechert - was Boesken spontan zum zynischen Kommentar: Auch eine schöne Mischung übrigens. Oh, wie schüttelt es mich“, verleitete. An seinen Flaschenwurf wollte der junge Mann, der seinen damaligen Zustand als „ziemlich betrunken“ beschrieb, zunächst nicht erinnern. Nachdem ihm der Anwalt des Angeklagten seine Aussage bei der Polizei vorgehalten hatte, war die Erinnerung plötzlich wieder da. Er habe eine Flasche auf den Boden geworfen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Wer wen geschlagen habe, wisse er nicht - es sei ihm nicht einmal bewusst gewesen, wer ihn zu Boden gestreckt habe.

Nach ihm sollte sein Freund aussagen. Dieser sei nicht anwesend, warf der 17-Jährige ein und erklärte auf Nachfrage des Gerichts, er habe morgens noch mit ihm telefoniert, um ihn an den Termin zu erinnern. Der Auszubildende zum Berufskraftfahrer hätte gesagt, er habe den Termin vergessen und sei zur Arbeit gegangen. Das war der Augenblick, in dem Richter Boesken der Kragen platzte: „Es ist seine staatsbürgerliche Pflicht, vor Gericht zu erscheinen“, ärgerte er sich, verhängte wegen des unentschuldigten und mutwilligen Fehlens ein Ordnungsgeld in Höhe von 200 Euro (respektive vier Tage Ordnungshaft) und behielt es sich vor, den Marburger zum notwendig gewordenen Fortsetzungstermin polizeilich vorführen zu lassen. Anwalt und Staatsanwalt begrüßten dies, wobei Letzterer ergänzte, die Fortsetzung mache „schon aus erzieherischen Maßnahmen“ Sinn. Es sei zu klären, ob der Angeklagte aus Notwehr gehandelt hatte, erklärte er.

So scheint es zumindest ein weiterer Zeuge zu sehen: Er gab auf Nachfragen des Gerichtes an, der abwesende Zeuge hätte mit der Schlägerei angefangen: Er habe schon vor den Treffern mit Kronkorken provokante Bemerkungen gemacht, sei dann „völlig ausgerastet“ und habe rumgeschrien. „Er ist öfters auffällig und schlägt sich auch öfters. Deshalb wollte ich eigentlich nie etwas mit ihm zu tun haben.“

Die Fortsetzung der Verhandlung findet am Montag, 6. August, um 8 Uhr in Raum 159 des Marburger Amtsgerichtes statt.

von Florian Lerchbacher

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