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Ostkreis Wenn die Weltreise zum Alltag wird
Landkreis Ostkreis Wenn die Weltreise zum Alltag wird
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20:58 26.12.2011
Die Natur erleben, verschiedene Länder bereisen. Das wünschen sich Martin und Julie Glauer für ihre vier Kinder. Quelle: Privatfotos

Sidney. „Hallo … uns … wunderb…!“ Lautes Knacken und Rauschen verschluckt die rest­li­chen Wortsilben. „Hallo? Hallo?“ Immer wieder ruft Martin Glauer in den Hörer. Es ist schon Nacht, da, wo er jetzt ist. Seine Frau und seine vier Söhne schlafen schon längst im Zelt.

Seit einem halben Jahr ist die sechsköpfige Familie nun mit ihrem Fahrrad-Anhänger-Gespann un­terwegs. Gestartet in Vancouver, danach ging es nach Guatemala, El Salvador, Brasilien, zurück in die USA und dann weiter nach Australien. Von einem Campingplatz bei Melbourne ruft Martin Glauer in dieser Nacht in Deutschland an. Die Verbindung ist schlecht. Sie hört sich nach Abenteuer an. So, als würde man mit jemandem weit, weit weg telefonieren. Und das ist Familie Glauer auch. Weit weg von Deutschland, weit weg von einem normalen Alltag.

Es sind nicht die atemberaubenden Landschaften, die den Familienvater beeindrucken, es sind die Begegnungen mit anderen Kulturen und den Menschen, die ihn bewegen.

Das Sextett – es erregt Aufmerksamkeit. Aufmerksamkeit, die häufig in Gesprächen, Einladungen und Freundschaften endet. Besonders in Amerika, so Martin Glauer, sei man der Familie offen, neugierig und stets hilfsbereit gegenübergetreten. „Ich hatte davor ein ganz anderes Bild von dem Land und der Mentalität.“

Martin Glauer verzichtet weitestgehend auf Block und Stift und greift lieber zur Kamera. Aber die Technik – sie macht ihm immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Hier mal ein kaputtes Objektiv, da mal ein zerstörter Laptop-Bildschirm. Ärgern kann ihn das nicht mehr. Die wirklich beeindruckenden Erinnerungen haben sich ohne­hin in sein Gedächtnis und nicht auf eine Speicherkarte gebrannt.

„Wir haben hier sogar so etwas wie Alltag entwickelt“, erklärt Martin Glauer. Aufstehen, radeln, einkaufen, Zelt aufbauen, schlafen.

Das wird sich in den kommenden sechs Monaten auch nicht ändern. Wohl aber die Länder, die sie bereisen. Von Neuseeland geht es nach Indien, von dort nach Peking, schließlich mit der transsibirischen Eisenband in die Mongolei, weiter nach Russland und schließlich, im August, wieder nach Deutschland. „Die Kulturen werden anders sein, das Fahrradfahren bleibt gleich“, gibt sich Martin Glauer gelassen. Er freut sich auf die nächsten Monate, hofft, dass weiterhin alles nach Plan läuft und weder Verletzungen noch Krankheit die Reise erschweren.

Wieder wird die Verbindung schlechter, wieder knackt und rauscht es in der Leitung: „Ich habe n… Rat: einfach …elbst probieren …!“

von Marie Lisa Schulz

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